Die wirtschaftlich angeschlagenen Stadtwerke Neumünster (SWN) kommen nicht zur Ruhe. Laut ZfK-Informationen soll der Aufsichtsrat die Installierung eines Hauptgeschäftsführers erwägen, der in der Hierarchie noch über dem aktuellen Geschäftsführungsduo Tino Schmelzle und Thomas Junker angesiedelt wäre. Dabei soll es sich um den ehemaligen SWN-Chef Bernd Michaelis (67) handeln. Michaelis hatte den Kommunalversorger zehn Jahre geleitet und war 2011 aus dem Unternehmen ausgeschieden.
Ratsherr will Sondersitzung erzwingen
Die endgültige Entscheidung soll in einer Sitzung des Kontrollgremiums kurz vor Weihnachten fallen. Die Schaffung der Stelle käme einem Misstrauensvotum gegen die aktuelle Führungsspitze gleich. Schmelzle und Junker, denen das Gerücht ebenfalls zu Ohren gekommen ist, sollen klar gemacht haben, dass dies so mit ihnen nicht machbar ist, weil dieses Ansinnen für das Unternehmen schädlich sei und das Vorgehen rechtlich fragwürdig. Über einen Dringlichkeitsantrag in der Ratssitzung am kommenden Dienstag will Ratsherr Jürgen Joost eine Sondersitzung der Ratsversammlung erzwingen. Damit soll verhindert werden, dass der Aufsichtsrat vollendete Tatsachen bei der Bestellung eines Hauptgeschäftsführers schafft, bevor die Ratsversammlung umfassend informiert wurde.
Der Zeitpunkt dieser Personalspekulation kommt überraschend. Erst am Dienstag hatten die SWN nach zwei Millionendefiziten in 2017 und wohl auch im laufenden Jahr für das Geschäftsjahr 2019 einen Turnaround in Aussicht gestellt. Junker und Schmelzle arbeiten mit Hochdruck an der Restrukturierung des Unternehmens und können hier auch Erfolge vorweisen. Der Aufsichtsrat hatte den Wirtschaftsplan 2019 erst vor wenigen Tagen verabschiedet. Nach ZfK-Informationen genießen die beiden Geschäftsführer auch das Vertrauen der Banken, im Frühjahr stehen Verhandlungen über eine Anschlussfinanzierung an.
Wiederholte Indiskretionen
Für den Fall, dass die Stelle eines übergeordneten Hauptgeschäftsführers geschaffen wird, soll auch über personelle Konsequenzen im Aufsichtsrat nachgedacht werden. Grund sollen die wiederholten Indiskretionen von Aufsichtsratsmitgliedern sein. Das Kontrollgremium hatte bereits bei der jüngsten Kündigung des Vertriebsleiters eine Kehrtwende machen müssen. Der Aufsichtsrat hatte sich zuerst für eine Weiterbeschäftigung der einstigen Führungskraft ausgesprochen. Im Anschluss an die Güteverhandlung kamen die Gründe für die Trennung auch im Aufsichtsrat zur Sprache. Man einigte sich danach auf eine Trennung vom Vertriebsleiter. (hoe)



