Der Gasspeicher in Rehden hat eine Kapazität von fast 44 TWh. Zuletzt lagerten aber nur noch 0,24 TWh ein.

Der Gasspeicher in Rehden hat eine Kapazität von fast 44 TWh. Zuletzt lagerten aber nur noch 0,24 TWh ein.

Bild: © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Führende Vertreter aus der Stadtwerkebranche und der privaten Energiewirtschaft haben die Ausrufung der Frühwarnstufe im Gasnotfallplan durch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck begrüßt.

„Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist heute stärker gefährdet als noch vor einigen Wochen – es ist daher richtig, dass die Bundesregierung diesen Schritt nun geht“, ordnete EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler die Situation ein. Aktuell komme zwar noch mehr Gas nach Deutschland als gerade verbraucht werde. Niemand könne derzeit aber sicher sagen, wie lange und in welchem Umfang russische Gaslieferungen noch in Deutschland ankämen.

Dohler: Kunden deutschlandweit müssen sich auf weiter steigende Preise einstellen

„Das Auffüllen der Erdgasspeicher für den kommenden Winter wird daher mehr denn je ein Wettlauf gegen die Zeit, der starke gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Verbrauchern erfordert“, so Dohler.

Ziel müsse es mit Blick auf die Speicher sein, dass man möglichst wenig Erdgas in Gaskraftwerken verstromen müsse. "Gleichzeitig wollen wir mit Blick auf das Klima die alten Reserve-Kohleblöcke möglichst wenig nutzen – da hilft also nur sparen.“

Absehbar sei aber, dass sich Energiekundinnen und -kunden in ganz Deutschland auf weiter steigende Preise einstellen müssen, insbesondere, wenn die heute von Bundesminister Habeck erwähnten, aber noch nicht aktivierten, kurzfristigen Preisanpassungsmechanismen in den nächsten Wochen tatsächlich zur Anwendung kommen sollten.

Wartung von Nord Stream 1 könnte Situation deutlich verschärfen

In solchen Fällen bestünde für alle Betroffenen zwar ein Sonderkündigungsrecht auch bei bestehenden Verträgen – angesichts der angespannten Situation am Energiemarkt und des allgemein hohen Preisniveaus würde ein Wechsel des Versorgers aber wohl nicht zu wesentlichen Spareffekten führen.

Der Füllstand aller Erdgasspeicher in Deutschland beträgt aktuell durchschnittlich 58,7 Prozent. Die von EWE betriebenen Gasspeicher sind im Vergleich dazu mit 73 Prozent gefüllt.

Aufgrund der zwischen dem 11. und 21. Juli geplanten Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 hält man beim Oldenburger Energieversorger eine deutliche Verschärfung der Situation nicht für ausgeschlossen. Auch technische Gründe könnten hier dazu führen, nach dem Revisionszyklus dann doch nicht wieder hochzufahren.

SWM-Chef Bieberbach: "Alarmstufe notwendig, aber früher als erwartet"

„Aus unserer Sicht ist dieser Schritt die notwendige und richtige Konsequenz der reduzierten Gaslieferungen. Die Alarmstufe kommt etwas früher als gedacht, aber für die Energiebranche leider nicht unerwartet“, kommentierte der Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke München (SWM), Florian Bieberbach.

Der Kommunalkonzern habe sich seit Beginn des Angriffskrieges durch Russland darauf vorbereitet, sei Wochen liefen Vorbereitungen für konkrete Ablauf- und Maßnahmenpläne. „Die Lage ist ernst, auch wenn bis auf Weiteres die Versorgungssicherheit noch gewährleistet ist“, betonte Bieberbach weiter.

Zwar seien die Privatkunden aktuell nicht direkt von der Alarmstufe betroffen, dennoch sei Energiesparen jetzt das Gebot der Stunde. „Hierzu können und müssen nun auch alle Bürger*innen einen Beitrag leisten. Denn jede eingesparte Kilowattstunde Strom reduziert den Gaseinsatz für die Stromerzeugung.“

Enercity-Gasspeicher bereits wieder zu 90 Prozent gefüllt

Auch die Enercity-Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva rief die Kundinnen und Kunden des hannoverschen Regionalversorgers erneut zu einem "achtsamen Energieverbrauch" auf.

Die Versorgungssicherheit sei weiter gewährleistet. Aufgrund der aktuellen Minderlieferungen aus Russland müsse der Gasverbrauch in Deutschland aber reduziert werden. Enercity gehe besonnen mit der Situation um, der eigene Gasspeicher in Empelde sei derzeit zu rund 90 Prozent gefüllt.

Mainova setzt aktuell nur wenig Gas in der Erzeugung ein

„Wir begrüßen die Anstrengungen der Bundesregierung, in der aktuellen Situation zusätzliche Maßnahmen für weniger Gasverbrauch zu ergreifen und die deutsche Energieversorgung weiter zu diversifizieren. Mit der Ausrufung der zweiten Stufe des Notfallplans geht es jetzt darum, die Speicher für den Winter ausreichend zu füllen“, heißt es bei der Frankfurter Mainova.

Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs habe das Unternehmen verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Erzeugung von Wärme und Strom in unseren Kraftwerken auch in der aktuellen Situation und künftig zuverlässig sicherzustellen.

Mainova setze aktuell nur wenig Gas zur Wärme- und Stromerzeugung ein. Neben dem Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt verfügt Mainova am Standort Heizkraftwerk West über zwei Steinkohle-Blöcke, die in hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung Wärme und Strom produzieren. Beide Blöcke sind kontinuierlich in Betrieb.

Mainova fordert Entlastungen für Verbraucher bei staatlichen Abgaben

Ihr Einsatz trage mit dazu bei, die Versorgungslage auf dem Gasmarkt zu entspannen, kann allerdings darüber hinaus nicht mehr wesentlich gesteigert werden. 

Damit Energie bezahlbar bleibe und sich nicht zum Luxusgut entwickle, müsse die Bundesregierung daher unter anderem auch die staatlichen Abgaben kurzfristig senken.

Eon: Präzisierung § 24 des Energiesicherungsgesetzes ist zentral

„Die Konsequenzen der Alarmstufe unterscheiden sich für uns im Wesentlichen nicht von denen der Frühwarnstufe, die zuständigen Marktakteure agieren weiterhin eigenverantwortlich mit ihrem Instrumentarium, insbesondere gemäß EnWG“, schreibt die Mannheimer MVV Energie.

Der Essener Energiekonzern Eon hält die Entscheidung der Bundesregierung angesichts der aktuellen Unsicherheiten für „nachvollziehbar“. Entscheidend sei jetzt, dass die Bundesregierung die erforderlichen Rahmenbedingungen für ein mögliches Szenario einer erheblichen Reduktion der Gasimportmengen schaffen. Dazu gehöre insbesondere insbesondere eine Präzisierung des §24 des Energiesicherungsgesetzes.

Für den Fall, dass die Bundesnetzagentur eine erhebliche Reduktion der Gesamtgasimportmengen nach Deutschland feststelle, sollten die Mehrkosten aus einer Ersatzbeschaffung für wegfallende Gasimporte gleichmäßiger und berechenbarer verteilt werden. (hoe/hil)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper