Eine Bain-Studie hat untersucht, wie wichtig Beschäftigten ein inklusiver Arbeitgeber ist. (Symbolbild)

Eine Bain-Studie hat untersucht, wie wichtig Beschäftigten ein inklusiver Arbeitgeber ist. (Symbolbild)

Bild: © ronnachaipark/AdobeStock

Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels werden Diversität und Inklusion für Unternehmen zu einem immer entscheidenderen Wettbewerbsfaktor. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Bain & Company in einer neuen Studie. Dafür wurden insgesamt rund 10.000 Angestellte in Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und den USA befragt.

Werden verschiedene Geschlechter und Altersgruppen sowie Beschäftigte unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft integiert, stärkt das demnach nicht nur das Image als Arbeitgeber; Mitarbeiter*innen haben auch eine größere Bindung an das Unternehmen. Dies steigere ihre Leistungsbereitschaft sowie Innovationskraft. Davon profitierten allerdings nur Firmen, in denen sich die Belegschaft wirklich wahrgenommen, geschätzt und gefördert fühle.

30 Prozent fühlen sich voll einbezogen

"Unternehmen auf der ganzen Welt haben es auf der Agenda, Vielfalt und Integration zu fördern. Doch es fällt ihnen schwer, echte Fortschritte zu erzielen", erklärt Imeyen Ebong, Partner, Bain. Oftmals bestehe noch kein Konsens darüber, was erfolgreiche Inklusion für alle Beteiligten ausmache und welche Parameter geeignet seien, um den Nutzen bestimmter Maßnahmen zu beurteilen.

Tatsächlich haben die meisten der befragten Beschäftigten den Eindruck, keine vollwertigen Mitglieder ihres Unternehmens zu sein. Dabei spielt es laut Studie keine Rolle, ob sie in ihrer jeweiligen Arbeitsumgebung einer Minderheit angehören oder nicht. Insgesamt geben nur rund 30 Prozent an, sich voll einbezogen und geachtet zu fühlen, ganz gleich, welche Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sie haben, welch ethnischer Herkunft sie sind oder welcher sozialen Schicht oder Altersgruppe sie angehören.

Quoten greifen zu kurz

Dieses Ergebnis wiege umso schwerer, da die Mehrheit der Befragten einen respektvollen und wertschätzenden Umgang im Berufsleben als essenziell erachte. Für fast zwei Drittel ist ein inklusives Umfeld demnach ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung für eine Stelle bei einem neuen Arbeitgeber.

"Es greift zu kurz, lediglich die Recruiting-Strategie zu ändern oder allein auf Quoten zu setzen", stellt Bain-Partnerin und Organisationsexpertin Mareike Steingröver fest. "Erst eine nachhaltige integrative Firmenkultur bringt den wahren Wert einer vielfältigen Belegschaft zutage."

Unternehmenskultur schafft Bindung

Beschäftigte fühlten sich nur dann wirklich zugehörig zu einem Unternehmen oder einem Team, wenn sie in ihrer Individualität respektvoll behandelt, gefördert und zur vollen Teilhabe ermutigt würden. Fehlt im Unternehmen die entsprechende Kultur, kann sich das negativ auf die Personalbindung auswirken.

Denn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich an ihrem Arbeitsplatz nicht als Teil des Ganzen sehen, machen sich der Studie zufolge eher auf die Suche nach einem neuen Job. Tatsächlich ist in diesem Personenkreis eine Kündigung sechs Mal wahrscheinlicher als bei Beschäftigten mit ausgeprägtem Zugehörigkeitsgefühl.

Weiterempfehlungen hängen von Inklusion ab

"In Zeiten zunehmender Personalknappheit droht mangelnde Inklusion zu einem ernsthaften Risiko für die Unternehmen zu werden", warnt Steingröver.

Dagegen zahlt sich das Engagement für mehr Inklusion in vielerlei Hinsicht aus. So werben Angestellte, die sich vollumfänglich akzeptiert fühlen, deutlich häufiger für ihren Arbeitgeber. Bei ihnen liegt der Net Promoter ScoreSM, der die Weiterempfehlungsbereitschaft misst, bei plus 71 Prozent. Demgegenüber steht ein Wert von minus 83 Prozent bei den Beschäftigten, die sich im Unternehmen nicht als vollwertige Mitglieder empfinden.

Innovationskraft steigt stark

Weiterer Vorteil einer nachhaltigen integrativen Firmenkultur ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eher bereit sind, sich intern neuen Herausforderungen oder Aufgaben zu stellen. Auch gehen sie mit diesen kreativer um.

Je mehr sich ein Unternehmen um die umfassende Einbeziehung aller Beschäftigten bemüht, desto höher ist deren Leistungsbereitschaft und Innovationskraft. Wird hingegen einzig und allein Diversität gefördert, sind die Effekte deutlich geringer.

Die nächste Karrierestufe in Aussicht

Im Zuge der Studie hat Bain zudem Maßnahmen identifiziert, mit denen sich Unternehmen hin zu inklusiven Organisationen entwickeln können. Zum Beispiel sind zur Diversität und Inklusion klare Ziele zu kommunizieren. Allein das steigere schon bei vielen Beschäftigten das Zugehörigkeitsgefühl. Daher sollte als erste Maßnahme glaubhaft transportiert werden, dass Vielfalt und Teilhabe dem Management ein wirkliches Anliegen sind.

Um die Weiterentwicklung zu unterstützen, gelte es zudem Programme für Beförderungen, Coachings und Fortbildung zu etablieren. Die nächste Karrierestufe in Aussicht zu haben, stärke das Empfinden, vollwertiges Mitglied des Unternehmens zu sein, ganz erheblich.

Mitarbeiter brauchen Mentoren

Gefördert werden müssen demnach auch Begegnungen und Kooperationen mit Gleichgesinnten und Mentoren. Menschen fühlen sich gesehen, wenn sie Verbündete haben, die sie begleiten und ihnen Hilfestellung leisten, heißt es.

"Die Beschäftigten erkennen schnell, ob sich ein Unternehmen ernsthaft um ihre Belange kümmert und echte Anstrengungen für mehr Inklusion unternimmt", resümiert Gilbert Grima, Bain-Partner im Zürcher Büro. "Erfolgreiche Inklusion gelingt nur, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Dafür müssen Management und Belegschaft althergebrachte Verhaltensweisen ändern und neue Formen der Zusammenarbeit definieren." (jk)

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