Recruiting kann schon mal die Suche nach der Nadel im Heuhaufen sein.

Recruiting kann schon mal die Suche nach der Nadel im Heuhaufen sein.

Bild: © wocintechchat via unsplash

Mit Blick auf die digitale Zukunft in ihrem Beruf sind weibliche Beschäftigte gegenüber männlichen offenbar im Nachteil: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Frauen gut auf den Umgang mit vernetzten digitalen Technologien vorbereitet fühlen, liegt bei 34 Prozent – unter Männern sind es 49 Prozent.

Und Frauen erwarten mit einer Wahrscheinlichkeit von nur zehn Prozent, dass sich durch Digitalisierung ihre Arbeitsmarktaussichten verbessern, gegenüber 18 Prozent bei Männern. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung auf der Basis von Befragungen unter rund 4000 Beschäftigten.

 

"Die digitale Transformation kann die Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt verstärken", sagt die Studienautorin Yvonne Lott.

Potenzial bei Bürokauffrauen

Derzeit übten 7,1 Mio. Männer, aber nur 4,2 Mio. Frauen Berufe aus, bei denen viele Tätigkeitsanteile von Computern übernommen werden können. Der Abstand beim so genannten "Substituierbarkeitspotenzial" ist zwischen 2013 und 2019 aber spürbar kleiner geworden: Gemessen an allen Männern bzw. Frauen, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, von 19 auf 13 Prozentpunkte, zeigt eine ergänzende Analyse von Forscherinnen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Bei Berufen, die häufig von Frauen ausgeübt werden, ist die Spannbreite besonders groß: Während etwa bei Sozialberufen vergleichsweise wenig technisch ersetzt werden kann, ist das Potenzial etwa bei Bürokauffrauen erheblich. Zudem würden Rationalisierungspotenziale in frauendominierten Berufen öfter umgesetzt als in klassischen Männerberufen. Das heißt: Die Automatisierung vernichtet vor allem Jobs von Frauen.

Mehr Weiterbildungen

Die WSI-Forscherin Lott fordert daher eine kontinuierliche Weiterbildung in digitalen Technologien, unabhängig vom Geschlecht – denn Frauen erhielten seit langer Zeit seltener und kürzere Weiterbildungen als Männer. So kämen sie auch seltener zu Beförderungen oder Lohnerhöhungen.

Ferner sollten Digital-Kompetenzen verstärkt schon in der frühkindlichen Bildung und an Schulen vermittelt werden. Das mache Ausbildungen oder ein Studium im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) für Frauen attraktiver. Eine geschlechtssensible Qualifizierungsstrategie sei infolge des demografischen Wandels auch gesamtwirtschaftlich sinnvoll.

Arbeitskultur mit Entgrenzung

Zudem plädiert Lott für eine Arbeitskultur weg von sehr langen Arbeitstagen, zeitlicher Entgrenzung und Stigmatisierung von Teilzeitarbeit, wie sie in der IKT-Branche verbreitet sei. Diese Trends trügen dazu bei, dass selbst in Digital-Unternehmen qualifizierte Frauen an den Rand gedrängt würden. (jk)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper