Die Ergebnisse des Führungskräfte-Radars zur Gender- und Gleichstellungsthematik zeigen nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung die Notwendigkeit, die aktuellen Zustände im Unternehmen zu hinterfragen.

Die Ergebnisse des Führungskräfte-Radars zur Gender- und Gleichstellungsthematik zeigen nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung die Notwendigkeit, die aktuellen Zustände im Unternehmen zu hinterfragen.

Bild: © Rawpixel/AdobeStock

Jedes zweite Unternehmen in Deutschland hat ein Recruiting-Problem. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die Forsa im Auftrag von Xing E-Recruiting unter 200 Unternehmen durchgeführt hat. Dabei geben 52 Prozent der befragten Firmen an, dass sie größeren Herausforderungen bei der Personalsuche gegenüberstehen als vor der Pandemie. Und jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) sagt, dass die Fluktuation während der Corona-Zeit gestiegen ist.

Die Unternehmensbefragung bestätigt dabei die Ergebnisse einer Untersuchung zur Wechselbereitschaft der Mitarbeiter, die Xing E-Recruiting bereits im Januar erhoben hat. Vier von zehn Deutschen (37 Prozent) sind demnach offen für einen neuen Job oder haben bereits konkrete Schritte in die Wege geleitet, um eine neue Tätigkeit zu finden. Das sind rund vier Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn 2021, dem ersten Jahr der Corona-Pandemie.

Unternehmen schätzen Kündigungsgründe falsch ein

Viele Unternehmen schätzen dabei die Gründe für einen Arbeitgeberwechsel ganz anders ein als die Beschäftigten: Sie glauben, dass ihre Mitarbeite:rinnen wegen des Gehalts (75 Prozent) oder starker Konkurrenz anderer Arbeitgeber (72 Prozent) gehen. Alle anderen Ursachen spielen aus Sicht der HR-Verantwortlichen der befragten Unternehmen eine eher nachgelagerte Rolle (Führungskraft 34 Prozent, unattraktive Tätigkeit 32 Prozent, Sinnhaftigkeit 21 Prozent, Kolleg:innen 18 Prozent).

Das allerdings steht im Widerspruch zu den Aussagen der Beschäftigten, die in den vergangenen Monaten bei ihrem Arbeitgeber gekündigt haben. Obwohl in Bewerbungsgesprächen das Gehalt mit 83 Prozent weiterhin eine zentrale Rolle spielt, sind finanzielle Motive tatsächlich nur bei jedem fünften Jobwechsel (19 Prozent) für Beschäftigte ausschlaggebend. Kompetentere Führung, eine bessere Work-Life-Balance oder eine spannendere Tätigkeit sind die Hauptmotive für das Verlassen eines Unternehmens.

Erwartungshaltung von Talenten steigt

Grundsätzlich ist auch die Erwartungshaltung von Jobsuchenden gestiegen. Neben Gehalt und Tätigkeit spielen zahlreiche andere Themen eine Rolle. Hier liegen die Vereinbarkeit von Beruf & Karriere (75 Prozent), Jobsicherheit (73 Prozent), flexible Arbeitszeiteinteilung (68 Prozent), Unternehmenskultur (65 Prozent) und gutes Führungsverhalten (64 Prozent) auf den vorderen Plätzen – diese sogenannten weichen Faktoren werden also bei der Entscheidung für ein Unternehmen und damit auch im Recruiting immer wichtiger.

Zudem gewinnt der Aspekt Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung (37 Prozent). „Die veränderte Einstellung der Beschäftigten stellt Unternehmen vor Herausforderungen. Unternehmenskulturelle Faktoren stehen sehr viel mehr im Fokus als früher“, sagt Frank Hassler, Vorstand der New Work SE.

New Hiring als Chance für Unternehmen

Unternehmen müssen außerdem mehr denn je nicht nur auf die Qualifikationen von Kandidat:innen achten, sondern auch darauf, ob sie ein guter „Cultural Fit“ sind. Gefragt ist nun der Einsatz intelligenter Methoden und Lösungen für die Arbeitswelt und eine proaktive und zunehmend individualisierte Ansprache, die auch das Monitoring von Potenzialen einschließt.

Dabei können die Unternehmen intelligente Tools wirkungsvoll unterstützen, indem sie unterschiedliche Bedürfnisse der Beschäftigten erfassen und mit dem Anforderungsprofil abgleichen. „Unternehmen müssen ihr Recruiting modernisieren. Es geht nicht mehr nur um den Einsatz von Tools, sondern auch um eine stärkere Ausrichtung auf die individuellen Wünsche der Talente“, unterstreicht Hassler. Intelligente Datenanalyse-Tools könnten Personalabteilungen durch das Übernehmen zeitintensiver administrativer Tätigkeiten gezielt entlasten, damit sie sich so auf ihre Kernkompetenz – den Menschen und seine Bedürfnisse – fokussieren können. (hp)

Hier geht es zur Studie.

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