Am Morgen nach dem Anschlag: Erik Landeck, Geschäftsführer von Stromnetz Berlin, informiert vor dem beschädigten Strommast die Presse.

Am Morgen nach dem Anschlag: Erik Landeck, Geschäftsführer von Stromnetz Berlin, informiert vor dem beschädigten Strommast die Presse.

Bild: © Jens Kalaene/dpa

Zehntausende Berliner Haushalte trifft ein Stromausfall mitten in der Nacht. Grund ist nach ersten Ermittlungen der Polizei vermutlich ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten in der Hauptstadt, der die dortige Energieversorgung lahmlegt. Rund 50.000 Haushalte und Firmen im Berliner Südosten sind betroffen, viele davon blieben bis zum Nachmittag ohne Strom. Stand 17 Uhr am Dienstag waren 31.000 Kunden weiter ohne Strom.

Der Alarm ging um 3.30 Uhr ein. Das Feuer zerstörte mehrere dicke Starkstromleitungen am Fuß der Masten am Königsheideweg im Bezirk Treptow-Köpenick nahe einem Wohnviertel mit Einfamilienhäusern und viel Grün. Eine Stunde brauchten Feuerwehrleute, um den Brand zu löschen. Die Täter hatten nach ersten Erkenntnissen einen Brandbeschleuniger, also etwa Benzin, eingesetzt.

Bis zu 50.000 Haushalte vom Blackout betroffen

Betroffen waren von dem Stromausfall seit der Nacht nach Angaben von Stromnetz Berlin 50.000 Kunden. Die Feuerwehr sprach von mehr als 43.000 Haushalten und 3.000 Firmen. Außerdem waren Schulen, Kitas und zwei Pflegeheime ohne Strom. Ampeln und Straßenbeleuchtung fielen aus. Die Feuerwehr kümmerte sich um die Pflegeheime. Mehrere Patienten, die etwa auf Beatmungen angewiesen waren, wurden in Krankenhäuser verlegt.

Mobilfunk- und Festnetzverbindungen sowie die Erreichbarkeit der Notrufe 110 und 112 waren teilweise gestört. Die Polizei forderte dazu auf, sich in dringenden Notfällen direkt an die nächstgelegene Wache zu wenden.

Spurensuche läuft – Reparatur kann noch viele Stunden dauern

Die Arbeiten an der Stromversorgung könnten noch bis Mittwoch dauern. "Wir richten uns darauf ein, dass wir nicht heute damit fertig werden", sagte Stromnetz Berlin-Geschäftsführer Erik Landeck vor Ort. Die technischen Arbeiten können erst beginnen, wenn die Polizei mit der Spurensuche vor Ort fertig sei. 

Kurz nach 10.00 Uhr seien bereits mehr als 14.000 Kunden wieder versorgt gewesen, sagte Landeck. Das sei durch die Inbetriebnahme von Kabeln, die eigentlich außer Betrieb waren, gelungen. Für die restlichen Kunden werde es wegen der Reparaturen etwas länger dauern. "Wir werden keine neuen Masten aufstellen können."

Polizei geht von politischem Anschlag aus und prüft Bekennerschreiben

Kriminaltechniker untersuchten am Morgen den Tatort im Stadtteil Johannisthal. Hinweise auf einen Anschlag mutmaßlich durch politische Extremisten seien die Wahl der beiden Strommasten als Anschlagsziel und das Vorgehen der Täter, hieß es von der Polizei.

Aus welcher politischen Richtung die Täter kommen könnten, war zunächst unbekannt. Ein Bekennerschreiben gab es am Vormittag noch nicht. Die Ermittlungen übernahm der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz des Landeskriminalamts.

Laut dem "Tagesspiegel" überprüft die Polizei ein Bekennerschreiben einer anarchistischen Gruppe. Der Brandanschlag richte sich nicht gegen Anwohner, sondern gegen den Technologiepark Adlershof und die dort ansässigen Hightech-Unternehmen, heißt es in dem Schreiben: "Kritische Infrastruktur anzugreifen, bedeutet eine der Hauptadern der Unterwerfung des Menschen über den Menschen und der Natur anzugreifen. Das Stromnetz repräsentiert als solches die Geschichte des Fortschritts und ist die Grundvoraussetzung für die gnadenlose Entwicklung hin zu einer hochtechnologisierten Gesellschaft, wie wir sie heute kennen."

Lautsprecherwagen informiert Anwohner

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) schickte Lautsprecherwagen in die betroffenen Ortsteile. Sie sollen "die Bevölkerung unter anderem über Anlaufpunkte informieren". Sie habe vereinbart, dass noch am Dienstag zwei sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme, das sind Anlaufstellen mit Personal und Stromversorgung, aufgebaut und in Betrieb genommen werden sollten. 

Nach Angaben der Stromnetz-Betreiber ist der Fall vergleichbar mit einer Störung 2019 in Köpenick. Damals war ein Kabel bei Bauarbeiten beschädigt worden. Der Stromausfall traf mehr als 30.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe und dauerte rund 30 Stunden. (mit dpa)

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