Zu Beginn der Militäroperation der USA und Israels gegen Iran Ende Februar 2026 reagierten die globalen Energiemärkte zunächst mit deutlichen Preisausschlägen im Spotmarkt. Die Preise für Strom und Gas an den länger laufenden Terminmärkten blieben dagegen vergleichsweise stabil. Viele der von der ZFK befragten Versorger sahen deshalb zunächst keinen Anlass, ihre Beschaffungsstrategie grundlegend anzupassen.
Die Krise erreicht die Terminmärkte
Inzwischen hat sich das Bild gewandelt: Die Iran-Krise schlägt preislich bis in die Jahreskontrakte durch. Auch bei Strom- und Gastarifen müssen sich Endkunden auf deutlich höhere Preise einstellen. Das zeigen unter anderem Auswertungen des Vergleichsportals Verivox von Anfang Oktober.
Ein deutlicher Anstieg der Strompreise sei "bereits bei Neukunden" zu sehen, sagte Verivox-Chef Daniel Puschmann der "Rheinischen Post". Bundesweit liege der Strompreis für Neukunden derzeit bei knapp 31 Cent je Kilowattstunde. "Das sind 20 Prozent mehr als noch Anfang März." Auch bei den Gaspreisen rechnet Verivox mit deutlichen Steigerungen.
Gut drei Wochen später hat sich die Lage an den globalen Märkten weiter verschärft. Nachdem der Kontrakt für Erdgas mit Lieferung im Folgemonat zeitweise die Marke von 100 Euro je Megawattstunde überschritten hatte, macht sich die Krise inzwischen auch bei den länger laufenden Terminkontrakten bemerkbar. Der Preis für Erdgas im Frontmonat am niederländischen Handelsplatz TTF stieg von 31,49 Euro je Megawattstunde am 28. Oktober 2025 auf aktuell 80,22 Euro. Damit hat er sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.
Auch beim Jahreskontrakt Cal27 für Erdgas am TTF zeigt sich diese Entwicklung. Nach 29,88 Euro je Megawattstunde am 28. Oktober 2025 notierte der Kontrakt am 28. Oktober 2026 bei 76,63 Euro. Der Aufwärtstrend am Gasmarkt wirkt sich zudem auf die Strompreise aus: Der Strom-Jahreskontrakt Cal27 verdoppelte sich innerhalb eines Jahres und lag am 28. Oktober bei 160,65 Euro je Megawattstunde.
Langfristige Beschaffung schützt – und verzögert Preisänderungen
Die Entwicklung stellt Versorger mit einer nachhaltigen und langfristigen Beschaffungsstrategie vor besondere Herausforderungen. Stadtwerke beschaffen Strom und Gas häufig in mehreren Tranchen und mit unterschiedlichen Vorlaufzeiten. So können sie kurzfristige Preisspitzen abfedern und zugleich auf veränderte Absatzmengen reagieren. Berücksichtigt werden unter anderem Witterungseffekte und die Entwicklung des Kundenbestands, so auch die erwartete Kundenabnahme.
Eine langfristige Beschaffung schützt zwar zunächst vor den unmittelbaren Folgen steigender Spotmarktpreise. Gleichzeitig können Stadtwerke sinkende Marktpreise nicht sofort an ihre Kunden weitergeben. Halten sich die hohen Preise an den Beschaffungsmärkten jedoch über längere Zeit, steigen auch ihre späteren Einkaufskosten. Zugleich wächst das Risiko, dass Anbieter mit kurzfristiger Beschaffungsstrategie den Markt verlassen. Deren Kunden würden zunächst in die Ersatzversorgung und gegebenenfalls anschließend in die Grundversorgung fallen.
"Die Preise an den Beschaffungsmärkten sind bereits länger hoch und die Krisen überlagern sich. Anbieter, die kurzfristig beschafft haben, müssen möglicherweise feststellen, dass sie ihre Kunden nicht mehr zu kostendeckenden Preisen versorgen können", sagte Carsten Liedtke, Chef des Krefelder Versorgers SWK, im Interview mit der ZFK.
Die Grundversorger seien in diesem Jahr besser gegen die Krisen gerüstet als in den Jahren zuvor. "Wenn ein Anbieter seinen Bilanzkreis schließt und Kunden zu uns kommen, können wir sie zu einem Tarif aufnehmen, der sich an den aktuellen Beschaffungskosten orientiert. Wir überprüfen diesen Tarif laufend und beschaffen dann kurzfristig die benötigten Mengen."