Von Hans-Peter Hoeren
Die kommunale Wärmeplanung bietet Stadtwerken Chancen zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Die Badenova Nezte haben deshalb bereits vor einigen Jahren einen digitalen Zwilling entwickelt. Da das Unternehmen in Dutzenden Kommunen tätig ist und dort auch die Wärmeplanung übernommen hat, bietet das deutliche Skalierungseffekte. Mit der Übernahme von 60 Prozent der Anteile am Unternehmen Smart Geomatics stärkt der Freiburger Kommunalversorger nun seine Marktposition und erschließt sich neue Wachstumspotenziale.
Durch die strategische Beteiligung baue Badenova Netze seine Kompetenzen im Bereich digitale Infrastrukturplanung und Geodatenanalyse weiter aus, heißt es in einer Pressemitteilung. Smart Geomatics mit Sitz in Karlsruhe ist auf innovative GIS-Dienstleistungen (Geoinformationssysteme) spezialisiert und unterstützt Kommunen, Planungsbüros sowie Energieversorgungsunternehmen bei der digitalen Transformationsplanung ihrer Infrastrukturprojekte.
Die digitale Energieleitplanung (DELP), eine gemeinsame Innovation von Smart Geomatics und Badenova Netze unterstütze dabei, indem sie mithilfe moderner Datenanalysen und digitaler Modelle fundierte Entscheidungsgrundlagen für die Transformationsplanung aller Energieprojekte liefere, heißt es weiter.
Erweiterung des Leistungsspektrums
"Die Digitalisierung ist ein zentraler Treiber für eine integrierte und effiziente Energienetzplanung. Mit der Expertise von Smart Geomatics erweitern wir unser Leistungsspektrum und können sowohl unseren Kommunen aber auch unseren Kolleg:innen im Assetmanagement noch besser im Transformationsprozess der Energiewende unterstützen", sagt Manuel Baur, Leiter Integrierte Infrastrukturplanung bei Badenova Netze. Baur wird darüber hinaus zukünftig als zweiter Geschäftsführer die Leitungsebene von Smart Geomatics verstärken.
"Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir vor allem Intelligenz und Kreativität – bei der Entwicklung von innovativen Ideen ebenso wie bei der Nutzung von Daten. Smart Geomatics hat bereits bei der Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung mit uns bewiesen, dass sie beides mitbringen – sowohl bei der Analyse als auch der Modellierung von Zukunftsszenarien. Deswegen bündeln wir unsere Kräfte noch stärker und erschließen gemeinsam neue Märkte", ergänzt Badenova-Vorstand Hans-Martin Hellebrand.
Gebäudescharfe Analysen, automatisierte Planung
Ein Kernelement der digitalen Energieleitplanung ist der „digitale Zwilling“, eine Abbildung des energetischen Ist-Zustands der Gebäudeenergieversorgung in einem Geoinformationssystem. Diese Technologie ermögliche gebäudescharfe Analysen, automatisierte Planung und optimierte Investitionen in den Infrastrukturausbau. Besonders in der kommunalen Wärmeplanung spiele diese Methodik eine zentrale Rolle. "Die Vernetzung von Geodaten, sozioökonomischen und Netzinfrastrukturdaten bietet enorme Potenziale, um Planungsprozesse zu optimieren und Ressourcen effizienter einzusetzen", so Baur. Die bislang gewonnenen Erkenntnisse wolle man gerne mit anderen Stadtwerken teilen und sei daher offen für Entwicklungskooperationen.
Der Algorithmus von DELP ermögliche unter anderem die vollautomatisierte Erstellung eines Wärmepumpenkatasters, die Analyse von Ladepunktpotenzialen und Einspeiseanlagen sowie die Wechselwahrscheinlichkeit von Einzelgebäuden auf zukünftige Heizungssysteme.Dies liefere Kommunen als auch Versorgern wichtige Entscheidungsgrundlagen für gezielte Netzinvestitionen und unterstütze sie bei der Umsetzung des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg. Insbesondere für kleinere Kommunen mit weniger als 5.000 Einwohnern biete DELP eine kosteneffiziente Möglichkeit zur Erstellung eines vereinfachten kommunalen Wärmeplans und dessen kontinuierlicher Weiterentwicklung.
Für den Digitalen Zwilling ist Badenova Netze vor knapp zwei Jahren mit dem ZfK-NachhaltigkeitsAWARD in der Kategorie Digitalisierung ausgezeichnet worden. Damals wurden drei kommunale Unternehmen für ihre digitalen Lösungen rund um die kommunale Wärmeplanung ausgezeichnet: Neben Badenova Netze auch die Stadtwerke Münster und EVI Hildesheim.
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