78 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten sind gebucht; der Füllstand der deutschen Gasspeicher lag aber auch am Freitag (21. August) nur leicht über 50 Prozent. Der Grund: Die hohen Beschaffungskosten für Gas liegen häufig über den im Winter erzielbaren Verkaufserlösen.
Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat wurde an der Börse in Amsterdam zu 66,95 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das sind etwa zweieinhalb Prozent mehr als am Vortag und der höchste Stand seit März.
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Keine Absicherung bei Extremtemperaturen
Das bietet keinen Anreiz für eine deutliche Temposteigerung bei der Speicherbefüllung. Doch selbst wenn die Gasspeicher bis zum Winter vollständig befüllt würden, würde die gespeicherte Gasmenge nicht ausreichen, um die Versorgung bei extrem tiefen Temperaturen vollständig abzusichern, stellte Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), gegenüber der Deutschen Presse-Agentur klar. Die Füllstände der deutschen Speicher befänden sich für Mitte August auf einem "historisch tiefen Niveau".
Am Donnerstag hatte das Bundeswirtschaftsministerium versucht, Sorgen um etwaige Engpässe bei der Gasversorgung in der kalten Jahreszeit zu zerstreuen und mitgeteilt, nach aktuellem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten.
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Warnungen aus der Wohnungswirtschaft
"Entscheidend ist die Frage, was passiert, wenn im Januar oder Februar eine mehrwöchige Kältephase kommt, wie wir sie erst im vergangenen Winter erlebt haben", warnte indes der Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft (GdW), Axel Gedaschko, am Freitag in einer Pressemitteilung. Dann zähle nicht mehr nur, wie viel Gas im Speicher liege, sondern wie schnell es bei sinkendem Druck noch ausgespeichert werden kann. "Genau diese Physik wird in der öffentlichen Debatte bislang unterschätzt", so Gedaschko.
Die Bundesregierung müsse die Finanzierung und den Aufbau der strategischen Gasreserve deutlich beschleunigen, fordert der GdW. Eine Reserve, die erst 2027 greife, biete für den bevorstehenden Winter keinen Schutz. Es braucht jetzt eine belastbare Absicherung gegen länger anhaltende Kälteperioden und unerwartete Lieferausfälle. Der GdW vertritt rund 3000 Wohnungsunternehmen und rund 13 Millionen Mieterinnen und Mieter.
BNetzA-Chef hält Einspeichervorgaben für überholt
Regulierung
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, hält die aktuellen Füllvorgaben für Gasspeicher für überholt. "Die Speichervorgaben haben sich in der Krise bewährt, aber inzwischen drohen die Fehlanreize zu überwiegen. Einen Mehrwert sehe ich nicht mehr", sagte er in einem Interview mit der Wochenzeitung "ZEIT". Die Vorgaben stammen aus dem Jahr 2022, als die Gasmärkte wegen Russlands Angriff auf die Ukraine in Panik gerieten. Jetzt aber würden diese Regeln nicht mehr funktionieren, sagte Müller.
"Sehen keinen Preisvorteil für die deutschen Kunden"
Müller warnte angesichts der niedrigen Füllstände vor Spekulationen der Gasverkäufer. Sie würden darauf setzen, dass der Staat zu jedem Preis einkaufe. "Die Händler können darauf spekulieren, dass am Ende doch der Staat die leeren Speicher wieder auffüllt. Und das, obwohl jetzt ausreichend Gas auf dem Weltmarkt verfügbar ist", sagt Müller. "Wir sehen keinen Preisvorteil für die deutschen Kunden durch die Füllstandsvorgaben." Ohne sie wären die Gashändler stärker in der Verantwortung.
Füllstände variieren regional sehr stark
Wenn es eine Gasmangellage geben würde, wäre vermutlich der Süden Deutschlands als erster betroffen, rechnete der Energieexperte, Buchautor und Blogger Marcel Linnnemann in einem LinkedIn-Post vor.
Im Westen und Norden seien die Speicher mittelmäßig gefüllt, aber bei vielen sei ein Füllstand von 70 Prozent erreichbar, schreibt Linnemann. Einige hätten die Quote auch längst erfüllt. Die Speicher im Osten Deutschlands seien alle auf einem guten Kurs Richtung 70 Prozent plus.
Bayerische Speicher sind großteils leer
In der Tat liegt der Füllstand der VNG-Gasspeicher im Schnitt bei über 54 Prozent; auch die Speicher von Uniper Energy Storage weisen einen Mittelwert von über 57 Prozent aus. Dabei gibt es große Unterschiede im Uniper-Portfolio: Der Füllstand des bayerischen Speichers Breitbrunn liegt bei 10,51 Prozent, der ebenfalls im Freistand gelegene Speicher Breitbrunn hingegen kommt bereits auf über 62 Prozent.
Neben Breitbrunn weisen aber auch die anderen Speicher im Süden Deutschlands für diese Jahreszeit sehr niedrige Speicherstände auf: Der Speicher Inzenham-West liegt nur bei 12,3 Prozent, der Speicher Wolfersberg sogar nur bei 1,7 Prozent. "Der Teil Deutschlands, der lokal vermutlich mit am meisten das Gas verbrauchen wird, hat seine Speicher derzeit nicht gefüllt", folgert Linnemann.
Kein Wunder also, dass Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) den Bund zum Handeln aufgefordert hatte, solange noch Zeit sei. "Entscheidend ist nicht die deutsche Gesamtsicht. Entscheidend ist, ob das Gas im Winter dort aus dem Speicher kommt, wo es gebraucht wird", präzisierte Aiwanger mit Blick auf die bayerischen Füllstände.
Linke fordert erneut staatliches Eingreifen bei Sefe-Speichern
Erschreckend tief ist der Speicherstand in Deutschlands größtem deutschen Speicher Rheden in Niedersachsen mit 7,68 Prozent. Betreiber ist die in der Energiekrise verstaatlichte Sefe. Die Sefe-Speicher weisen aktuell im Schnitt einen Füllstand von 28,82 Prozent auf – mit großen regionalen Unterschieden.
Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner forderte deshalb erneut, Sefe müsse angewiesen werden, die leeren Gasspeicher zu füllen. Die Kosten könnte die Bundesregierung leicht wieder reinholen, wenn sie endlich die horrenden Profite der Mineralölkonzerne in der ersten Jahreshälfte mit einer Übergewinnsteuer zurückhole.

Die Befüllung der Speicher benötigt lange Zeit, unverzügliches Handeln wäre sinnvoll.
Andreas Schwenzer
Energieexperte und Partner bei Argon & Co.
"Es zeichnet sich schon seit mehreren Monaten ab, dass eine marktbasierte Füllung der Gasspeicher in Deutschland schwierig wird", sagt auch Energieexperte Andreas Schwenzer auf ZFK-Anfrage. Das Risiko der zu wenig befüllten Speicher scheine zwar mittlerweile verstanden zu sein, es gebe aber keine konkreten Maßnahmen, die dieses Risiko begrenzten. "Da die Befüllung der Speicher nicht von heute auf morgen erfolgen kann, sondern lange Zeit benötigt, wäre unverzügliches Handeln sinnvoll", so Schwenzer weiter.
Aufgrund des weiterhin negativen Sommer-Winter-Spreads sei zu befürchten, dass eine marktbasierte Befüllung der Speicher nur in begrenztem Umfang stattfinden werde. Politisch sei die Frage zu beantworten, ob jetzt eine "Versicherungsprämie" gezahlt werde oder ob im schlechten Fall im kommenden Winter sehr hohe Preise für Gas und möglicherweise auch Einschränkungen in der Versorgung hingenommen würden.
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Risiko sehr hoher Gaspreise im Winter besteht weiter
Bei einem Mix aus tiefen Temperaturen, Angebotsknappheit auf dem Weltmarkt für LNG und möglicherweise noch Einschränkungen in der Pipelineversorgung Europas würde ein deutliches Risiko von "sehr hohen Gaspreisen" im kommenden Winter bestehen. "Offensichtlich sind diese Risiken aktuell in den Terminmarktpreisen nicht reflektiert", betont Schwenzer. Ein kurzfristiges Eingreifen des Staates reduziere Risiken, sei aber auch mit einem entsprechenden Preis verbunden.