Filip Thon ist seit April 2021 Vorstandsvorsitzender der Eon-Vertriebstochter Eon Energie Deutschland. Das Unternehmen ist der bundesweit größte Grundversorger von Strom und Gas.

Filip Thon ist seit April 2021 Vorstandsvorsitzender der Eon-Vertriebstochter Eon Energie Deutschland. Das Unternehmen ist der bundesweit größte Grundversorger von Strom und Gas.

Bild: © Eon

Für ein Raunen hatte Eon mit einem Gutachten im Mai 2025 gesorgt, in dem es den Rollout von Smart Meter light befürwortete. Anschließend wurde verbal zurückgerudert. Bei der Vorstellung der jährlichen Flex-Studie von Eon distanzierte sich Eon-Deutschland-Chef Filip Thon nun klar von der Light-Version: "Der Smart Meter light macht das ganze komplizierter, das sind keine guten Nachrichten für Kunden."

Eon betonte auf Nachfrage: Ein einfacher und beschleunigter Roll-Out von Smart Metern sei entscheidend, um das volle Potenzial von Flexibilität im Stromsystem nutzen zu können. Fraglich sei, ob der vorgeschlagene Weg über den Rollout von Smart Meter light tatsächlich der notwendige Beschleuniger ist. Denn: Ein Smart Meter light würde zwar mehr Haushalten einen Zugang zu dynamischen Tarifen eröffnen, aber nicht dafür sorgen, dass die Flexibilitäten von Kunden mit großen verschiebbaren Lasten, etwa aus Eigenerzeugung, intelligenten Stromspeichern oder Elektromobilität, schneller im Stromsystem genutzt werden. "Deshalb darf die Diskussion um neue Smart-Meter-Varianten nicht dazu führen, dass der Rollout dort an Tempo verliert, wo der Nutzen für Verbraucher, Stromsystem und Energiewende am größten ist", betont Thon.

Diesen Nutzen analysiert Eon gemeinsam mit der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) in einem Flexibilitäts-Check, erstmals beziffert diese Studie auch finanzielle Aspekte. Die begleitende Bevölkerungsumfrage legt zudem nahe: Das Wissen über flexible Stromtarife wächst, und eine deutliche Mehrheit der Menschen ist bereit, Verbräuche für einen finanziellen Vorteil zeitlich zu verschieben.

"Würden alle Menschen in Deutschland ihre bereits aktuell vorhandenen E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeicher entsprechend optimiert nutzen, könnten sie insgesamt jährlich bis zu 762 Millionen Euro sparen – ohne, dass auch nur eine einzige Kilowattstunde weniger verbraucht würde", so Thon. Würden auch Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler auf diese Weise optimiert, kann die Summe auf insgesamt 1,65 Milliarden Euro anwachsen. "Alles in allem steigt so das maximale Flexibilitätspotenzial in Deutschland, also die jährlich verschiebbare Strommenge, auf 18,3 Terawattstunden – das entspricht umgerechnet eineinhalb Mal dem Jahresstromverbrauch unserer Hauptstadt Berlin", so der Manager.

34 Terawattstunden verschiebbare Energiemenge

"Die verschiebbare Energiemenge von etwa 18 Terawattstunden (TWh) speist sich zunächst aus 2,2 Millionen Heimspeichern mit 4,9 TWh, mehr als zwei Millionen E-Autos, davon bereits circa 278.000 bidirektional-fähig mit insgesamt 3,6 TWh und knapp zwei Millionen Wärmepumpen mit 1,5 TWh", erklärt Serafin von Roon, Geschäftsführer der FfE. Hinzu käme die von Eon erhobene, theoretisch ebenfalls verschiebbare Energiemenge der sogenannten Weißen Ware, also Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspülmaschinen, mit 8,3 TWh.

Das gesamte Potenzial über alle Energielösungen und Geräte hinweg habe sich im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 TWh erhöht, wobei in der Studie 2026 erstmals auch bidirektional ladende E-Autos berücksichtigt würden. Die Prognose für das Jahr 2031 zeige einen weiteren Zuwachs von elektrischen Kundenlösungen: Das größte technische Potenzial der Energielösungen böten weiterhin Heimspeicher (5,2 Millionen Geräte mit 13,7 TWh verschiebbarer Energiemenge), gefolgt von E-Autos (5,6 Millionen und 9,3 TWh) und Wärmepumpen (3,6 Millionen und 2,9 TWh). Während die Zahl dieser steuerbaren Assets in den nächsten Jahren stetig steigt, bleibt die Zahl der Weißen Ware auch in der Prognose weitestgehend unverändert. Summiert entspricht das einem maximalen Flexibilitätspotenzial von rund 34 Terawattstunden im Jahr 2031.

Eon sieht wachsendes Wissen in der Bevölkerung

Eine repräsentative Bevölkerungsumfrage für die Studie zeigt, dass das Wissen um innovative Tarife wächst: Gut 46 Prozent geben an, bereits über dynamische Tarife oder Tarife mit Flexibilitätsboni informiert zu sein. 68 Prozent aller Befragten sind demnach offen dafür, bestimmte Verbräuche in günstige Tageszeiten zu verlegen, wenn sie davon finanziell profitieren.

Diese Bundesländer sind Spitzenreiter bei Flexibilität

Der Flexibilitäts-Check zeigt auch, wie weit die einzelnen Bundesländer beim Thema Flexibilität sind. Das Ranking berücksichtigt neben der verschiebbaren Energiemenge je Haushalt auch den Informationsstand und die Bereitschaft der Bevölkerung zur flexiblen Stromnutzung. Das Ergebnis: Bayern liegt mit 550 kWh verschiebbarem Potenzial je Haushalt und einer besonders hohen Bereitschaft zur flexiblen Energienutzung (Bereitschaft: 73 Prozent, Wissen: 50 Prozent) wie bereits im Vorjahr auf Platz 1. Baden-Württemberg verteidigt seinen zweiten Platz mit 505 kWh je Haushalt und guten Umfrageergebnissen (Bereitschaft: 68 Prozent, Wissen: 47 Prozent).

Danach folgt Niedersachsen auf Platz 3 (515 kWh verschiebbares Potenzial je Haushalt, Bereitschaft: 71 Prozent, Wissen: 47 Prozent) und verdrängt damit Rheinland-Pfalz von den vordersten Plätzen. Auch in der Prognose für 2031 sind die drei Bundesländer vorne.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper