Von Artjom Maksimenko
Die Stadtwerke Bad Kissingen haben im Jahr 2022 ein Defizit in Höhe von 22,9 Mio. Euro erwirtschaftet. Die lokale Presse berichtete in diesem Zusammenhang von einem "Managementversagen". Diesen Begriff will sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke nicht zu eigen machen, stellte der Oberbürgermeister von Bad Kissingen, Dirk Vogel (SPD), auf ZfK-Nachfrage klar.
Er bestätigte allerdings, dass der Aufsichtsrat von der eingesetzten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft 2023 über Unstimmigkeiten bei den Stadtwerken beim Erwerb von CO2-Zertifikaten nach Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) informiert wurde.
Aufarbeitung der Folgen
Als Folge dieser Prüfung habe der Aufsichtsrat den Sachverhalt durch einen Generalbevollmächtigten aufarbeiten lassen. Das Ergebnis wurde im Rahmen der Jahresabschlussarbeiten bilanziell ausgewiesen. Allerdings sei der Aufsichtsrat im Rahmen der Vermögensfürsorge verpflichtet, nunmehr seine Interessen auch gerichtlich feststellen zu lassen, so Vogel weiter. Konkret heißt es: am 15. November 2024 hat die Stadt vor dem Landgericht Schweinfurt eine Zivilklage gegen den ehemaligen Geschäftsführer Manfred Zimmer eingereicht. Der Prozess wurde auf den 23. Mai terminiert.
Ungünstige Beschaffungsstrategie
Der Fehlbetrag entstand laut Vogel zum einen aufgrund der Energiekrise und einer ungünstigen Beschaffung auf dem Markt. Hier beziffert er den Verlust auf 12,9 Mio. Euro. Weitere zehn Mio. Euro wurden zur Bildung einer Drohverlustrückstellung notwendig. Das Ergebnis vom Jahr 2022 von insgesamt minus 22,9 Mio. Euro sticht im Vergleich zum darauffolgenden Jahresergebnis 2023 negativ heraus. 2023 schlossen die Stadtwerke nämlich mit einem Überschuss von fünf Mio. Euro. Auch für das Jahr 2024 gibt sich der Aufsichtsratschef optimistisch: Es wird ein positives Ergebnis in Höhe von 1,16 Mio. Euro erwartet.
Neben den juristischen Konsequenzen aus dem verlustreichen 2022 haben die Stadtwerke auch "das Management und die Organisation umstrukturiert, die Beschaffungsstrategie im Energiehandel verändert", sagte Vogel weiter. Die Beschaffung erwies sich in der Krisenzeit nämlich "als nicht ausreichend diversifiziert". Zudem würden die Stadtwerke ihr Geschäftsfeld "erneuerbare Energien" künftig verstärkt auf- und ausbauen.
"Sicher hat uns die Krise ohne Vorwarnung 2023 sehr stark beschäftigt. Wir haben aber als Gesellschafter die Ursachen mit der nötigen Transparenz nach allen Seiten aufgearbeitet und vor allem danach konsequent agiert", fasste Vogel zusammen. Mit einer neuen Mannschaft an der Spitze und einer veränderten Organisation seien die Stadtwerke in der Lage, die aktuellen Herausforderungen im Energiesektor "wesentlich besser angehen zu können". Seit Oktober 2023 agieren die Stadtwerke mit einer Doppelspitze, bestehend aus Anja Binder und Ralf Merkl.



