In Zeiten des anhaltenden Fachkräftemangels versuchen Unternehmen mehr denn je, die jungen Talente für sich zu gewinnen. So treffen in den Betrieben immer mehr Babyboomer auf die Gen Z. Die Vorstellungen dieser zwei Generationen könnten unterschiedlicher nicht sein - im Arbeitsalltag sind Konflikte vorprogrammiert, so Vivien Schaible, Gründerin und Geschäftsführerin der Recruiting Fabrik.
"In den meisten Betrieben arbeiten zurzeit bis zu vier Generationen. Da herrscht nicht nur eine große Altersspanne, es treffen auch unterschiedliche Werte und Einstellungen aufeinander", so Schaible. Die Personalberaterin unterstützt Handwerksbetriebe im Recruiting-Prozess und hat die Wünsche der jungen Generation genau analysiert.
Betrieb kämpfen um Bewerber
In vielen Berufen, insbesondere im Handwerk, habe sich das Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den letzten Jahrzehnten zunehmend umgekehrt. Waren es die älteren Semester noch gewohnt, mit mehreren Mitbewerbern um eine freie Stelle konkurrieren zu müssen, so seien es nun die Betriebe, die um Bewerber kämpfen.
"Die Generation Z ist die erste Generation, die mit dem Phänomen des Fachkräftemangels und dem damit eng verflochtenen "Reverse Recruiting" groß geworden ist", sagt Schaible. "Diese jungen Menschen kennen es daher kaum anders, als von Arbeitgebern mit offenen Armen empfangen zu werden und sich für denjenigen darunter zu entscheiden, der ihren Bedürfnissen am besten entgegenkommt."
Mangel an Loyalität
Die resultierende Tendenz, bei Frust kurzerhand den Arbeitgeber zu wechseln, werde von Älteren oft als Mangel an Loyalität ausgelegt. Anstatt die mangelnde Loyalität junger Arbeitnehmer zu beklagen, ist Betrieben jedoch anzuraten, ihre Benefits an den Werten und Bedürfnissen der Generation Z zu orientieren, so die Beraterin weiter.
Arbeitgeber sollten sich demnach als nachhaltig und zukunftsfähig präsentieren und jungen Mitarbeitern das Gefühl geben, eine sinnhafte Tätigkeit auszuüben und persönlich sowie im Beruf voranzukommen. Um das nach außen zu tragen, ist es zudem notwendig, dort sichtbar zu werden, wo sich die Generation Z besonders oft aufhält - nämlich in den sozialen Medien.
Sinnhafte Arbeit
Einen entscheidenden Beitrag zur Mitarbeiterzufriedenheit unter der Generation Z leistet die Erfüllung, die diese im Beruf findet, führt die Recruiterin aus. "Dahinter verbirgt sich ein Geflecht verschiedener Faktoren, die mit der Vorstellung vom 'Beruf der Zukunft' und der Idee der Nachhaltigkeit zusammenhängen. Auszubildende, die der Generation Z entstammen, hinterfragen zudem gerne, welchen Sinn und Zweck ihre spezifische Tätigkeit im Betrieb erfüllt."
Es sei die Aufgabe der Betriebe, hier Antworten zu liefern. Auszubildenden sollte aus der Selbstdarstellung des Betriebs klar werden, warum es diesen gibt, welchen Beitrag er zur Nachhaltigkeit leistet und wie sie selbst mit ihrer Tätigkeit dazu beitragen. Idealerweise sollte das bereits als Aufhänger für Stellenanzeigen genutzt werden. Trägt ein Betrieb seine Werte nach außen und vermittelt den Eindruck, zukunftsfähige und sinnhafte Arbeitsstellen zu bieten, lockt das junge Bewerber, die diese Werte teilen.
Gesünderes Betriebsklima
Neben den Werten eines Unternehmens hinterfragt die Generation Z dabei auch wesentlich stärker als die vorherigen Generationen, was das Unternehmen für sie selbst tut. Zukunftsaussichten, Gesundheitsförderung und die Möglichkeit zur beruflichen Entwicklung nehmen dabei einen hohen Stellenwert ein. Arbeitgeber können das als Hebel für die Mitarbeiterbindung nutzen, indem sie klar kommunizieren, wie Auszubildende von den gebotenen Benefits profitieren.
Um Azubis auf Werte und Kultur des Unternehmens einzuschwören, bietet es sich zudem an, den Austausch zwischen Generationen anzuregen. Azubis sollten daher nicht nur mit anderen jungen Menschen zusammenarbeiten, sondern gezielt in Kontakt mit den älteren Generationen gebracht werden, so Schaible weiter. Neben der regulären Zusammenarbeit am Arbeitsplatz sei das in Form von Teambuilding-Events möglich, die zu einem gesünderen Betriebsklima beitragen.
Individuelles Wachstum bevorzugt
Für die Generation Z stelle der Job zudem kein Statussymbol mehr dar. So zeigten in der Vergangenheit zahlreiche Studien, dass das Gehalt und das mit der Position im Unternehmen assoziierte Prestige für junge Arbeitnehmer nur eine geringe Bedeutung haben. Entsprechend funktionieren auch Beförderungen im Rahmen eines linearen Karrierepfads kaum noch als Anreiz, um Personal zu binden, sagt die Beraterin.
An die Stelle einer linearen Karriere trete die individuelle Entfaltung im Beruf. So schätzen Mitarbeiter der jüngeren Generation Selbstverwirklichung und Spaß am Beruf als wesentlich wichtiger ein als ein hohes Gehalt und berufliche Aufstiegschancen. Ferner setzen sie zunehmend ein gutes Arbeitsklima in einem passenden Arbeitsumfeld voraus.
Mit Digitalisierung groß geworden
"Als erste Generation, die ihr ganzes Leben mit den Vorzügen digitaler Medien und Kommunikationswege verbracht hat, fordern Mitarbeiter der Generation Z diese auch im Beruf ein", sagt Schaible. "Sträubt sich ein Arbeitgeber gegen die Digitalisierung von Arbeitsprozessen, wird er als altmodisch und unmodern wahrgenommen - der Mitarbeiterzufriedenheit und dem Vergnügen an der Arbeit ist dies abträglich."
Stattdessen gelte es, die Vorzüge der Digitalisierung im Betrieb optimal zu nutzen. Falls das sinnvoll und möglich sei, sollten Mitarbeiter mit Laptops oder Tablets und Diensthandys ausgestattet werden. Ergänzend dazu könne die Verwendung von Cloud-Anwendungen dazu beitragen, das Konzept vom papierlosen Büro zur Realität werden zu lassen.
Offen für Input
"Gleichzeitig sollten ältere Mitarbeiter stets offen für den Input der jüngeren Generation sein", ergänzt Schaible. "Gerade in Sachen Digitalisierung und Marketing liefern junge Mitarbeiter oft wertvolle Ideen und Verbesserungsvorschläge."
Darüber hinaus berge es einen weiteren Vorteil, jungen Menschen zuzuhören: Schenkt man ihren Ideen Gehör, fühlen sie sich stärker wertgeschätzt - das trägt entscheidend zu mehr beruflicher Erfüllung bei. (jk)



