Carsten Harkner ist seit Juli 2024 Geschäftsführer der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH.

Carsten Harkner ist seit Juli 2024 Geschäftsführer der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH.

Bild: © KVV

Die staatliche Förderung von Wärmepumpen sollte nach Ansicht von Carsten Harkner, Geschäftsführer der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH, künftig an eine vorherige Prüfung geknüpft werden. Wo Fernwärme verfügbar oder ein Ausbau absehbar sei, sollte keine Wärmepumpe mehr gefördert werden. Die Auszahlung der Wärmepumpenförderung solle erst erfolgen, wenn in dem Gebiet keine Fernwärme komme. So ließe sich eine Förderung konkurrierender Lösungen im selben Gebiet vermeiden.

Durch die Förderung von Wärmepumpen in Fernwärmeausbaugebieten sinke die Zahl potenzieller Fernwärmekunden. "Das kann den Fernwärmeausbau erschweren oder verteuern", sagt Harkner. Die Prüfung müsse für Kunden und Versorger praktikabel und möglichst unbürokratisch sein. Die KVV habe im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung bereits kommuniziert, wo, wann und wie Fernwärme geplant sei.

Doppelte Infrastrukturen vermeiden

Langfristig könne es sich die Versorgungswirtschaft nicht leisten, mehrere Infrastrukturen parallel aufrechtzuerhalten, erklärt Harkner. Das binde zu viel Kapital. Es brauche klare Prioritäten und keine Doppelstrukturen. Anhand der Ausbauplanung stehe bereits fest, in welchen Gebieten welche Technologie zum Einsatz komme und ob eine Fördermöglichkeit bestehe.

"Alles gleichzeitig zu fördern und alle Lösungen gleichzeitig vorzuhalten oder auszubauen, ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll“" betont der KVV-Chef. Die kommunale Wärmeplanung setze vielerorts auf leitungsgebundene Wärmeversorgung und damit auf Fernwärme. Das sei langfristig der nachhaltigste und wirtschaftlich sinnvollste Weg, auch für Kassel. Voraussetzung für einen effizienten Betrieb sei eine möglichst hohe Anschlussquote.

Gebäudemodernisierungsgesetz schafft keine Klarheit

Das Gebäudemodernisierungsgesetz schaffe derzeit nicht die notwendige Klarheit, sagt Harkner. Viele Kundinnen und Kunden seien verunsichert. Für viele Menschen sei offen, welche Rahmenbedingungen langfristig gelten würden. Gerade bei Investitionen in die eigene Wärmeversorgung brauche es jedoch Planungssicherheit und verlässliche Orientierung.

"Der Bürger hatte gerade verstanden, dass er seine fossile Heizung demnächst ersetzen muss. Diese Klarheit ist nun leider aufgeweicht worden", erklärt Harkner. Ab dem kommenden Jahr werde die KVV durch den Umbau ihres Kraftwerks von Kohle auf Klärschlamm und Altholz rund 80 Prozent der Wärmeerzeugung ihres Kraftwerksparks dekarbonisiert haben.

Unklare Rahmenbedingungen bremsen Investitionen

Offen sei, wie diese Investitionen langfristig refinanziert werden sollten und welche Förderinstrumente dauerhaft zur Verfügung stünden, führt Harkner aus. Das betreffe die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW), die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), die Entwicklung des CO₂-Preises sowie die langfristigen regulatorischen Vorgaben für die Wärmewende. Solange es keine verlässlichen Perspektiven gebe, falle es Stadtwerken schwer, große Investitionsentscheidungen sicher zu treffen.

Die Branche steht vor großen Finanzierungsherausforderungen in den nächsten Jahren. Als Vorsitzender des Kaufmännischen Ausschusses im VKU hat sich Harkner hier in den vergangenen Jahren immer wieder für KfW-Programme zur Stärkung der Finanzkraft der Kommunalwirtschaft stark gemacht.

Wichtigster Baustein im Deutschlandfonds fehlt noch

Der Deutschlandfonds von Bund und KfW sei hier der richtige Ansatz, sagt Harkner. Die unklaren Rahmenbedingungen führten aber zu Investitionszurückhaltung. Die KfW habe im Bereich der Fremdkapitalfinanzierung bereits einiges gemacht. Was bislang fehle, sei ein Eigenkapitalfonds oder eine eigenkapitalähnliche Lösung, etwa über Mezzanine-Kapital.

Dieser soll voraussichtlich im kommenden Jahr starten, auch ein Investoren-Pool zur Hebelung privaten Kapitals ist geplant. Unter dem Dach des Deutschlandfonds bündelt die KfW verschiedene neue und teils auch noch zu erarbeitende Programme zur Förderung von Investitionen in die Energiewende.

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Eigenkapital muss zum Finanzierungssystem passen

Benötigt werde ein Produkt, das für alle Stadtwerke praktikabel sei, erklärt Harkner. Vor allem müsse das Instrument mit dem Finanzierungssystem der Stadtwerke übereinstimmen. Für das Gasnetzgeschäft habe die Bundesnetzagentur für die nächste Regulierungsperiode ab 2028 einen Gesamtkapitalzinssatz von 3,76 Prozent vorgeschlagen, bestehend aus 40 Prozent Eigenkapital und 60 Prozent Fremdkapital.

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"Zugleich liegen Standarddarlehen, etwa beim einfachen KfW-Betriebsmittelkredit nach Paragraf 148, nach meiner Erfahrung ungefähr auf diesem Niveau", sagt Harkner. Liege der Gesamtkapitalzinssatz auf Höhe der Fremdkapitalverzinsung, sei das für Eigenkapitalgeber unattraktiv. Investoren erwarteten wegen des höheren Risikos eine höhere Rendite.

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Rendite muss dem Risiko Rechnung tragen

Wenn ein Stadtwerk für Fremdkapital dreieinhalb bis vier Prozent zahle, lasse sich einem Eigenkapitalgeber nicht vermitteln, dass er nur fünf Prozent erhalte, führt Harkner aus. Langfristig erwarte er einen Renditeaufschlag von mindestens drei bis fünf Prozentpunkten. Diese Erwartungen könne die Branche derzeit nicht erfüllen.

„Wenn der Staat oder die KfW Investitionen im Wärmebereich mit einer Bürgschaft gegen Ausfallrisiken absichert, müsste der Renditeanspruch des Eigenkapitalgebers sinken“, sagt Harkner. Je geringer das Risiko eines Projekts sei, desto günstiger könne das benötigte Kapital bereitgestellt werden. Der Investor könne das geringere Risiko einpreisen. So werde Eigenkapital eher mit Fremdkapital vergleichbar.

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Der Finanzierungsbuckel der Wärmewende

Zunächst stünden hohe Investitionen an, während Rückflüsse erst in zehn Jahren oder später einsetzten. Diesen vorübergehenden Finanzierungsbuckel müsse die Branche überbrücken. Hohe Renditeforderungen verteuerten Netze und Wärmeversorgung.

„Unsere ersten Erfahrungen haben gezeigt, dass die neuen KfW-Produkte für uns schlechter abgeschnitten haben als die bestehenden KfW-Lösungen und auch schlechter als Finanzierungskonditionen, die wir aktuell am Kapitalmarkt erzielen könnten“, berichtet Harkner zu den beiden neuen KfW-Krediten. Für die KVV seien die Angebote deshalb nicht attraktiv. Für Unternehmen mit anderer Bonität könnten sie Möglichkeiten eröffnen.

Staatliche Absicherung muss Mehrwert bieten

Die KfW müsse genau prüfen, welche Anforderungen Banken und Kapitalgeber stellten und welche Anforderungen die Versorgungswirtschaft erfüllen könne, fordert Harkner. Wenn eine staatliche Absicherung hinterlegt sei, das Produkt aber dennoch teurer bewertet werde, stelle sich die Frage, warum Banken den Risikovorteil nicht stärker berücksichtigten. Die Instrumente müssten einen wirtschaftlichen Mehrwert bieten.

„Unser gemeinsames Ziel kann nur sein, dass wir in den kommenden Jahren zusätzliches Kapital in unsere Branche bekommen. Wir sprechen hier von einem Zeitraum von mindestens zehn Jahren“, betont Harkner. Die Konditionen müssten das Kapital langfristig binden. Dafür brauche es staatlich abgesichertes Eigenkapital, das zum Geschäft der Stadtwerke passe.

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