Vorzeigeprojekt: Das Youtube-Video »Das unsichtbare Netz im Untergrund – ein Tag als Rohrleitungsbauer« wurde 260.000mal geklickt. Damit machte der Rohrleitungsbauverband Werbung für diesen Beruf.

Vorzeigeprojekt: Das Youtube-Video »Das unsichtbare Netz im Untergrund – ein Tag als Rohrleitungsbauer« wurde 260.000mal geklickt. Damit machte der Rohrleitungsbauverband Werbung für diesen Beruf.

Bild: © Tomatolix

Bei aktuellen Themen wie Energiewende, Klimawandel und Digitalisierung sind Handwerker gefragt. Aber die Fachkräfte fehlen und der Mangel nimmt zu. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung suchen zwei Drittel von 7500 befragten Führungskräften derzeit qualifiziertes Personal. Doch diese Lücke wird sich nicht so leicht schließen lassen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat hier kürzlich alarmierende Zahlen für die Ausbildungssituation in Deutschland gemeldet. Danach bleiben hierzulande jährlich knapp 40 Prozent aller Azubi-Plätze unbesetzt.

Von dieser Situation wird auch die Gas- und Wasserbranche nicht verschont. Im Jahr 2020 wurden rund 9,3 Prozent weniger Verträge für eine duale Berufsausbildung abgeschlossen als im Jahr 2019. Gleichzeitig schlossen 2020 nur etwa 260 Menschen die Ausbildung zum Rohrleitungsbauer erfolgreich ab. Fast die Hälfte der Zahl sind noch als zu besetzende Ausbildungsplätze offen.

Eine Viertelmillion Aufrufe

Das Problem kennt auch Markus Lermen. »Vor ein paar Jahren war es noch so, dass man pro Stellenausschreibung einen Rücklauf von 50 Bewerbungen verzeichnen konnte. Inzwischen ist man froh, wenn die Anzahl bei fünf liegt.« Laut dem Leiter Berufliche Bildung im Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) muss man unter anderem bei der Nachwuchsgenerierung neue Wege gehen, um hier gegenzusteuern und die Sichtbarkeit und Bedeutung der Branche bei Fachkräften und in der breiten Öffentlichkeit zu steigern.

»Die klassischen Wege funktionieren nicht mehr«, sagt Lermen. »Es reicht nicht, Auszubildende über eine Zeitungsanzeige zu suchen.« Hier verweist er auf spannende Projekte wie »#pipeline 31« des Rohrleitungsbauverbands. Den Auftakt bildete das Video »Das unsichtbare Netz im Untergrund – ein Tag als Rohrleitungsbauer« mit dem YouTuber Tomatolix. Dadurch wurde dem Ausbildungsberuf des Rohrleitungsbauers mit derzeit über 260.000 Aufrufen im Netz bereits große Aufmerksamkeit in der relevanten Zielgruppe verschafft.

Nachhaltigkeit und grüne Technologien

Hier passiere sehr viel auch bei weiteren spannenden Projekten von Stadtwerken, hat Lermen ausgemacht. Vor allem Zukunftsthemen wie Wasserstoff und die damit verbundenen Aspekte »Nachhaltigkeit« und »grüne Technologien« bieten die Chance, dass sich mehr Interessenten mit der Branche beschäftigen und diese so attraktiver wird. Laut Lermen schlage sich diese Entwicklung schon heute nieder, etwa beim DVGW selbst. So registriert man dort diesbezügliche positive Effekte bei der Stellenbesetzung im Verein.

Insgesamt erwartet sich Lermen aber einen langwierigen, mehrschichtigen Prozess, bis das bei Auszubildenden verbreitete grüne Denken auch direkt mit Zukunftsthemen wie Wasserstoff in Verbindung gebracht wird. Dabei ist es laut dem Bildungsleiter zu spät, erst beim Ausbildungsbereich anzusetzen: »Wir müssen an Schulen mit der gezielten Information beginnen, sodass ein Bewusstsein für die Branche entsteht.«

Fortbildung der Ausbilder

Dabei ist der Bedarf an Bildung rund um die Zukunftstechnologie Wasserstoff in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen, berichtet Lermen. Allerdings ist ein gewisser Vorlauf bei den konkreten Aus- und Fortbildungen vonnöten. Bisher waren viele Schulungen noch gar nicht ausgerichtet auf das Wasserstoffthema, sagt der Bildungsleiter. Dies müsse jetzt sukzessive nachgezogen werden. Lermen beschreibt die Situation so: »Normalerweise sind die Laufzeiten im deutschen Bildungssystem relativ lang, hier muss jetzt aber der Turbo eingelegt werden.«

Aktuell sorgt die Situation des Krieges in der Ukraine für eine zusätzliche Dynamik rund um das Thema Versorgungssicherheit. »Der Diskurs um die Energieträger der Zukunft hat nochmals eine ganz andere Bedeutung bekommen«, konstatiert Lermen. Wobei er aber auch festhält, dass sich dies natürlich noch nicht direkt in der beruflichen Bildung niederschlägt. (Michael Nallinger)

Der Beitrag ist in der ZfK-Juni-Ausgabe erschienen. Zum Abo geht es hier.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper