Deutschlands größter Energieversorger EWE setzt auch bei der Ausbildung Maßstäbe. Er hat für Auszubildende einen Energiecampus in Oldenburg eröffnet. Das Bild zeigt eine angehende Elektronikerin beim Praxistest am Schaltkasten.

Deutschlands größter Energieversorger EWE setzt auch bei der Ausbildung Maßstäbe. Er hat für Auszubildende einen Energiecampus in Oldenburg eröffnet. Das Bild zeigt eine angehende Elektronikerin beim Praxistest am Schaltkasten.

Bild: © Sebastian Vollmert

Der Oldenburger Energiekonzern EWE, dessen Eigentümer überwiegend norddeutsche Städte und Landkreise sind, bleibt die Nummer eins im ZFK-Ranking der größten kommunalen Energieversorger Deutschlands. Der Abstand zu anderen kommunalen Unternehmen ist sogar gewachsen. Maßstab sind diesmal die Umsatzerlöse des Geschäftsjahres 2024.

Grundlage des Rankings

Auch im Ranking für 2025 dürfte der niedersächsische Kommunalkonzern an der Spitze bleiben. Jährlich mehr als acht Milliarden Euro erwirtschaftete in den vergangenen beiden Jahren sonst niemand. Dahinter ist das Feld der milliardenschweren kommunalen Energieversorger zusammengerückt – und etwas kleiner geworden.

Wie schon bei früheren Rankings sind wir für Änderungs- und Ergänzungsvorschläge offen und nehmen Kommunalunternehmen mit einem Umsatz von mindestens einer Milliarde Euro, die wir bei unseren Recherchen übersehen haben, gern auf. E-Mails richten Sie an unsere Redaktionsadresse oder an unseren Autor Andreas Baumer.

Für unser Ranking zu den größten kommunalen Energieversorgern haben wir folgende Kriterien festgelegt. Die aufgeführten Unternehmen müssen im Jahr 2024 mindestens eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftet haben. Sie müssen zudem mehrheitlich von kommunaler Hand gehalten werden und einen wesentlichen Teil ihres Geldes im Energiebereich verdienen. Sofern sich Energietöchter zweifelsfrei von ihrem kommunalen Mutterkonzern abgrenzen lassen, haben wir die Energietöchter gelistet. Beispiele dafür sind die Nürnberger Energieversorger N-Ergie, die Kölner Rheinenergie und die Dortmunder DEW21.

Wichtig ist: Verglichen werden Konzern- beziehungsweise Unternehmensumsätze, nicht ausschließlich Umsätze aus dem Energiegeschäft. Die Rangfolge ist deshalb ein Größenvergleich kommunaler Energiekonzerne und Versorgungsunternehmen, kein Vergleich der reinen Energieumsätze.

Wir haben unser neues Ranking nach den Geschäftszahlen von 2024 sortiert, weil diese umfassend vorliegen. Im Text selbst verweisen wir allerdings immer wieder auch auf Zahlen des Geschäftsjahrs 2025.

Umsätze weiter rückläufig

Die Umsatzerlöse 2024 sanken gegenüber dem Vorjahr. Ein wesentlicher Grund dafür waren im Vergleich zur Energiekrise 2022/23 gefallene Strom- und Gaspreise im Großhandel.

Da Versorger ihre Beschaffungskosten im Vertrieb weitgehend an Kunden weitergeben, gingen auch die Umsatzerlöse zurück. Da Beschaffungskosten bei Bestandskunden in der Regel aber erst zeitversetzt weitergegeben werden, wirkte die Energiekrise 2023 und 2024 in den Umsätzen weiter nach.

Im Einzelfall hängen gesunkene Umsätze auch mit einem härteren Wettbewerb um Strom- und Gaskunden zusammen. Die Bundesnetzagentur registrierte für die Jahre 2023 und 2024 ungewöhnlich viele Lieferantenwechsel. Neue Wettbewerber wie Octopus Energy sind in den vergangenen Jahren auch auf Kosten kommunaler Versorger stark gewachsen.

Trio zwischen sieben und acht Milliarden Euro Umsatz

Die Stadtwerke München, die 2023 noch auf Platz zwei lagen, fanden sich ein Jahr später auf Rang fünf wieder. Ihr Umsatz ging um 28 Prozent zurück. Hauptverantwortlich dafür waren starke Umsatzeinbußen im Strom- und Gasgeschäft. Zum Jahresende 2024 stand bei den Münchnern ein Umsatz von 6,9 Milliarden Euro.

Einem Trio gelang es 2024 noch, die Sieben-Milliarden-Marke zu überspringen: Hannovers Enercity (7,4 Milliarden Euro), die Kölner Rheinenergie-Gruppe und die Mannheimer MVV (jeweils 7,2 Milliarden Euro).

Allerdings hielt keines der Unternehmen dieses Niveau im Folgejahr. Für das Geschäftsjahr 2025 sieht das vorläufige Ranking hinter EWE so aus: Rheinenergie-Gruppe (6,5 Milliarden Euro), Stadtwerke München (6,3 Milliarden Euro), Enercity (6,2 Milliarden Euro) und MVV (6,0 Milliarden Euro). Auch die meisten anderen großen Kommunalversorger verzeichneten 2025 weitere Umsatzrückgänge.

Größte Umsatzeinbußen und größte Umsatzsteigerung

Im Feld der größten kommunalen Energieversorger verloren die Leipziger Stadtwerke 2024 gegenüber dem Vorjahr am meisten Umsatz. Die Erlöse gingen im Vorjahresvergleich um 49 Prozent zurück. "Diese Entwicklung ist Teil der allgemeinen Normalisierung im Energiemarkt nach den letzten beiden turbulenten Jahren", ordnete Volkmar Müller, Kaufmännischer Geschäftsführer der Leipziger Gruppe, damals ein. "Entscheidend ist aber am Ende das, was unterm Strich steht – und das ist ein sehr gutes Konzernergebnis." Die Leipziger Gruppe, zu der die Stadtwerke gehören, erzielten im selben Jahr einen Überschuss von rund 40 Millionen Euro.

Einen Umsatzsprung machte die Aachener Stawag. Dank einer Steigerung von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr überschritt der Konzern die Milliarden-Schwelle. Ein Grund dafür war der Zusammenschluss der Stawag 2024 mit dem Kommunalversorger Enwor. Außerdem legten die Umsätze in der Strom- und Fernwärmesparte zu. Umsatzsteigerungen gelangen zudem der Rhönenergie Fulda sowie den Regionalversorgern Westfalen Weser und EAM.

EVM im Jahr 2025 bei knapp unter einer Milliarde Euro Umsatz

Nach dem energiekrisenbedingten Umsatzhoch von 2023 lagen die Erlöse der Stadtwerke Karlsruhe, Münster, Bielefeld, Kiel und Flensburg ein Jahr später wieder unter einer Milliarde Euro. Die Unternehmen fielen somit aus dem Ranking. Das Quintett erreichte auch 2025 die Milliarden-Marke nicht.

2025 könnte das Feld der kommunalen Energieversorger mit milliardenschweren Umsätzen noch kleiner werden. Die Energieversorgung Mittelrhein (EVM) verfehlte die Schwelle mit 999 Millionen Euro Umsatz ganz knapp.

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