Rund 43 Prozent der Unternehmen planen, ihre Beschäftigten fit für die zukünftigen Anforderungen zu machen. Das ergibt eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Angesichts von Digitalisierung und rapidem Wandel der Arbeitswelt seien das "problematisch niedrige" Anteile, lassen sich die WSI-Expertinnen Serife Erol und Elke Ahlers in der Mitteilung der Stiftung zitieren. Zumal verschiedene Studien "eindeutig" belegen, dass in Betrieben mit Betriebsrat bereits mehr für Weiterbildung getan werde als in Betrieben ohne Mitarbeitervertretung. Deren Werte würde also noch geringer ausfallen.
So zeigt ein Forschungsüberblick in der Studie unter anderem: Insbesondere ältere, geringer qualifizierte oder befristet Beschäftigte haben demnach einen besseren Zugang, wenn es einen Betriebsrat gibt. Zudem würden die Arbeitgeber:innen dann häufiger die Kosten für Weiterbildungen übernehmen, heißt es in der Mitteilung weiter. In der Umfrage gaben knapp 48 Prozent der Befragten an, von ihren Arbeitgeber:innen bei der Weiterbildung "finanziell ausreichend" unterstützt werden. Für die Betriebsräte ist noch Luft nach oben.
Weiterbildungsgesetz "wichtiger Schritt", aber Bildungszeit fehlt
Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse bewerten die WSI-Forscherinnen den Gesetzentwurf für ein "Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung" als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. "Das darin vorgesehene Qualifizierungsgeld würde von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten über einen teilweisen Entgeltersatz finanzielle Sicherheit bieten. Während sie sich auf eine zukunftssichere Beschäftigung im gleichen Unternehmen weiterbilden", heben Erol und Ahlers hervor. Auch würde das Qualifizierungsgeld unabhängig von der Betriebsgröße, dem Alter oder der Qualifikation der Beschäftigten gezahlt.
Die Forscherinnen sehen aber auch ein Defizit: "Bedauerlich" sei, dass die ursprünglich vom Bundesarbeitsministerium angestrebte Bildungszeit nicht umgesetzt wird, weil es "Widerstände in der Ampel-Koalition gab". Die Bildungszeit hätte laut den beiden dafür sorgen können, dass mehr Beschäftigte auch "wirklich die nötige Zeit für Qualifizierungsmaßnahmen bekommen".
Betriebsräte bräuchten mehr Mitspracherecht
Außerdem bräuchten auch Betriebsräte mehr Mitspracherechte, denn bislang sei dieses Recht beim Thema Fort- und Weiterbildung "vergleichsweise schwach". Sie können beispielsweise zwar Vorschläge für Qualifizierungsangebote machen, der Arbeitgeber kann sie aber ignorieren.
Betriebsräte könnten aufgrund ihrer guten Kenntnis von Arbeitsabläufen und Potenzialen von Beschäftigten eine wichtige "Mediatorrolle für das Thema Weiterbildung" spielen, so die Expertinnen. Dazu bräuchten sie eine bessere Ausstattung, beispielsweise über mehr Freistellungsmandate, und "wirkliche" Mitbestimmungsrechte beim Thema. (gun)



