Der Füllstand der deutschen Gasspeicher hat sich über das Wochenende langsam in Richtung von 51 Prozent bewegt. Bei 50,71 Prozent lag der Wert am Montag, 24. August, ein nach wie vor extrem niedriger Wert für diese Jahreszeit. Im vergangenen Jahr hatte der Füllstand zu diesem Zeitpunkt bei rund 68 Prozent gelegen.
Aufgrund des aktuell hohen Preisniveaus im Großhandel für Erdgas bleibt der wirtschaftliche Anreiz zum Einspeichern für die Gashändler weiterhin eher gering. Zu Beginn der Handelswoche wurde der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam zu 69,22 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das sind mehr als vier Prozent über dem Niveau vom Freitag. Die Notierung liegt nur noch knapp unter dem Hoch seit dem Beginn des Iran-Kriegs, das im März bei 70,85 Euro erreicht worden war.
Lesen Sie dazu auch: Streit um Gasspeicher: BDEW und Ministerium warnen vor Fehlanreizen
Equinor liefert mehr als 30 Terawattstunden pro Jahr
Eine aus Sicht der deutschen Gasverbraucher erfreuliche Nachricht ist in dieser Gemengelage der Abschluss eines langfristigen Erdgas-Liefervertrags zwischen dem Energiekonzern Uniper und dem norwegischen Öl- und Gasförderer Equinor. Demnach liefert Equinor von 2027 an jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas nach Deutschland, wie Uniper in Düsseldorf mitteilte. Über das finanzielle Volumen machte Uniper keine Angaben.
Das Gas soll über bestehende Pipelines nach Deutschland kommen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Er wurde laut Uniper am Montag im norwegischen Stavanger unterzeichnet. "Mit dieser Vereinbarung stärken wir die langfristige Gasversorgung Deutschlands und vertiefen zugleich unsere Zusammenarbeit mit Equinor", erklärte Unternehmenschef Michael Lewis der Mitteilung zufolge.
Lesen Sie dazu auch: Selbst Rekordtempo reicht für Speicherziele kaum aus
Uniper setzt Diversifizierungs-Strategie fort
30 Terawattstunden sind eine große Menge: In Deutschland wurde im vergangenen Jahr laut Bundesnetzagentur Erdgas mit einem Energiegehalt von insgesamt 864 Terawattstunden verbraucht.
Uniper ist einer der größten Gasgroßhändler Europas. Das Unternehmen beliefert unter anderem Stadtwerke, große Industriekunden sowie Kraftwerksbetreiber. Uniper bezieht nach eigenen Angaben kein LNG aus der Golfregion und hat sein Lieferantenportfolio in den vergangenen Jahren weiter diversifiziert. Erst vor wenigen Tagen wurde ein langfristiger Vertrag mit einem LNG-Lieferanten aus Kanada bekannt gegeben.
Equinor gehört zu 67 Prozent dem norwegischen Staat. Uniper ist derzeit fast vollständig in deutschem Staatsbesitz. Bis Ende 2028 muss Deutschland seine Anteile aber wieder auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie verringert haben.
Norwegen lieferte 2025 rund 44 Prozent des Gasverbrauchs
Norwegen ist derzeit der größte Erdgaslieferant Deutschlands. Im vergangenen Jahr kamen rund 44 Prozent des nach Deutschland gelieferten Erdgases über Pipelines aus dem skandinavischen Land.
Norwegisches Erdgas erreicht Deutschland auch als Flüssigerdgas (LNG) per Schiff über die deutschen LNG-Terminals. Im laufenden Jahr belief sich bis Ende Juli der Anteil Norwegens an allen LNG-Lieferungen direkt nach Deutschland laut Energiewirtschaftsverband BDEW auf 4,1 Prozent. Größter LNG-Lieferant sind 2026 weiterhin die USA mit einem Anteil von 87,6 Prozent. (Gesamtjahr 2025: 94,3 Prozent.)