Flexible Arbeitsmodelle stellen die Personaladministration und ihre HR-Systeme zunehmend vor Herausforderungen. Dabei verändert sich der typische Arbeitsalltag, wie aus einem Bericht des amerikanischen Beratungsunternehmens Alight hervorgeht.
Ein Trend ist dabei, dass die sogenannte Gig Economy wächst. Deshalb häufen sich befristete Aufträge für alle Gehaltsgruppen – vom geringfügig Beschäftigten bis zu hochbezahlte Selbstständigen. So werde laut einer Studie von Brodmin, einer Zahlungsplattform, die globale Gig Economy von 2018 bis 2023 um 17,4 Prozent wachsen.
Digitalnomaden im Anmarsch
Diese Entwicklung führt zu mehr untypischen Arbeitsformen, da sich die Arbeitsstunden in vielen Verträgen frei anpassen lassen. Der klassische "8-to-5"-Tag soll dadurch immer seltener werden, erläutert Dirk Burkamp, Regional Sales Director, Alight.
Zudem geht der Trend zu weniger persönlichen Treffen. Der Großteil der täglichen Arbeit findet virtuell statt. Im Extremfall verfügen Digitalnomaden sogar über keinen festen Wohnsitz mehr, sondern wählen ihren Wohn- und Arbeitsort nach anderen Kriterien wie der Attraktivität oder der Höhe der Lebenshaltungskosten.
Arbeitskosten abseits der Großstädte geringer
Wenn weder die Arbeitszeit noch Arbeitsort vorgegeben sind, eröffnen sich auch den Arbeitgebern neue Möglichkeiten. Sie haben auf einmal Zugriff auf eine große Zahl an Fachkräften mit ganz unterschiedlichen Kosten und ungewöhnlichen Arbeitsmodellen, heißt es.
So seien die Mietkosten in Ballungszentren wie München oder Frankfurt am Main verhältnismäßig hoch. Daher benötigen Arbeitnehmer in diesen Gebieten auch ein höheres Gehalt. Außerhalb dieser Regionen sind die Lebenshaltungskosten dagegen geringer und damit auch die Arbeitskosten.
Schnelle Anbindung trotz räumlicher Entfernung
Über die Landesgrenzen hinaus erfreuen sich demnach sogenannte Shared Service Center immer größerer Beliebtheit. Dabei werden unternehmensinterne Dienstleistungen zentral an einen kostengünstigeren Arbeitsort in Europa verlagert, heißt es weiter.
Aufgrund der neuen Remote-Work-Bedingungen ergeben sich zudem Möglichkeiten für ungewöhnliche Settings in Very-Low-Cost-Gebieten wie Afrika. Entgegen der landläufigen Meinung verfügten diese Regionen über eine gute IT-Infrastruktur mit Glasfaser und ermöglichten somit trotz der räumlichen Entfernung eine schnelle Anbindung, so Burkamp.
Kleinere und stärker verteilte Standorte
Die neuen Möglichkeiten und Herausforderungen haben auch einen massiven Einfluss auf die Lohn- und Gehaltsabrechnung. Moderne HR- und Payroll-Systeme müssen auch ungewöhnliche Arbeitsverhältnisse und komplizierte Bezahlmodelle darstellen können. Daher müsse die HR-IT künftig noch mehr in der Lage sein, untypische Unternehmensstrukturen abzubilden, so Burkamp weiter.
Die Zahlen der Gewerbeimmobilienbranche deuten auf kleinere und stärker verteilte Standorte hin. Der Trend zur Remote-Work ermögliche nicht nur dem Arbeitgeber Chancen, Arbeitsvolumen zu verlagern, sondern auch dem Arbeitnehmer, das Unternehmen ohne große Umstellung schnell zu wechseln. Dieser Trend soll sich in den nächsten Jahren noch deutlich verstärken.
Tiefgreifender Wandel
"In Gesprächen und Projekten mit zahlreichen Unternehmen wird klar, dass es sich hierbei nicht mehr um einen kurzlebigen Effekt oder eine pure Krisenreaktion der Industrie handelt, sondern dass wir einen tiefgreifenden Wandel erleben, der gekommen ist, um zu bleiben", resümiert Burkamp. (jk)



