Im Zuge der Corona Pandemie entwickelte sich im Frühjahr 2020 zunächst in Stuttgart die Bewegung “Querdenken 711”, der zahlreiche weitere Ableger mit den jeweiligen Vorwahlziffern ihrer Region folgten. Zeitgleich veränderte sich die Häufigkeit der Nennung des Begriffes “Querdenker*in”, wie die Hochschule GISMA in Kooperation mit der Jobsuchmaschine Indeed herausgefunden hat.
Dafür wurden alle Indeed Stellenanzeigen im Zeitraum Januar 2019 bis Januar 2022 auf die Häufigkeit der Nennung der Begriffe "Querdenker*in", "Visionär" bzw. "Visionärin" und "Vordenker*in" untersucht. Das einst positiv belegte Attribut "Querdenker*in" verliert demnach in dem Zeitraum Januar 2019 bis Januar dieses Jahres 77 Prozent an Nennungen in Stellenausschreibungen.
Vordenker*innen bevorzugt
Dieser Abwärtstrend beginnt im Frühjahr 2020 zeitgleich mit dem Aufkommen der Corona-kritischen Querdenker-Bewegung. Stattdessen suchen Unternehmen seitdem verstärkt Vordenker*innen (+44 Prozent) und Visionär*innen (+35 Prozent).
Das Wort "Querdenker*in" wurde am häufigsten im September 2019 genannt, weit vor Pandemie-Beginn: Es kam in 1839 von einer Million Jobausschreibungen vor. Bis zum Januar 2022 sank dann die Nennung auf nur noch 350.
Visionär*in holt auf
Stand "Visionär*in" im September 2020 mit 540 Nennungen auf dem Tiefpunkt, löst es im Januar 2021 mit 895 Nennungen den Begriff "Querdenker*in" ab und wächst seitdem stetig.
Etwas weniger stark aber ebenso konstant wächst der Begriff "Vordenker:in". Seit August 2021 steht dieser bei aktuell 933 Nennungen in einer Million Stellenausschreibungen.

Unterschiede in einzelnen Branchen
Untersucht wurde zudem detailliert die Gewichtung der Ergebnisse mit Blick auf Stellenausschreibungen einzelner Branchen. Entgegen des allgemeinen Trends stieg die Nennung des Begriffes "Querdenker*in" in Stellenausschreibungen des Bereiches Büro und Verwaltung von 3,2 im Jahr 2020 auf aktuell 18,4 Prozent.
Besonders unter den Personaldisponenten sucht man mit 16,6 Prozent nach Querdenker*innen. Im Jahr 2020 lag der Wert noch bei 0,5 Prozent.
Management stellt sich gegen den Trend
Die Suche nach "Visionären" und "Visionärinnen" in Stellenausschreibungen stieg demnach im Verlauf des letzten Jahres in Berufen des Handwerks, der Technik und Mechanik von 1,4 auf 5,1 Prozent. "Vordenker*innen" seien in dieser Branche allerdings noch stärker gefragt. Hier kletterten die Werte im gleichen Zeitraum von 2,6 auf 9,8 Prozent.
Entgegen des allgemeinen Trends werden im Management dagegen fast genauso viele Querdenker*innen gesucht wie vor dem Zeitraum der Datenerhebung. Der Rückgang lag hier bei nur 1,7 Prozent. (jk)



