Wieso sich die Menschen nicht für ein Studium der Elektrotechnik entscheiden, zeigen Untersuchungen des VDE auf.

Wieso sich die Menschen nicht für ein Studium der Elektrotechnik entscheiden, zeigen Untersuchungen des VDE auf.

Bild: © romaset/stock.adobe.com

Elektrotechnik zieht die jüngere Generation nicht an. Dies bestätigte bereits eine Studie des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) Anfang 2022. Nun legt der VDE nach und habe in einer Studienreihe untersucht, woher das negative Bild entspringe und wie man dem entgegensteuern könne, heißt es in einer Pressemitteilung.  

Es herrsche laut der VDE-Untersuchung ein denkbar "schlechtes" Image, was die Aufgaben von Elektroingenieur*innen anginge. Studienleiterin Maya Götz erklärt: "Gebückte Haltung, Kabel verlegen oder Weihnachtsbeleuchtung am Marktplatz installieren: Solche Bilder haben Jugendliche im Kopf – und diese Tätigkeiten sind leider so gar nicht attraktiv."

Auch zeige die Studienreihe, dass Ingenieurinnen und Ingenieure als diejenigen gelten, die lediglich Arbeitsaufträge abwickeln oder elektrische Geräte kontrollieren und reparieren. Demgegenüber steht der Wunsch junger Menschen, Lösungen zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. "Man sieht, dass reale Berufswünsche mit dem falsch vorgestellten Berufsalltag kollidieren, was zu sinkenden Einschreibungszahlen führt", erklärt Götz, Medienwissenschaftlerin vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI).

Präsentation des Studiums schreckt ab

Hinzu kommt, dass sich die Hälfte der angehenden Studienberechtigten online über mögliche Studiengänge informiert. Die Präsentation der Elektro- und Informationstechnik sei laut der Untersuchung jedoch häufig gespickt mit Fremdwörtern und für Jugendliche wenig ansprechend gestaltet, was eher abschrecke.

Die VDE-Studienreihe hält fest: Aktuell könne Deutschland die Lücke an Elektroingenieur*innen größtenteils mit Fachkräften aus dem Ausland schließen, doch aufgrund der steigenden Nachfrage sei dies keine dauerhafte Möglichkeit.

Erste Lösungsansätze: Kommunikation ist das A und O

Wenn potenzielle Studierende eines Fachs nicht verstehen, dass es vielfältig, interessant und der Schlüssel zu sinnvollen Jobs ist – dann hängt die Kommunikation. Oft seien es der Umfrage zufolge Zufallsimpulse, die Jugendliche von der Elektrotechnik wegtreiben, keine bewussten Entscheidungen auf Basis einer fundierten Beratung von Jobcentern oder Hochschulen. 

Laut der VDE-Mitteilung seien somit Unternehmen gefragt, Orientierung zu schaffen. Was bietet die Elektrotechnik dem Nachwuchs, was macht sie attraktiv und – ganz konkret – was lässt sich im späteren Berufsleben verdienen? Werden diese Botschaften zielgruppentauglich kommuniziert, lässt sich das schiefe Bild zurechtrücken. Zum anderen sieht eine Mehrheit der Studierenden "Durchhaltevermögen" als wesentliche Eigenschaft für das Studium. Gelingt es den Hochschulen zu vermitteln, für welche Aufgaben das Studium im späteren Berufsleben qualifiziert, ist eine höhere intrinsische Motivation zu erwarten.

Ein anderer Aspekt ist die konkrete Ansprache von Mädchen und jungen Frauen, um sie für Elektro- und Informationstechnik zu gewinnen. Es sei immer noch eine Männerdomäne, man wolle sich im Job nicht unterbuttern lassen oder im Umfeld blöde Sprüche anhören müssen wegen der Berufswahl. "An all diesen Themen müssen wir mit Hochdruck arbeiten", resümiert Michael Schanz, Leiter des VDE Fachausschusses Studium, Beruf und Gesellschaft. "Wer weiß, vielleicht brauchen wir auch neue Bezeichnungen für die Studiengänge der Elektrotechnik, um das in Schieflage geratene Image aufzulösen." (gun)

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