Die Vorstände Daniela Groher, Egon Leo Westphal und Albert Zettl (v.l.) setzen auch auf Sensoren und KI.

Die Vorstände Daniela Groher, Egon Leo Westphal und Albert Zettl (v.l.) setzen auch auf Sensoren und KI.

© Florian Hammerich, altrofoto/ Bayernwerk AG

Das Bayernwerk hat milliardenschwere Investitionen in den Netzausbau angekündigt. Auf diese Weise wolle die Eon-Tochter mit Sitz in Regensburg den "zunehmenden Herausforderungen der Energiewende" begegnen, teilte sie mit. Einen weiteren Fokus legt das Unternehmen auf die Mitarbeitergewinnung und -bindung.

Netzausbaupfad reicht nicht

Der bisherige Ausbaupfad der Netzinfrastruktur reiche angesichts der politischen Ziele zur Klimaneutralität nicht aus, betonte der Vorstandsvorsitzende Egon Leo Westphal und kündigte ein Wachstumsprogramm für den Ausbau der bayerischen Verteilnetze an.

Über alle Spannungsebenen hinweg sollen bis 2028 20.540 neue Leitungskilometer installiert werden. Dafür sind insgesamt 5,1 Milliarden Euro eingeplant. Außerdem setzt das Unternehmen neben dem Netzausbau auf eine "Smartifizierung" der Energienetze. In Pilotprojekten nutzt es beispielsweise künstliche Intelligenz, um den Netzbetrieb zu optimieren.

1000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Zugleich hat Bayernwerk das Personal deutlich auf jetzt mehr als 4200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgestockt. Allein in den vergangenen 18 Monaten seien 1000 Neue dazugekommen. Um dem allgemeinen Fachkräftemangel entgegenzuwirken, unterhält das Unternehmen mit der "Bayernwerk-Akademie" darüber hinaus eine eigene Nachwuchsschmiede.

Das sei nötig, um etwa die steigende Zahl dezentraler Anlagen anschließen zu können. Im ersten Quartal verzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 47.000 Anfragen aus diesem Bereich – 24 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. "Da fällt es je nach regionaler Situation oft schwer, Schritt zu halten", so Westphal weiter.

Kritik am Erneuerbaren-Ausbau

Der Vorstandsvorsitzende kritisierte zudem, dass der Erneuerbaren-Ausbau nicht an die Netze angepasst sei – nach dem Motto "Erneuerbare voran, Netze hintendran". Dies wirke sich problematisch aus. Bayernwerk fordert daher einen bayerischen Landesbedarfsplan, der dies adressiert. Ein solcher Plan stehe auf Platz eins der politischen Forderungen.

Um auch ohne einen planvolleren Erneuerbaren-Ausbau flexibel zu sein, will das Unternehmen an passenden Stellen des Netzes spezielle Einspeise-Umspannwerke installieren. An ihnen sollen Grünstromanlagen vergleichsweise einfach angeschlossen werden können – "Plug and Play".

Versorgungslücke droht

Allerdings könnte die Versorgungssicherheit im Freistaat noch zum Problem werden. In einer Studie macht Bayernwerk für das Jahr 2030 eine Lücke von 6,9 Gigawatt an gesicherter Leistung aus. Der Grund: Während zentrale Großkraftwerke in Bayern weniger einspeisen, steigt die Verbrauchlast.

Nur auf die Kraftwerksstrategie des Bundes, der neue wasserstofffähige Gaskraftwerke anreizen möchte, vertraut das Unternehmen indes nicht. Ergänzend dazu habe es ein Konzept erstellt, "um eine bayerische Leistungslücke zu vermeiden".

Vorgesehen ist im Notfall zum Beispiel, Flexibilitäten in Haushalten und Gewerbe einzubinden. "Das sind Schätze, die man nutzen sollte", meinte Westphal. Als vielversprechendes neues Geschäftsfeld bezeichnete Bayernwerk in dem Zusammenhang Batteriespeicher, die auch die Tochter Bayernwerk Natur anbietet. (dz)

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