Der Gasspeicherfüllstand war Ende Januar auf 34,55 Prozent gesunken. Damit bewegt sich Deutschland deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. Auf den kurzfristigen Regelenergiebedarf reagiert der deutsche Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) nun mit Sonderausschreibungen. Über das Produkt "Long-Term Options" (LTO) in der Variante "Rest of the Day" will THE externe Regelenergiebedarfe decken, teilte das Unternehmen mit.
Die Ausschreibungen betreffen laut THE zwei Leistungszeiträume zwischen dem 15. Februar und dem 15. März 2026 und richten sich an ausgewählte Speicheranschlusspunkte in Regelenergie(teil)zonen. "LTO Regelenergieprodukte sind Regelenergieprodukte im Merit-Order-Rang 4", erläuterte eine THE-Sprecherin auf ZFK-Anfrage. Demnach seien diese Produkte marktbasiert und standardisiert.
Rein präventive Maßnahme
Durch die Ausschreibungen will THE nach eigener Aussage sicherstellen, dass auch in Hochlastszenarien lokale Regelenergiebedarfe gedeckt werden. Regelenergie dient dem Ausgleich von Ein- und Ausspeisungen im Sinne der Netzstabilität. "Es handelt sich dabei um eine rein präventive Maßnahme zur Sicherstellung von lokaler Regelenergie in Hochlastszenarien", so die Unternehmenssprecherin weiter. Zwar gehe THE aktuell nicht davon aus, dass die Versorgungssicherheit gefährdet sei. Der Marktgebietsverantwortliche wolle aber dennoch mit einer zusätzlichen Leistungsabsicherung "vorsorglich für etwaige Regelenergie-Situationen gerüstet sein".
Das LTO-Produkt kommt nach seiner Anpassung im Jahr 2015 regelmäßig zum Einsatz und soll neben den üblichen marktlichen Zwecken auch für die Stabilisierung des Systems sorgen. Zuletzt hatte THE im Oktober 2025 entsprechende Optionen für die Wintermonate kontrahiert. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich bei den aktuellen Ausschreibungen nicht um eine Maßnahme nach dem Speichergesetz (§ 35a ff. EnWG), sondern um ein etabliertes Instrument zur kurzfristigen Absicherung lokaler Regelenergiebedarfe, insbesondere in Hochlastszenarien.
Die erneute kurzfristige Kontrahierung ist vor dem Hintergrund eines zunehmend angespannten Flexibilitätsumfelds zu sehen. Wie auch frühere Fälle zeigen, stößt die marktbasierte Bereitstellung von Regelenergie regional und zeitlich an Grenzen, etwa wenn Speicherverfügbarkeiten eingeschränkt sind oder Lastspitzen kurzfristig auftreten. Sonderausschreibungen gelten daher als pragmatisches Mittel, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, werfen zugleich aber Fragen nach der Robustheit des bestehenden Marktdesigns auf.
Weitere Ausschreibungen möglich
THE verweist darauf, dass bei weiterem Bedarf zusätzliche Ausschreibungen möglich seien und zugelassene Anbieter jederzeit Angebote für das Load-Reduction-Regelenergieprodukt abgeben können. Für Marktteilnehmer unterstreicht die Maßnahme die wachsende Bedeutung flexibler Kapazitäten und lokaler Absicherung im Gasmarkt – ein Thema, das angesichts volatiler Nachfrage, struktureller Veränderungen und steigender Anforderungen an die Systemstabilität wichtiger werden dürfte.
Debatten um strategische Gasreserve
Die erneute kurzfristige Kontrahierung fällt in eine Phase intensiver Debatten über die strukturelle Absicherung der Gasversorgung in Deutschland. Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller hatte sich jüngst für die Prüfung einer strategischen Gasreserve ausgesprochen und zugleich betont, dass die Verantwortung für die Versorgung weiterhin primär bei Händlern und Versorgern liegen müsse. Füllstandsvorgaben hätten sich zwar als wirksam erwiesen, wirkten jedoch marktverzerrend und seien nur begrenzt flexibel gegenüber externen Schocks, so Müller. Auch EWE-Chef Stefan Dohler plädiert für eine nationale Gasreserve nach dem Vorbild anderer europäischer Länder, um Versorgungssicherheit und Marktintegrität besser miteinander zu verbinden.
Hinzu kommt die angespannte Lage bei den Gasspeichern: Ende Januar lagen die Füllstände im Bundesdurchschnitt bei rund 34 Prozent. Der Speicherverband Ines warnt, dass die Füllstände bei normalen Temperaturen bis Ende März um weitere 20 Prozentpunkte sinken könnten – ein historisch niedriger Wert. Während Unternehmen wie Uniper staatliche Eingriffe in Form strategischer Reserven kritisch sehen und stattdessen marktbasierte Anreizsysteme fordern, plant die Bundesregierung, die bestehenden Füllstandsvorgaben weiterzuentwickeln.
Vor diesem Hintergrund unterstreichen die Sonderausschreibungen von THE die wachsende Bedeutung kurzfristiger Flexibilitätsinstrumente – und machen zugleich deutlich, dass das Zusammenspiel von Marktmechanismen, Regulierung und staatlicher Vorsorge neu austariert werden muss.




