Kristin Weiß, Geschäftsführerin der Stadtwerke Jena Netze und Henry Otto, Leiter des Bereichs Energy Consulting bei PwC, diskutieren beim VKU-Stadtwerkekongress am 26. September in einem hochkarätig besetzten Panel zum Thema "Wasserstoff und Netze".

Kristin Weiß, Geschäftsführerin der Stadtwerke Jena Netze und Henry Otto, Leiter des Bereichs Energy Consulting bei PwC, diskutieren beim VKU-Stadtwerkekongress am 26. September in einem hochkarätig besetzten Panel zum Thema "Wasserstoff und Netze".

Bilder: @ Stadtwerke Jena Netze/PwC

Beim Thema Wasserstoff und Netze hat Henry Otto zwei große Anliegen. "Zum einen appelliere ich an die Politik, keine rechtlichen Hürden aufzustellen, die eine technische Diskussion im Grunde obsolet machen", sagt der Leiter des Geschäftsbereichs Energy Consulting und Partner bei PwC Deutschland.

Wenn die EU verbieten sollte, dass die rund 1000 Verteilnetzbetreiber Gas nicht Netzbetreiber sein dürften, dann erübrige sich jede weitere Diskussion.

„Die EU muss sich deshalb zwingend auf ein Modell einigen, das nicht strenger sein darf als das für Strom- und Gasnetze. In einem solchen Modell könnten ja durchaus Hürden aufgebaut und das Unbundling darf auch nicht aufgeweicht werden“, bekräftigt Otto. 

"Was bei Gasnetzen geht, soll auch bei Wasserstoff möglich sein"

Im Grunde hoffe er, dass sich die EU Parlaments-Position des SPD-Politikers und Berichterstatters des Europaparlaments zur EU-Gasrichtlinie, Jens Geier, durchsetzen werde. Deswegen müsse sich die Bundesregierung in Brüssel dafür stark machen.

Geier fordert, dass all das, was bei Gasnetzen geht, auch bei Wasserstoff möglich ist. Jeder Staat solle sich die Entflechtungsregel aussuchen können, die ihm am besten passe.

"Wärme-Planung ist Blaupause für künftiges Geschäftsmodell"

Doch auch an die Kommunen und ihre Stadtwerke appelliert Henry Otto, die Wärme-Planung so schnell wie möglich zu machen. „Das ist die Blaupause für das künftige Geschäftsmodell. Wenn ich ernsthaft wissen will, wie mein Gasnetz mit Wasserstoff betrieben wird, muss ich auch wissen, wo die Heizkraftwerke stehen“, betont er.

Ganz egal, ob es  jetzt ein großes Kraftwerk sei für ein Fernwärmenetz oder ein kleines Blockheizkraftwerk für ein Nahwärmenetz, das müsse man vor Ort jeweils ausarbeiten.

„Wenn das gemacht ist, weiß man auch, was für Netze man braucht und wie die benötigte Wärme CO2-frei erzeugt werden soll. Dann kann ich überlegen, wie ich technisch mein Gasnetz umrüste und welche Teile ich in welchem Zeitraum abschreibe“.

Stadtwerke Jena Netze prüfen Gasnetz auf 100 Prozent Wasserstofftauglichkeit

Die Stadtwerke Jena Netze sind bereits mittendrin in der Transformation ihrer Gasverteilernetze hin zu Wasserstoffnetzen.

„Als Mitglied der Initiative H2vorOrt haben wir uns dieses Jahr bereits zum zweiten Mal an der Erstellung des Gasnetzgebietstransformationsplans (GTP) beteiligt und untersuchen zusammen mit Partnern zudem derzeit unsere gesamte Gasnetzinfrastruktur auf 100  Prozent Wasserstofftauglichkeit“, sagt Kristin Weiß, Geschäftsführerin der Stadtwerke Jena Netze GmbH. 

Darüber hinaus stehe man in engem Austausch mit den Netzkunden, um deren Wasserstoffbedarfe in den  Netzplanungen zu berücksichtigen.

Kristin Weiß: "Brauchen schnelle Umsetzung des Wasserstoffkernnetzes"

„Daraus wird deutlich, dass Gasnetzbetreiber die natürlichen Betreiber künftiger Wasserstoffnetze sind. Diskussionen um ein etwaiges Ownership Unbundling auf EU-Ebene sind daher nicht zielführend und gefährden einen schnellen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft“, stellt Weiß klar.

Vielmehr bedürfe es nun einer schnellen Umsetzung des Wasserstoffkernnetzes. „Wichtig ist uns dabei, dass zeitnah eine gesetzliche Regelung geschaffen wird, die den Anschluss der Verteilernetzbetreiber an das Wasserstoffkernnetz sicherstellt“.

"Transformationsregulierung soll Wandel von Gas- zu Wasserstoffnetzen befördern"

Rund 99 Prozent der Industrie und des Gewerbes sind im Gasverteilernetz angeschlossen - ohne Gasverteilernetze könne die Wasserstoffversorgung von Industrie und Gewerbe nicht gelingen.

„Um diese Transformation erfolgreich umzusetzen, sind auch regulatorische Anpassungen erforderlich. Der Regulierer sollte mittels einer Transformationsregulierung den Wandel von Gasnetzen zu Wasserstoffnetzen befördern“, fasst die Geschäftsführerin der Stadtwerke Jena Netze zusammen.

(hoe)

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Kristin Weiß, Henry Otto und auch Jens Geier werden am ersten Tag des VKU-Stadtwerkekongresses in Köln in der kommenden Woche (26. September), über das Thema "Wasserstoff und Netze" diskutieren. Mitdabei auf dem hochkarätig besetzen Podium sind auch Gabriele Eggers, Geschäftsführerin Gasnetz Hamburg GmbH und Kai-Uwe Dettmann, Geschäftsführer, Stadtwerke Velbert GmbH.

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