Von Hanna Bolte
Vor genau einem Jahr kehrte Berlins größter Fernwärmeversorger in die Familie der Berliner Landesunternehmen zurück. Damals noch unter dem Namen Vattenfall Wärme Berlin, zieht das neue Landesunternehmen, das heute den Namen BEW Berliner Energie und Wärme (BEW) trägt, Bilanz über sein erstes Geschäftsjahr.
Mit einem Jahresüberschuss von knapp 16 Millionen Euro, einer Eigenkapitalquote von 53 Prozent und einer Steigerung des EBITDA auf 230 Millionen Euro zeigte sich Finanzvorstand Axel Pinkert sehr zufrieden. "Wir sind auf dieses positive Ergebnis besonders stolz, weil sich das Unternehmen in einer ganz besonderen Phase befindet", betonte Pinkert mit Blick auf die Einmalbelastungen durch die Herauslösung aus dem Vattenfall-Konzern.
Die gesunkenen Umsatzerlöse durch milde Temperaturen im letzten Winter konnten durch niedrigere Beschaffungskosten für Gas und Emissionsrechte überkompensiert werden. Die Umsatzerlöse sanken insgesamt von rund 2,1 auf 1,9 Milliarden Euro.
Auch personell hat das Unternehmen im letzten Jahr große Schritte gewagt. So hat es seit Mai 2024 insgesamt 384 Neueinstellungen und Übernahmen gegeben.
Milliarden-Kredite
In der Bilanz hat BEW jedoch nicht nur auf das letzte Jahr geschaut, sondern auch einen Ausblick darauf gegeben, wie es für das Unternehmen weitergehen soll. Für die Umstellung auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung des Fernwärmenetzes sollen bis 2030 rund 3,3 Milliarden Euro investiert werden. Die Summe solle zu einem großen Teil über Kredite finanziert werden.
Um dieses Vorhaben umsetzen zu können, hat der Aufsichtsrat Anfang der Woche einer Brückenfinanzierung von 1,1 Milliarden Euro durch neun verschiedene Banken zugestimmt. Mit weiteren 2,2 Milliarden Euro wird BEW unter anderem die anstehenden Neubauprojekte für Gaskraftwerke, Abwärmenutzung und Wärmepumpen realisieren. Eine hohe Eigenkapitalquote von rund 50 Prozent sichere gute Konditionen am Fremdkapitalmarkt, betonte BEW-Chef Christian Feuerherd.
Großprojekt Reuter West
Eines der geplanten Projekte ist der Bau des Energieparks Reuter West. Hier, so Kerstin Busch, Geschäftsführerin Technik der BEW, werde die Transformation sichtbarer als an jedem anderen Ort. Neben dem bereits vorhandenen Wärmespeicher sollen auf der Freifläche in den nächsten Jahren Hydraulik, Elektrik, eine Festbrennstoffanlage, ein Gas-Heißwassererzeuger und eine Dampfturbinenanlage neu entstehen.
Auch für dieses Projekt hat der Aufsichtsrat nun grünes Licht gegeben. Es wird maßgeblich von den neu zugesagten 1,1 Milliarden Euro profitieren.
Angemessenheit statt Abzocke
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betonte, dass die Rekommunalisierung der Fernwärme der richtige Schritt gewesen sei, besonders mit Blick auf die Daseinsvorsorge in Berlin und die Bemühungen um einen klimaneutralen Umbau. "Wir wollen als Land auch bei der Frage der Preisgestaltung die Möglichkeit haben, dass nicht die höchste Rendite und maximaler Gewinn das Leitmotiv sind, sondern angemessene Preise. Preise, die natürlich dafür sorgen, dass wir ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen haben, aber eben keine Abzocke."




