Der nationale Emissionshandel nEHS gilt als Zwischenphase für den europaweiten Handel mit Zertifikaten ETS 2

Der nationale Emissionshandel nEHS gilt als Zwischenphase für den europaweiten Handel mit Zertifikaten ETS 2

Bild: © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Die European Energy Exchange (EEX) hat am 1. Juli 2026 die erste Versteigerung im Rahmen des deutschen nationalen Emissionshandels (nEHS) durchgeführt. Nach Angaben der Energiebörse wurden insgesamt rund 21,3 Millionen Zertifikate (nEZ) versteigert. Aufgrund des erreichten Höchstpreises von 65 Euro/nEZ sei dabei die doppelte Menge des im Kalender vorgesehenen Volumens zugeteilt.

"Die erfolgreiche erste Auktion markiert einen wichtigen Meilenstein für den Emissionshandel in Deutschland", kommentierte Peter Reitz, CEO der EEX, das Ergebnis. Die EEX stelle transparente, effiziente und verlässliche Marktmechanismen bereit und "unterstützt die Marktteilnehmer aktiv beim Übergang in den neuen europäischen Emissionshandel EU-ETS 2".

Die Auktionen finden nun wöchentlich statt, teilte die EEX weiter mit. Für nEHS-Zertifikate mit der Jahreskennung 2026 gilt ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro. Insgesamt werden im Jahr 2026 etwas mehr als 192 Millionen nEZ versteigert.

Auf die regulären Versteigerungen sollen ab November Verkäufe von nEHS-Zertifikaten mit der Jahreskennung 2026 in unbegrenzter Menge folgen, und zwar zum Überschussmengenpreis von 68 Euro/nEZ, hieß es aus Leipzig weiter.

Markt sieht Preiskorridor als weitgehend theoretisch

Die Auktionspremiere zum oberen Ende des Korridors überrascht Marktbeobachter allerdings kaum. Händler verweisen darauf, dass der Preiskorridor "praktisch keine Bedeutung haben" werde, weil die Nachfrage die zur Auktion vorgesehenen Mengen deutlich übersteige. Entsprechend werde "der maximale Versteigerungspreis von 65 Euro je Tonne den Zuschlag erhalten", während die Untergrenze praktisch keine Relevanz haben dürfte, erklärten etwa die Analysten von Syneco Trading.

Dass die erste Auktion bei 65 Euro geräumt wurde und dabei zusätzliche Mengen zugeteilt wurden, passt damit in dieses Erwartungsbild: Für viele Compliance-Käufer geht es vor allem darum, möglichst früh Volumina zu sichern, um spätere, teurere Beschaffung zu vermeiden. Syneco spricht in diesem Zusammenhang von einem System, in dem "schon alleine den Bedarf der Inverkehrbringer" die Versteigerungsmenge nicht decken könne.

Fehlende Zertifikate würden anschließend "über die nachfolgenden Festpreise zu 68 beziehungsweise 70 Euro je Tonne CO₂ eingedeckt". Im Ergebnis liege der durchschnittliche CO₂-Preis damit bei "66 bis 67 Euro je Tonne" – das entspreche "1,2 Cent Aufschlag pro Kilowattstunde Erdgas".

Kritik am Auktionsverfahren

Kritik gibt es zudem am Zuschnitt des Auktionsverfahrens. "Ärgerlich und schwer nachvollziehbar" sei, dass auch Händler ohne eigenen Bedarf teilnehmen können und damit den "Bedürftigen" Mengen entziehen könnten, um diese später teurer weiterzuverkaufen. Das "sorgt für eine garantierte Marge für die Händler und geht zulasten der Endverbraucher, die einen künstlich erhöhten CO₂-Preis zahlen müssen", heißt es aus dem Markt.

Auch Vertis-CEO Gauthier Bily (STX Group) erwartet, dass sich das Bieterverhalten stark auf die Korridor-Oberkante fokussiert. "Dadurch entsteht ein starker Anreiz, möglichst große Volumina innerhalb des Auktionskorridors zu sichern", statt später zum höheren Überschusspreis kaufen zu müssen; entsprechend dürfte sich das Bieten "stark am oberen Ende des Korridors konzentrieren, konkret bei 65 Euro". Der "Marktkonsens" gehe deshalb davon aus, dass der Korridor "weitgehend theoretischer Natur bleiben" werde und Marktteilnehmer "faktisch weiterhin einen festen Preis zahlen"– ähnlich wie in den Vorjahren.

Taktisches Agieren kaum möglich

Als zusätzlichen Verstärker nennt Bily die Obergrenze bei den Gebotsmengen. Unter diesen Rahmenbedingungen könnten große Emittenten "kaum taktisch agieren", indem sie niedrigere Gebote abgeben und damit Zuteilungsrisiken eingehen. Stattdessen bestehe ein klarer Anreiz, "in jeder Auktion das maximal zulässige Volumen zum Höchstpreis von 65 Euro zu bieten" um die Exponierung gegenüber dem Überschussmechanismus zu minimieren.

Daher rechne der Markt damit, dass die Auktionen "über das gesamte Jahr hinweg konstant bei 65 Euro geräumt werden" – "Preisvolatilität sowie echte Preisfindung innerhalb des Korridors dürften damit faktisch ausbleiben".

Der Übergang von einem festen CO₂-Preis hin zu einer marktbasierten Preisbildung ist gleichwohl ein zentraler Schritt auf dem Weg zum europäischen Emissionshandelssystem EU-ETS 2. Die EEX bietet bereits Futures für das EU-ETS 2 zum Handel an und wird künftig auch die entsprechenden Auktionen über ihre Plattform durchführen. Dies erfolgt im Rahmen des CAP4-Mandats, mit dem die Europäische Kommission die EEX beauftragt hat, die gemeinsame europäische Plattform für die vierte Phase (CAP4) der Auktionen innerhalb des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) zu betreiben.

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