Von Midjana Mujkanovic
Stadtwerke sind längst nicht mehr nur Versorger von Strom, Gas und Wasser. Ihr Engagement reicht weit über die klassischen Aufgaben der Daseinsvorsorge hinaus. Ob soziale Projekte, ökologische Initiativen oder die Förderung regionaler Kultur – Stadtwerke übernehmen Verantwortung für ihre Stadt und deren Bürger:innen. Dieses Engagement ist nicht nur ein Zeichen von Solidarität und regionaler Verbundenheit, sondern auch eine wichtige Investition in die Zukunft.
Denn in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und gesellschaftliches Wohl immer stärker in den Fokus rücken, ist es auch für kommunale Unternehmen wie Stadtwerke unerlässlich, aktiv mitzuwirken und ihre Rolle als Gestalter des öffentlichen Lebens zu stärken. So zeigen sie, dass Verantwortung und Gemeinwohl nicht nur für große Konzerne von Bedeutung sind, sondern gerade auch auf lokaler Ebene entscheidend sein können.
Die Stadtwerke Lübbecke im Nordosten Nordrhein-Westfalens widmen sich dieser Aufgabe schon seit 15 Jahren und setzen sich aktiv für die Förderung von Kindern und Jugendlichen in der Region ein. Diese kontinuierliche Unterstützung hat dazu beigetragen, dass bereits zahlreiche regionale Projekte realisiert werden konnten, die jungen Menschen dabei helfen, sich in ihrer Entwicklung zu entfalten. Ob es darum geht, ihnen das Lernen zu erleichtern, den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen oder sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken – das Engagement der Stadtwerke ist vielfältig und nachhaltig.
Ausschluss von Sport und Kultur
Dabei konzentrieren sich die Stadtwerke bewusst auf den sozialen Bereich. Eine repräsentative Kundenbefragung hatte gezeigt, dass die Mehrheit der Bürger:innen von Lübbecke eine finanzielle Unterstützung von sozialen Projekten befürwortet. Auf diese Weise stellen die Stadtwerke sicher, dass ihre Hilfen genau dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden.
Sport- und Kulturveranstaltungen, die traditionell häufig Förderungen genießen, stehen in Lübbecke nicht im Fokus, sind aber nicht ganz irrelevant, denn seit vielen Jahren unterstützen die Stadtwerke Lübbecke schon den heimischen Handball-Bundesligisten TuS N-Lübbecke.
Das Jugendprojekt der Stadtwerke stellt jährlich 10.000 Euro zur Verfügung, um die unterschiedlichen Initiativen zu fördern. Diese Summe mag auf den ersten Blick gering erscheinen, doch sie hat einen enormen Effekt, vor allem weil sie an vielen verschiedenen Stellen gezielt eingesetzt wird.
Vergabe durch eine unabhängige Jury
Die Fördermittel teilen sich in zwei Bereiche auf: 3000 Euro sind für kleinere Projekte reserviert, bei denen maximal 300 Euro pro Initiative vergeben werden. Die restlichen 7000 Euro fließen in größere Vorhaben, die einen höheren Finanzbedarf haben.
Über die Vergabe der Mittel entscheidet eine unabhängige Jury, die sich aus sechs Mitglieder:innen zusammensetzt, darunter Journalist:innen und Pädagog:innen. So ist sichergestellt, dass die Gelder gerecht verteilt werden und jedes geförderte Vorhaben den Anforderungen entspricht. Es wird besonders darauf geachtet, dass die Projekte über das hinausgehen, was im Kindergarten oder der Schule gelehrt wird und den Kindern und Jugendlichen zusätzliche Fertigkeiten vermitteln.
Verantwortlich dafür ist Karola Halwe, die bei den Stadtwerken arbeitet und mit großem Engagement die Mittelvergabe und die Abstimmung mit den Projektverantwortlichen koordiniert. Für sie ist diese Aufgabe mehr als nur ein Job – sie begleitet das Projekt seit vielen Jahren mit viel Herzblut. Über die Mittel für kleinere Projekte kann sie selbst entscheiden und verfügen. Zuletzt bewarb sich die Kindergroßtagespflege Klammeräffchen ganz unkompliziert über den online zur Verfügung stehenden Förderantrag.
Gemüsemuffel werden zu Gemüsefans
In ihrem Antrag bat die Tagespflege um finanzielle Unterstützung für zwei Hochbeete. Michelle und Janine, die die Tagespflege leiten, verfolgen das Ziel, den Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren einen spielerischen Zugang zur Natur und gesunder Ernährung zu ermöglichen. Nachdem der Garten über sieben Jahre hinweg intensiv genutzt wurde, entschlossen sie sich dazu, diesen neu zu gestalten, um dort einen kleinen Bereich zum Gärtnern zu schaffen.
Die Kinder sollen dabei aktiv miterleben, wie Gemüse wächst und reift und selbst Verantwortung für die Pflege übernehmen. Das frisch geerntete Gemüse wird direkt in den täglichen Mahlzeiten verwendet, die von den Betreuerinnen liebevoll zubereitet werden. Dadurch erhoffen sich Michelle und Janine, dass die Kinder mehr Freude daran entwickeln, Gemüse zu probieren und auch die "Gemüsemuffel" wertvolle Vitamine mitbekommen.
Kleine Förderprojekte wie das der "Klammeräffchen" zeigen, wie wertvoll auch überschaubare finanzielle Unterstützung sein kann. Oft sind es nicht große Summen, sondern gezielte Hilfen, die das Leben vor Ort nachhaltig verbessern und Gemeinschaft fördern. Für Stadtwerke bietet sich hier die Chance, direkt zum Gemeinwohl beizutragen und der Region, in der sie verwurzelt sind, etwas zurückzugeben. Diese Art des lokalen Engagements ist für jedes Stadtwerk eine Überlegung wert, um vor Ort Gutes zu tun und positiv Einfluss zu nehmen.
Der Beitrag ist bereits in der November-Print-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.



