Von: Stephanie Gust
Energiekonzern Eon hatte dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) am 14. Mai ein Gutachten zukommen lassen, in dem er tiefgreifende Änderungen am aktuellen Rollout intelligenter Messsysteme (iMsys) fordert. Das Papier wurde inzwischen über das Lobbyregister des Deutschen Bundestags veröffentlicht und hat eine kontroverse Diskussion in Gang gesetzt.
Konkret schlägt Eon unter anderem vor, die Anzahl der Tarifanwendungsfälle (TAFs) zu reduzieren, das wettbewerbliche Messwesen abzuschaffen, auf das komplexe Mehrsparten-Metering zu verzichten und die Interoperabilität der Smart-Meter-Gateways mit Kundenanlagen sicherzustellen. Langfristig spricht sich der Konzern in der Stellungnahme für einen "Smart-Meter light" aus – eine vereinfachte, kostengünstige Variante mit Basisfunktionen, die flächendeckend eingesetzt werden kann. "Wir brauchen ein System, das skaliert, nicht eines, das sich im Detail verliert", heißt es sinngemäß in dem Gutachten. Ziel sei es, den Prozess effizienter, günstiger und kundenfreundlicher zu gestalten.
Kritik von Wettbewerbern: "Wettbewerb nicht abschaffen, sondern ermöglichen"
Der Vorstoß stößt bei wettbewerblichen Messstellenbetreibern (wMSB) auf deutliche Kritik. Markus Meyer, Politikchef beim Berliner Anbieter Enpal, betont: "Wettbewerbliche Messstellenbetreiber wie Enpal haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie Tempo, Innovationskraft und Kundenorientierung in den Smart-Meter-Markt bringen – und damit einen wichtigen Beitrag zum dringend benötigten Rollout leisten. Eine Schwächung dieses Wettbewerbs würde nicht nur die Vielfalt im Markt einschränken, sondern auch den Fortschritt der Energiewende verlangsamen." Forderungen, bestimmte Marktteilnehmer pauschal auszuschließen, stünden im Widerspruch zu einem offenen, fairen und zukunftsfähigen Energiemarkt.
Auch Octopus-Energy-Geschäftsführer Bastian Gierull äußert sich deutlich: "Was Eon hier macht, ist ein durchschaubares Ablenkungsmanöver. Beim Smart-Meter-Rollout hinken sie seit Jahren hinterher. Es sind vor allem Eon-Gesellschaften, die den Einbau auf Kundenwunsch verhindern, indem sie Mondpreise verlangen. Wettbewerbliche Messstellenbetreiber wachsen dagegen stark – und zeigen, dass es schneller und günstiger geht." Eon wolle die lästige Konkurrenz jetzt abschaffen, während man gleichzeitig höhere Monopolrenditen für die Netze fordert. Beides würden am Ende die Verraucherinnen und Verbraucher bezahlen.
Zwar begrüßt Gierull die Idee eines vereinfachten Smart Meters grundsätzlich – aber mit anderer Zielrichtung: "Immerhin hat auch Eon endlich die Notwendigkeit eines Smart Meter light erkannt. Aber wir brauchen das nicht irgendwann – sondern jetzt. Die Energiewende wartet nicht."
Eon relativiert Ausschlussforderung
Auf eine aktuelle ZfK-Nachfrage zur Abschaffung des wettbewerblichen Messstellenbetriebs antwortet der Energiekonzern jetzt deutlich diplomatischer und konkretisiert: "Ende 2024 hatten über 340 von mehr als 800 grundzuständigen Messstellenbetreibern noch nicht mit dem Smart-Meter-Rollout begonnen. Wenn alle Grundzuständigen ihre Pflichten zuverlässig erfüllen, könnten die Rollen des wettbewerblichen oder des Auffang-Messstellenbetreibers wegfallen." Das würde die Regulierung vereinfachen und Kosten senken. Dafür brauche es konsequente Sanktionen und gleichzeitig stärkere Anreize für die Unternehmen, die den Rollout schneller voranbringen. Eine direkte Forderung nach zur Abschaffung des wettbewerblichen Messstellenbetriebs formuliert Eon in der aktuellen Antwort nicht mehr.
Auch beim Thema "Smart-Meter light" zeigt sich der Konzern differenzierter. "Natürlich wäre es für viele Anwendungsfälle wünschenswert, eine deutlich einfachere Smart-Meter-Technologie zu nutzen, die eine einfache und kostengünstige Übertragung viertelstündlicher Messwerte für die Abrechnung von flexiblen Tarifen ermöglicht. Gleichzeitig kann nicht jeder seine eigene Technologie einsetzen und dafür Standards aufgeben." Eine Umstellung auf alternative Technologien würd die Branche aus Sicht von Eon nun um Jahre zurückwerfen. Schießlich müssten komplett neue Prozesse und Systeme entwickelt werden. Und weiter: "Zudem würde ein anderes technisches Konstrukt den Reifegrad und die Sicherheit des Gesamtsystems infrage stellen."
Vereinfachungen des Ökosystems Smart Metering
Stattdessen setzt sich der Energieversorger aus Essen für eine Vereinfachung des aktuellen Ökosystems rund um den Smart Meter ein. "Dabei fordern wir unter anderem eine Reduzierung der Tarifanwendungsfälle (TAFs), um die Komplexität zu minimieren und den Rollout effizienter zu gestalten." Der Konzern bekennt sich zum bestehenden Konstrukt mit intelligenten Messsystemen und spricht sich stattdessen für eine Vereinfachung innerhalb des aktuellen Systems aus – etwa durch die Reduzierung der TAFs und ein stärkeres Prinzip "Ein Gateway für mehrere Zähler". Das steigere die Effizienz und erhöht den Reifegrad der bestehenden Technologie. Und weiter: "Für uns gilt: Die Zeit für Diskussionen um alternative Hardwarelösungen ist vorbei. Wir müssen den Smart Meter Rollout konsequent vorantreiben und Tempo machen."


