Die Stadtwerke im brandenburgischen Bad Belzig haben ein wichtiges Etappenziel erreicht. 2017 ist das zu 100 Prozent kommunale Unternehmen in den Stromvertrieb eingestiegen. In den ersten beiden Jahren lag die Kundenzahl im niedrigen dreistelligen Bereich, mittlerweile bewegt man sich bei rund 1500.
"Unser Ziel ist es, deutlich über 2000 Kunden zu akquirieren, bereits im laufenden Jahr wollen wir im Vertrieb schwarze Zahlen schreiben", bekräftigt Geschäftsführer Hüseyin Evelek. Das Absatzvolumen hat sich im vergangenen Jahr verzehnfacht auf zehn Mio. kWh, die Energieprodukte werden in der Heimatregion Flämingen (Brandenburg) und in Berlin vertrieben. Das Gros der Kunden bezieht Ökostrom aus zertifizierter Wasserkraft.
Tarifrechner auf der Homepage integriert
Zu den Vertriebserfolgen beigetragen hat unter anderem eine stärkere Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung. So wurde ein Tarifrechner auf der Homepage integriert. "Dadurch haben wir viele Kunden auf unsere Homepage bekommen und viele Neuabschlüsse realisieren können", erklärt Evelek. Neben dem veränderten Internetauftritt habe man auch die mediale Werbung verstärkt sowie über direkte Ansprache der B2B-Kunden auch viele Gewerbekunden hinzugewinnen können.
"Kunden legen Wert auf langfristige Preisstabilität"
"Dabei haben wir auch profitiert von der BEV-Pleite und den Strompreiserhöhungen anderer EVU. Die Kunden legen Wert auf langfristige Preisstabilität und schätzen es, wenn sie einen Ansprechpartner vor Ort haben", versichert Evelek. Aufgrund des Kundenzuwachses soll Ende April 2020 nun auch ein neues Kundencenter im Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes eröffnet werden.
Digitalisierung von Workflows
Neben organischem Wachstum setzt der Chef des kleinen Stadtwerks mit rund 22 Mitarbeitern vor allem auf Prozessverbesserungen. Es wurden insbesondere viele Prozesse im Vertrieb und im kaufmännischen Bereich analysiert und optimiert. Das Augenmerk lag dabei besonders auf der Automatisierung von Prozessen und Anwendungen. Durch die Einführung eines Dokumentenmanagementsystems wurden bereits bestimmte Workflows digitalisiert.
"Echter Kulturwandel"
Evelek hat zuvor unter anderem den Vertrieb Urbane Energiesysteme bei den Stadtwerken Stuttgart mitaufgebaut, davor war er in leitenden Positionen unter anderem bei der EnBW und Natgas tätig. Vor rund 15 Monaten hat er in Bad Belzig eine neue Führungsaufgabe angenommen.
"Es ist eine Herausforderung, ein kleines Stadtwerk zukunftsweisend aufzustellen und neue Wege zu gehen. Zum Teil wird da ein echter Kulturwandel angestoßen", verdeutlicht er. So habe er zum Beispiel die Beschaffung von Vollversorgung auf Bilanzkreis- und Portfoliomanagement umgestellt. "Wir beschaffen mittlerweile auch über den Spotmarkt. Wir müssen preislich für unsere Kunden immer attraktiv sein. Das sind Veränderungen die erst einmal für Unsicherheit sorgen", betont er. Wichtig sei es die Mitarbeiter dort abzuholen, dort wo sie sind, und mitzunehmen und zu überzeugen.
"Mut machen, neue Wege zu gehen"
"Ich will die Stadtwerke Bad Belzig modern, effizient und zukunftsweisend aufstellen. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg. Wir wollen das Interesse für Neues wecken und Mut machen, neue Wege zu gehen. Wir stehen vor energiewirtschaftliche Herausforderungen, die wir nur meistern können, wenn wir gemeinsam, lokal und mit Begeisterung dran arbeiten, insbesondere im ländlichen Raum", sagt er. Die Stadtwerke Bad Belzig sind neben dem Vertrieb zusätzlich in den Bereichen Erdgas-, Fernwärme- und Trinkwasserversorgung sowie in der Abwasserentsorgung tätig. (hoe)



