Mobiles Arbeiten könnte durch die Corona-Pandemie in vielen Unternehmen zum Standard werden.

Mobiles Arbeiten könnte durch die Corona-Pandemie in vielen Unternehmen zum Standard werden.

Bild: © Paolese/AdobeStock

Während einige sich über flexiblere Arbeitsmöglichkeiten freuen, stellt es andere vor die Herausforderung, ihre Arbeit zu organisieren. Vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) gibt es Hinweise, wie es möglichst gut gelingen kann. Arbeitspsychologe Jan Digutsch vom IfADo erläutert: "Es kann schon viel ausmachen, sich wie gewohnt morgens fertig zu machen und anzuziehen. Vielen hilft es auch, an konkreten Arbeitszeiten festzuhalten und jeden Tag zur selben Uhrzeit anzufangen, aber auch Feierabend zu machen. Und: Pausen dürfen natürlich nach wie vor nicht fehlen."

Ansonsten helfen grundsätzlich die gleichen Hilfsmittel wie im Büro auch. Man kann sich To-do-Listen schreiben und die dann systematisch abarbeiten. Bei mittel- und langfristigen Aufgaben kann es helfen, die Aufgabe in mehrere Schritte zu unterteilen und sich Meilensteine zu setzen. "Ein besonders einfaches Mittel ist es, seine Ziele und Aufgaben mit jemandem zu teilen", erörtert Digutsch in einer IfADo-Pressemitteilung. Am besten mit den Kollegen: Dadurch mache man seine eigenen Ziele transparent und es entstünde ein selbst gemachter sozialer Druck, die Aufgaben fristgerecht zu erledigen.

Teamarbeit im Homeoffice organisieren

In vielen Branchen besteht für Teams nach wie vor die Möglichkeit, sich ganz ähnlich wie gewohnt zu organisieren. Man kann digitale Meetings einrichten, in die sich jedes Teammitglied einwählen kann. "Mit einigen Programme kann man auch die Bildschirminhalte teilen, sofern sinnvoll. Das ist dann so, als würde man jemandem über die Schulter schauen. Um den Überblick zu behalten und alles zu visualisieren, gibt es auch Möglichkeiten, digitale Whiteboards zu erstellen, auf die jeder Zugriff hat", erläutert Digutsch.

Was fehlt sind die sozialen Interaktionen mit Kunden und Kollegen. Dieser soziale Austausch sorgt im Berufsalltag oft für kleine Pausen, in denen man unkompliziert Informationen austauschen kann. "Um im Homeoffice ein gesundes Maß an sozialer Interaktion zu bekommen, kann es helfen, feste gemeinsame Pausen mit Kolleginnen und Kollegen oder Familienmitgliedern abzusprechen", fährt der Arbeitspsycholge fort. In diesen Pausen könnte man zum Beispiel kurz miteinander telefonieren. Wenn man eine längere Pause machen möchte und die Möglichkeit bestünde, könnte man auch gemeinsam spazieren gehen.

Worauf sollte jeder beim Homeoffice achten?

"Das Homeoffice bringt natürlich Herausforderungen mit sich. Vor allem, wenn man sich gleichzeitig noch um die Kinder kümmern muss. In diesem Fall kann es helfen, Zeitpläne zu erstellen und im Wohnbereich ausschließliche Arbeitsbereiche festzulegen, in denen sich jeder konzentrieren kann", so der Digutsch. Es sollte klar kommuniziert werden, dass man an diesem Platz, so gut es geht, seine Ruhe braucht und wann Zeit für Pausen sei.

Allerdings muss die Vermischung von Arbeit und Familie nicht unbedingt für jeden ein Problem darstellen. "Es gibt Personen, die ihre Arbeit gerne in ihr Privatleben integrieren, da sie sich so besser organisieren können", stellt er klar. Zumindest kurzfristig könnten es diesen Personen dann im Homeoffice sogar besser gehen als mit der normalen Arbeit.

Indirekte Gefahren vermeiden

"Indirekte Gefahren kann das Homeoffice natürlich trotzdem haben. Manche können nicht gut abschalten und haben Sorge, nicht genug gearbeitet zu haben", zeigt der Arbeitspsycholge auf. Das werde noch verstärkt, wenn man das Gefühl hat, den Kollegen, aber auch den Vorgesetzten durch besonders viele erledigte Aufgaben beweisen zu müssen, dass man auch im Homeoffice wirklich etwas schaffe. "Auch in diesen Fällen ist eine feste Struktur hilfreich, aber auch gute Kommunikation und Vertrauen seitens des Unternehmens. Führungskräfte sollten gerade jetzt auch Verständnis für ihre Beschäftigten haben und offen zeigen", schließt er ab. (gun)

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