Der in Hannover ansässige Regionalversorger Enercity treibt den Umstieg von fossilen zu alternativen Energieträgern voran. Wie das Unternehmen bei einem Pressegespräch verkündete, will es bis 2025 auf dem Gelände eines bestehenden Kohlekraftwerks in Hannover-Stöcken ein neues Biomasseheizwerk bauen.
Die vorgesehene Anlage soll etwa 80 Millionen Euro kosten. Sie soll eine Kapazität von 80 Megawatt haben und jährlich etwa 415 Gigawattstunden Wärme für die Fernwärmeversorgung in Hannover und industrielle Abnehmer erzeugen. Einer der Großkunden könnte die VW-Sparte Nutzfahrzeuge werden, die ebenfalls in der niedersächsischen Hauptstadt ihren Stammsitz hat.
500 Mio. Euro für Kohleausstieg
Ziel sei es, die Versorgung der Kunden mit Wärme auf Basis von erneuerbaren Energiequellen zu sichern, versicherte Enercity-Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva. Zudem soll der Brennstoff aus regionalen Quellen stammen, um lange Transportwege zu vermeiden und die regionale Wertschöpfung zu erhöhen. "Zurzeit sind wir in Verhandlungen mit Partnern im Umkreis von 50 Kilometern", sagte sie.
Der Neubau gilt als wichtiges Puzzlestück in Enercitys Kohleausstiegsstrategie. Im September hatte das Unternehmen verkündet, bis 2025 den ersten Block seines Kohlekraftwerks in Stöcken abzuschalten. 2030 soll der zweite folgen. Für den Kohleausstieg sieht Enercity Investitionen von etwa 500 Millionen Euro vor.
Corona-Effekte
Für das Jahr 2020 erwartet der Regionalversorger trotz Corona-Krise einen Umsatzanstieg von 3,1 auf 3,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von fast 20 Prozent. Bei den Gesamtinvestitionen ist ein Zuwachs von 199,4 auf 207,7 Millionen Euro vorgesehen.
Nach eigenen Angaben liegt der prognostizierte Unternehmensgewinn für 2020 vor Abschreibungen und Zinsen bei etwa 100 Millionen Euro. Das wären etwa 16 Prozent weniger als im Vorjahr. "Im Branchenvergleich liegen wir damit sehr gut", sagte Enercity-Vorstand Marc Hansmann. "Wir haben einen Teil der Corona-Effekte, etwa durch sinkende Energiemengen bei Großfirmen, Forderungsausfälle querbeet und sinkende Netzentgelte, kompensieren können."
Fernwärmeabsatz geht zurück
Dabei stiegen die Absatzmengen bei Strom (plus 54 Prozent) und Gas (plus 25 Prozent) in den ersten drei Quartalen 2020 deutlich. Der Fernwärmeabsatz dagegen ging zurück — um gut fünf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019.
Trotz wohl steigender Kosten im kommenden Jahr, etwa bedingt durch die Einführung der CO2-Bepreisung in Deutschland, will Enercity seine Strom- und Gaspreise vorerst nicht anheben. "Mitten in der Corona-Situation und mitten im Winter ist das unseren Kunden nicht zuzumuten", erklärte Vorstandsvorsitzende Zapreva.
Trinkwasserpreis steigt
Anders verfährt das Unternehmen beim Trinkwasserpreis. Der wird in den Wassernetzen Hannover und Laatzen-Süd zum Jahreswechsel steigen — für Haushalte für ein bis zwei Personen beispielsweise um 2,27 Euro brutto (angenommener Verbrauch: 50 Kubikmeter/Jahr pro Wohnung).
Enercity rechtfertigt diesen Schritt mit geplanten Investitionen von etwa 150 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren. Zudem habe das Land Niedersachsen für nächstes Jahr die Wasserentnahmegebühr verdoppelt.
Investitionen in Wasserwerk
Ein Großteil seiner Wasserinvestitionen will Enercity dabei in den Bau einer neuen Filterhalle im Wasserwerk Elze-Berkhof (Gemeinde Wedemark) stecken. Die 1930 eröffnete Filterhalle soll einem Neubau weichen. Auch die übrigen zwei der insgesamt drei Filterhallen sollen modernisiert werden.
Darüber hinaus plant Enercity die Erneuerung des Wasserversorgungsnetzes. Mehr als die Hälfte der Ausgaben sei für neue Rohrleitungen und Hochbehälter vorgesehen, lässt das Unternehmen verlauten. Weitere Mittel seien etwa für den Bau und die Erneuerung von Grundwasserbrunnen im Wasserschutzgebiet Fuhrberger Feld geplant.
1000. Ladepunkt installiert
Stolz zeigt sich der Versorger, vor Kurzem den 1000. Ladepunkt in und um Hannover installiert zu haben. (Die ZfK berichtete.) Darunter befinden sich 301 öffentliche Ladepunkte. Im nächsten Jahr sollen 300 weitere öffentliche Ladepunkte dazukommen. (ab)



