Der Gas-Verband Ines warnt mit Blick auf die Speicher. (Symbolbild)

Der Gas-Verband Ines warnt mit Blick auf die Speicher. (Symbolbild)

Bild: © pixel-kraft/Adobestock

Der Gesamtfüllstand der Gasspeicher in Deutschland liegt aktuell auf dem sehr niedrigen Niveau von knapp 43 Prozent. Dennoch hat sich die Ausgangslage laut dem Speicherverband Ines in den vergangenen zwei Monaten etwas entschärft. Grund ist die trotz eines vorübergehenden Wintereinbruchs vergleichsweise milde Witterung. Eine vollständige Entwarnung ist das aber nicht. Da Deutschland mit einem sehr niedrigen Speicherfüllstand von 75 Prozent in die Heizperiode gestartet ist, blieben strukturelle Risiken bestehen, heißt es.  

Gaspreis hat deutlich angezogen

“Die Wintervorsorge bleibt unzureichend”, so der Verband weiter. Sollte es in den nächsten Wochen und Monaten zu extrem kalten Temperaturen kommen, bestehe weiterhin die Gefahr von Unterdeckungen. Ein Gasmangel würde in erster Linie starke Preissteigerungen nach sich ziehen. Als Resultat könnten die Verbräuche zurückgehen und der Markt dann wieder in einen ausgeglichenen Zustand kommen. Erste Preissteigerungen an den Großhandelsmärkten waren in der vergangenen Woche zu beobachten. Der Terminkontrakt TTF für europäisches Erdgas zur Auslieferung in einem Monat war bis Freitag vergangener Woche innerhalb einer Woche um knapp 25 Prozent auf bis zu 38 Euro pro Megawattstunde (MWh) gestiegen – der höchste Preis seit Juli 2025. Am Montag gab es dann aufgrund milderer, aber weiterhin kalter Wetterprognosen und der Ankündigung von Zöllen für die EU durch die US-Regierung im Zuge der Grönland-Krise, einen leichten Rückgang. Gestern stieg der Kurs wieder an auf 36,55 Euro. Die Volatilität bei diesem Produkt bleibt also hoch.

"Speicherfüllstände auf historisch niedrigem Niveau"

Ines modelliert laufend die europäischen Gasmärkte, um die Sicherheit der Gasversorgung zu bewerten. Alle zwei Monate erfolgt ein Update zu den Ines-Szenarien. Die noch im November bei extrem niedrigen Temperaturen für möglich gehaltenen Unterdeckungen sind indes nicht eingetreten. Insofern ist das jüngste Update in der Tonalität etwas entspannter als das vorherige. Das hängt vor allem mit den vergleichsweise moderaten Temperaturen im Dezember zusammen. Diese lagen im Mittel bei 3,1 Grad. Dies hat die Ausgangslage für den weiteren Winterverlauf verbessert und den in den Modellen ausgewiesenen Gasmangel gegenüber dem November-Update reduziert. 

Zum Vergleich: Im extrem kalten Winter 2010 lag die Monatsmitteltemperatur bei -4,1 Grad Celsius. Auch der Januar verläuft laut Einschätzung des Verbands bislang zwar kälter als ein Normaljahr, jedoch ohne Extremwerte. Entsprechend habe sich die Entleerung der Gasspeicher bislang weniger stark beschleunigt als in den extrem kalten Szenarien. “Trotzdem entwickeln sich die Speicherfüllstände mittlerweile auf einem historisch niedrigen Niveau”, heißt es weiter.  

Unzureichende Ausgangsbefüllung bleibt Risikofaktor

Zum Jahresbeginn 2026 lag der Gesamtspeicherfüllstand bei nur noch 57 Prozent – rund 23 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Ein vergleichbar niedriges Niveau wurde zuletzt im Krisenwinter 2021/22 verzeichnet. Die unzureichende Ausgangsbefüllung vor dem Winter 2025/26 stelle damit weiterhin den zentralen Risikofaktor für die Versorgungssicherheit dar. Zwar habe der bisherige Winterverlauf die Lage temporär entspannt, an den strukturellen Schwächen der Wintervorsorge ändert dies jedoch nichts. 

“Der milde Winterverlauf hat die Lage kurzfristig entschärft, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Speicherbefüllung vor dem Winter 2025/26 unzureichend war. Die aktuellen Mechanismen sichern die Versorgungssicherheit nicht ausreichend ab”, resümiert Sebastian Heinermann, Geschäftsführer von Ines. Der gesetzliche und regulatorische Rahmen müsse deshalb weiterentwickelt werden. Gleichzeitig brauche es auf europäischer Ebene harmonisierte Rahmenbedingungen, damit deutsche Speicher an einem fairen Wettbewerb teilnehmen könnten. 

Ursächlich für die unzureichende Befüllung sind laut Ines unter anderem die bestehenden Füllstandsvorgaben und die damit verbundenen Marktverzerrungen. Diese beeinflussen die Preisbildung, dämpfen den saisonalen Sommer-Winter-Spread und schwächen damit die marktwirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung. Das nächste Ines-Update ist für den 17. März geplant.  

Gasmarkt: Auf moderaten Anstieg folgt Preissprung

Bei der Thüga-Handelstochter Syneco sieht man die jüngste Entwicklung und ihre Auswirkungen auf den Gasmarkt noch vergleichsweise entspannt. Der Gasmarkt sei im letzten Jahr deutlich gefallen aufgrund schwacher Nachfrage bei gleichzeitig hohem Angebot per Pipeline- und US-LNG, heißt es auf Anfrage. “Erst die ab Weihnachten vorherrschenden kalten Temperaturen haben diesen Abwärtstrend gestoppt, auch wenn der Preisanstieg zuerst sehr moderat war”, ordnet Stephan Hausl, Pricing-Experte bei Syneco, ein. Nachdem die Kältephase nun schon länger andauere und sich die Speicher rasch entleert hätten, habe der Markt in den letzten Tagen reagiert und deutlich nach oben gezogen. Dies sei mit einem “Short Squeeze” vergleichbar. Besonders betroffen seien insbesondere die Kontrakte bis einschließlich Q1-27. 

Trotz deutlich geringerer Speicherstände als im Vorjahr zu Beginn der Winterperiode seien die Preise zunächst weiter gefallen. Der Markt habe darin kaum Probleme gesehen. “Aufgrund der mittlerweile deutlich gefallenen Speicherstände sind diese aber jetzt vermehrt im Fokus und ein deutlicher Treiber nach oben”, bestätigt Hausl. Auch weil jetzt schon absehbar sei, dass man im Sommer sehr viel einspeichern muss, um für den nächsten Winter vorzusorgen. 

"Es besteht ein Preisrisiko in beide Richtungen"

“Die aktuellen Temperaturprognosen für die nächsten 14 Tage liegen durchgehend deutlich unter Norm”, blickt Hausl voraus. Dies führe natürlich zu einer weiteren Entleerung der Speicher und stütze den Markt. Der Day-Ahead-Kontrakt sei in den letzten Tagen bereits um zehn Euro pro Megawattstunde (MWh) angestiegen. Bei einer Abschwächung der kalten Prognosen gebe es deshalb aber auch wieder deutlich Luft nach unten. Außerdem könne auch das Angebot noch mal erhöht werden, insbesondere per LNG. “Somit besteht ein Preisrisiko in beide Richtungen, wodurch insbesondere bei offenen Positionen in den Kontrakten bis zum Q1-27 Vorsicht geboten ist”, so Hausl weiter. Die hinteren Laufzeiten, ab Cal28, zeigten demgegenüber aber nur sehr wenig Bewegung. 

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