Nach zwei Geschäftsjahren mit Millionenverlusten planen die Stadtwerke Neumünster (SWN) im Geschäftsjahr 2019 wieder die Rückkehr in die Gewinnzone. Die Stadtwerke Neumünster GmbH rechnet im kommenden Geschäftsjahr mit einem Gewinn von von 5,5 Mio. Euro, beim SWN-Konzern geht man von einem Plus in Höhe von 786.000 Euro aus. Das geht aus dem Wirtschaftsplan hervor, den der Aufsichtsrat am vergangenen Montag (3. Dezember) verabschiedet hat. Maßgeblich zur Trendwende beigetragen haben vor allem die komplette Umstellung der Energiebeschaffung, die Neuordnung des Einkaufs sowie die Neuaufstellung der Sparten Vertrieb und Telekommunikation.
Deutlich bessere Datenbasis
Der Wirtschaftplan 2019 basiert laut dem Unternehmen auf einer deutlich besseren Datenbasis als in den Vorjahren. "Unter der aktuellen Geschäftsführung ist in den letzten beiden Jahren sehr viel professionalisiert und modernisiert worden", heißt es in der Pressemitteilung. Unter anderem wurde im zentralen Kaufmännischen Service für den Gesamtkonzern ein umfassendes konzernübergreifendes Steuerungsmodell eingeführt. Dieses verbessert die Planung und Kontrolle der Geschäfte deutlich und macht Vorgänge transparenter.
Eine laut Pressemitteilung "hochriskante" Beschaffungsstrategie und Planabweichungen bei den Baukosten in der Telekommunikationssparte hatten dem kommunalen Konzern im Geschäftsjahr 2017 ein Millionendefizit eingebracht, auch für das laufende Geschäftsjahr wurden tiefrote Zahlen avisiert. Auch in diesen Verlustbereichen der vergangenen zwei Jahre wird ein Turnaround im kommenden Jahr erwartet. Die Energiebeschaffung wurde auf eine langfristigere, risikoärmere Einkaufsstrategie umgestellt. So seien die Kosten besser planbar und das Verlustrisiko sinke. Zudem wurden Verluste in Höhe von 2,4 Mio. Euro aus Lieferverpflichtungen in den Jahren 2019 und 2020 bereits im dritten Quartal als Drohverlustrückstellungen berücksichtigt. Diese belasten also bereits das Jahresergebnis 2018, aber nicht mehr die Geschäftsjahre 2019 und 2020.
Digitalisierung standardisierter Prozesse
Zur Gesundung der SWN trägt zudem das Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm bei. Durch Sofortmaßnahmen wurden die Kosten im laufenden Jahr bereits um 3,7 Mio. Euro gegenüber 2017 gesenkt. Bis zum Jahr 2020 sollen die Kosten acht Mio. Euro unter denen von 2017 liegen. Bei der Restrukturierung von Kaufmännischem Service, Vertrieb und Telekommunikation stehen vor allem schlankere und effizientere Prozesse im Vordergrund: unter anderem durch Digitalisierung von standardisierten Vorgängen. Dadurch sollen weitere sechs bis acht Mio. Euro eingespart und andererseits Ressourcen für mehr Kundenorientierung und Zukunftsgestaltung frei gemacht werden.
"Die Trendwende ist erreicht. Jetzt geht es darum, das Tempo der Restrukturierung zu halten und die interne Effizienz weiter zu erhöhen", erklärten die SWN-Geschäftsführer Tino Schmelzle und Thomas Junker. Parallel dazu treibe man die Zukunftsplanung des Konzerns voran, dazu zählten der Aufbau neuer Geschäftsfelder und neuer attraktiver Kombiprodukte.
Höhere Effizienz auch bei Bädern und Verkehr
Auch in von Haus aus defizitären Sparten wie Bädern und ÖPNV konnten die Kosten durch das Effizienzprogramm gesenkt werden. Es wurden mehr Leistungen vom eigenen Personal erbracht und weniger Aufträge an externe Dienstleister vergeben. Die SWN Verkehr setzt künftig auf Hybrid-Busse, deren Mehrkosten sich durch den geringeren Kraftstoffverbrauch in wenigen Jahren amortisiert haben. Durch die Umstrukturierung des Fuhrparks sinke zudem der Aufwand für Wartung und Reparatur der Busse. Die hauseigene Werkstatt kann in Kürze die gesamte Busflotte eigenständig instandhalten. Kräftig gespart hat die Geschäftsführung auch bei der Revision des Kraftwerks; durch eine geänderte Organisation und exaktere Planung der Abläufe lagen die Kosten um 280.000 Euro unter Plan. (hoe)



