Das liest man selten in der Pressemitteilung eines Unternehmens über die eigene Unternehmenskommunikation: "Unsere Geduld ist weitgehend aufgebraucht", wird David Lutz (CDU), der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stadtwerke Bonn, in der Mitteilung der Stadtwerke Bonn zitiert. Der Aufsichtsrat kritisiert die Stadtwerketochter SWB Bus und Bahn und deren Geschäftsführerin für die anhaltende Stadtbahn-Situation.
"Wir erwarten jetzt von Anja Wenmakers einen belastbaren Plan mit klaren Zuständigkeiten, konkreten Schritten und einem verbindlichen Zeitplan", sagt Lutz. "In zwei Wochen wollen wir sehen, wie die Wiederinbetriebnahme verlässlich umgesetzt werden soll." Dann steht die nächste außerordentliche Sitzung mit den Aufsichtsräten von Stadtwerken und Mobilitätstochter an. Hintergrund ist die Außerbetriebnahme von 60 von 75 Stadtbahnen.
Stadtwerke sollen Ergebnisse liefern
Wenmakers informierte am Dienstag zum wiederholten Mal die Aufsichtsräte über den aktuellen Stand. Diese zeigten sich ungeduldig: Karolin Rübo (CDU), die Vorsitzende des Aufsichtsrates von SWB Bus und Bahn, sagte: "Unser Ziel ist klar: Es sollen täglich geprüfte Stadtbahnen in Betrieb genommen werden." Nach Wochen erheblicher Einschränkungen sei der derzeitige Zustand für unsere Fahrgäste nicht länger hinnehmbar.
Am 21. Juli wurden 60 Stadtbahnen nach einer technischen Prüfung aus dem Verkehr gezogen: Es wurden Unregelmäßigkeiten bei den Bauteilen festgestellt. Seitdem läuft die einzelne Überprüfung für die Wiederinbetriebnahme der Fahrzeuge. Politikerin Rübo betont: Entscheidend seien nicht Ankündigungen, sondern konkrete Fortschritte auf der Schiene. Damit spielt sie auf zeitliche Versprechungen der Stadtwerke an, die diese nicht einhalten konnten. Zunächst gingen die Stadtwerke von wenige Tagen aus. Stand jetzt ist keiner der Wagen wieder auf den Gleisen.

Das schließt personelle Konsequenzen ausdrücklich ein.
David Lutz
Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stadtwerke Bonn.
Die vom Aufsichtsrat beauftragte, unabhängige, externe Prüfung der Informations- und Entscheidungsabläufe im Zusammenhang mit der Außerbetriebnahme der Stadtbahnen hat begonnen, hieß es weiter in der Meldung: "Wir wollen vollständig aufklären, wie es zu dieser Krise kommen konnte und wer wann welche Verantwortung getragen hat", sagt David Lutz. "Die externe Prüfung muss unabhängig und ergebnisoffen erfolgen. Wir greifen ihrem Ergebnis nicht vor." Sollten sich jedoch gravierende Versäumnisse, Fehlentscheidungen oder Pflichtverletzungen bestätigen, werde der Aufsichtsrat seiner Verantwortung nachkommen und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen: "Das schließt personelle Konsequenzen ausdrücklich ein", mahnt Lutz.
Hermes-Nachfolgersuche soll beschleunigt werden
Die Aufsichtsräte sehen es laut Mitteilung als notwendig an, die Spitze der Stadtwerke personell wieder zu vervollständigen. Dabei soll ein besonderer Fokus auf die Gesellschaften SWB Bus und Bahn sowie SWB Energie und Wasser gelegt werden. Sie hätten daher den Bonner Oberbürgermeister gebeten, mit dem Landrat des Rhein-Sieg-Kreises und der Beteiligungsgesellschaft BRS Gespräche über die zukünftige Aufgabenverteilung zu führen.
Seit 2025 ist Anja Wenmakers zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin der Mobilitätstochter auch Geschäftsführerin der Stadtwerke Bonn, damals noch zusammen mit Olaf Hermes als Vorsitzenden Geschäftsführer. Als dieser im März dieses Jahres hinschmiss übernahm Marco Westphal kommissarisch sein Amt. Einen neuen Chef sucht Bonn seitdem.