Der europäische PPA-Price-Index von "LevelTen Energy" für das zweite Quartal zeigt: Nach vier Quartalen mit rückläufigen Preisen stieg der marktweite europäische Durchschnittspreis für Solar-PPAs wieder – um 2,8 Prozent. Wind-PPAs verbilligten sich dagegen um 1,6 Prozent und fielen damit das fünfte Quartal in Folge.
Trendwende 2026
Dabei sah es im Jahr 2025 für den deutschen PPA-Markt alles andere als gut aus. Die Marktanalyse der Deutschen Energie-Agentur (Dena) bestätigte diesen Trend für 2025. Im europäischen Ranking sei Deutschland auf den vierten Platz zurückgefallen – hinter Spanien, Italien und Polen. Der deutsche PPA-Markt hat sich in den vergangenen Monaten allerdings spürbar weiterentwickelt: weg vom reinen Mengengeschäft, hin zu Differenzierung. Das belegen die aktuellen Zahlen der Erneuerbarenplattform "LevelTen Energy".
Der "Deutschland-Effekt"
Auffällig ist dabei der Deutschland-Effekt: Kräftige Preiserhöhungen in Deutschland und Polen prägten die Solar-Entwicklung so stark, dass sie den europäischen Schnitt nach oben zogen – während andere Märkte weiter nachgaben.
Der Preisauftrieb bei Solar-PPAs kommt dabei nicht aus dem Nichts, sondern aus einem Umfeld, in dem sich fundamentale Treiber wieder verschieben. In der "LevelTen"-Einordnung waren es zuletzt vor allem die stark anziehenden Gaspreise, die Großhandelsstrom und damit auch die Preisanker für PPA-Angebote nach oben gezogen haben.
Gleichzeitig bleibt der Markt auf Länderebene auseinandergezogen. "Obwohl der europäische Durchschnittspreis für Solarenergie in diesem Quartal gestiegen ist, gehen die Trends in den einzelnen Märkten stark auseinander", sagte Placido Ostos, Director of European Analytics bei "LevelTen Energy".
Attraktiv für Käufer
Für Käufer in Deutschland – Stadtwerke wie Industrie – wird damit ein zweiter Punkt immer wichtiger: das Risiko negativer Preise und die Frage, wie viel "Wert" ein Vertrag realisiert, nicht nur welchen Strike-Preis er auf dem Papier ausweist. "LevelTen" verweist darauf, dass Preiskannibalisierung in PV-starken Märkten wie Deutschland zunimmt und Negativstunden zulegen. An dieser Stelle setzt der Trend hin zu hybriden Verträgen an: Projektentwickler kombinieren Solarparks mit Batteriespeichern, um Flexibilität in die Lieferung zu bringen und Erlöse in Hochpreisstunden zu verschieben.
Preis kein zentrales Entscheidungskriterium
Der neue Hybrid-Index von "LevelTen" beziffert den Aufpreis: Hybrid-PPAs liegen demnach preislich 24 Prozent über Solar-PPAs, zugleich aber 15 Prozent unter Wind-PPAs. Trotzdem entscheiden sich viele Abnehmer für diese Struktur, weil Speicher den "realisierten Wert" eines Solarprojekts in Märkten wie Deutschland um bis zu 80 Prozent steigern können, so die Analyse. Das ist ein Argument, das in der aktuellen Beschaffungslogik stärker zählt als der reine Vergleich "billig gegen teuer".
"LevelTen" ordnet Deutschland zusammen mit Spanien als zentrale Quelle hybrider Angebote ein: 29 Prozent der europäischen PPA-Angebote im Q2/2026-Index seien Hybridprojekte aus diesen beiden Ländern gewesen. In Deutschland rücken dabei nach Darstellung des Marktplatzes besonders "Green-BESS"-Verträge in den Fokus – Speicher, die ausschließlich mit erneuerbarer Erzeugung am selben Standort geladen werden.
Für PPA-Abnehmer besonders interessant: weniger regulatorische Hürden als bei Speichern mit bidirektionalem Netzzugang, aber ein spürbarer Mehrwert im Lieferprofil. Laut Dena entwickeln sich Batteriespeicher und Co-Location-Konzepte zur neuen Norm, Vertragsstrukturen werden komplexer, und Risiko wird häufiger geteilt statt einfach weitergereicht.


