Von 800 Berufsgattungen stöhnt knapp die Hälfte darüber, dass sie keine neuen Leute findet.

Von 800 Berufsgattungen stöhnt knapp die Hälfte darüber, dass sie keine neuen Leute findet.

Bild: © synGGG/AdobeStock

Von Elwine Happ-Frank

Der Bedarf an Fach- und Arbeitskräften steigt stetig – auch ohne nennenswertes Wirtschaftswachstum. Denn Haupttreiber bleibt weiterhin die demografische Entwicklung: Die Generation der Babyboomer geht in Rente, zu wenige jüngere Arbeitskräfte kommen nach.

In Hessen fehlen bis 2030 240.000 Fach- und Arbeitskräfte, um offene Stellen zu besetzen. Das hat das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität in Frankfurt am Main für das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales ermittelt.

Besonders groß ist der Mangel bei Fachkräften mit Berufsabschluss. Dort fehlen zwischen 2023 und 2030 160.000 Personen. Auch die Lücke bei den Fachkräften mit Studienabschluss klafft immer weiter auseinander; in diesem Bereich fehlen bis 2030 rund 80.000 potenzielle Bewerber. Dabei zeigen sich große Unterschiede zwischen Stadt und Land: Während in ländlich geprägten Regionen vor allem beruflich Qualifizierte fehlen, sind es in den Großstädten vor allem die Akademiker.

Unterschiedliche Situation in den Branchen

Bei den Arbeitskräften ohne formalen Abschluss indes sieht die Situation anders aus. Landesweit gibt es sogar 17.000 Personen mehr, als entsprechende Stellen vorhanden sind. Dennoch herrscht auch hier in vielen ländlichen Regionen bereits ein Mangel, denn der rechnerische Überhang ist auf die Situation in den hessischen Großstädten zurückzuführen. Dort wird die Nachfrage nach Geringqualifizierten auch 2030 noch deutlich geringer sein als das verfügbare Angebot und damit weiter Möglichkeiten eröffnen, um Angelernte über Qualifizierung zu Fachkräften zu entwickeln.

Eine verschärfte Fachkräftesituation wird nach der jüngsten Prognose in den Bereichen Erziehung, Pflege, Informationstechnik, Fahrzeugführung sowie in verschiedenen Handwerk-Zweigen erwartet. Etwas entspannt hat sich hingegen die Lage bei Berufen, die mit Maschinen- oder Fahrzeugtechnik zu tun haben sowie im Büro und Sekretariat. Die Prognosen des IWAK zum Arbeitskräftebedarf werden alle zwei Jahre fortgeschrieben. Bei der aktuellen Untersuchung wurden erstmals die Wechselwirkungen der demografischen Entwicklung mit anderen Trends wie der Digitalisierung berücksichtigt.

"Unsere Prognosen belegen, dass die vor allem durch den Austritt der Babyboomer geradezu explodierende Nachfrage nach Fach- und Arbeitskräften durch die zunehmende Digitalisierung etwas abgeschwächt werden kann. Dies wirkt sich entspannend auf die Gesamtsituation aus", sagt Christa Larsen, Leiterin des IWAK. Digitalisierung treibe die Automatisierung von Arbeitsprozessen voran, so dass weniger Fach- und Arbeitskräfte gebraucht würden und trotzdem die Wirtschaftskraft erhalten bleibe.

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