Beim VKU Stadtwerkekongress in Köln vor einigen Wochen war es noch ein unbestätigtes Gerücht, jetzt es ist amtlich: Der Gasnetzbetreiber Gelsenwasser Energienetze hat seine Mitgliedschaft im Lobbyverband Zukunft Gas mit Wirksamkeit zum 31. Dezember 2024 gekündigt.
Eine Sprecherin des Mutterkonzerns Gelsenwasser AG bestätigte eine entsprechende Mitteilung des Vereins Lobbycontrol. Für den Verteilnetzbetreiber aus Gelsenkirchen arbeiten über 400 Beschäftigte, er betreut über 50 Gasnetze in Nordrhein-Westfalen. Der Kaufmännische Geschäftsführer des Gasnetzbetreibers, Thilo Augustin, sitzt aktuell im Aufsichtsrat von Zukunft Gas.
Auch das Stadtwerk am See ist in jüngster Zeit aus Zukunft Gas ausgetreten. „Wir stellen immer wieder alle unsere Mitgliedschaften auf den Prüfstand und wägen Kosten und Nutzen ab. Eines der Ergebnisse war die Kündigung bei Zukunft Gas“, heißt es in einem kurzen Statement.
20 Stadtwerke sollen Kündigung bestätigt haben
In Branchenkreisen ist zu hören, dass oftmals Stadtwerke mit Blick auf Widerstände und politischen Druck vor Ort die Mitgliedschaft aufgeben. Zu den großen Kommunalkonzernen, die sich aus Zukunft Gas zurückgezogen haben sollen, gehören laut Auskunft von Lobbycontrol auch die Stadtwerke Bonn und Rostock.
Lobbycontrol spricht von einer „Austrittswelle“, rund ein Viertel der 100 Stadtwerkemitglieder sollen mittlerweile den Lobbyverband verlassen haben oder in nächster Zeit austreten. Seit Juli 2022 sollen insgesamt 26 Stadtwerke von der Mitgliedsseite von Zukunft Gas verschwunden, 20 davon hätten ihren Austritt bzw. ihre Kündigung bestätigt, heißt es bei Lobbycontrol. Der Ton in der Auseinandersetzung zwischen dem Verein und Zukunft Gas wird unterdessen schärfer.
Zukunft Gas spricht von "haltlosen Anschuldigungen"
„Es ist schädlich für die Demokratie und die Klimaschutzbewegung, wenn Aktivistengruppen mit haltlosen Anschuldigungen die Debatte um sinnvollen Klimaschutz vergiften. Akteure wie Lobbycontrol stellen damit den politischen Prozess in Deutschland grundsätzlich in Frage“, schreibt der Kommunikationsverwantwortliche von Zukunft Gas, Charlie Grüneberg, auf ZfK-Anfrage.
Richtig sei, dass einzelne Stadtwerke in den vergangenen Wochen dem Druck dieser "unsachlichen Kampagne nachgegeben und ihre Mitgliedschaft bei Zukunft Gas gekündigt hätten.
„Von einer Austrittswelle kann aber nicht die Rede sein. Auch mit den Stadtwerken, die ihren Austritt erklärt haben, sind wir weiter in einem guten Austausch, da sie weder den Kurs der Transformation zu einem klimaneutralen Energiesystem verlassen wollen noch die Versorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger von heute auf morgen beenden können und wollen“, so Grüneberg weiter.
"Organisatoren der Kampagne leisten keinen inhaltlichen Beitrag zu Klimaschutzzielen"
Die an der Kampagne beteiligten Organisationen würden außer haltlosen Anschuldigungen keinerlei inhaltlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele leisten. Zukunft Gas hingegen gestalte mit seiner Arbeit aktiv den Übergang von fossilem Erdgas hin zu neuen Gasen wie Biomethan und Wasserstoff sowie seinen Derivaten.
„Es ist gut, dass nun immer mehr Stadtwerke dem Gaslobbyverband Zukunft Gas den Rücken kehren. Stadtwerke sollten sich nicht weiter vor den Lobby-Karren der Gaskonzerne spannen lassen“, sagt hingegen Lobbycontrol-Sprecherin Christina Deckwirth. Der Gemeinwohlauftrag müsse klar Vorrang vor „einseitigen fossilen Lobbyinteressen“ haben.
Ein Vorwurf lautet: Zukunft Gas setze irreführende Lobbybotschaften ein – wie zum Beispiel, dass der teure und überwiegend fossile Wasserstoff zum Heizen eingesetzt werden sollte, obwohl dies laut breiter Fachmeinung nicht sinnvoll sei. (hoe)


