Die hohen Strompreise setzen vielen Energieversorgern zu – und treiben offenbar so manches Unternehmen zunehmend in die Insolvenz.

Die hohen Strompreise setzen vielen Energieversorgern zu – und treiben offenbar so manches Unternehmen zunehmend in die Insolvenz.

Bild: © Dhahi Alsaeedi/Unsplash

Es sind ungewöhnliche Maßnahmen, zu denen die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜBN) in Deutschland derzeit greifen müssen. Hintergrund sind rekordhohe Strompreise in den vergangenen Wochen, die immer mehr Anbieter in Schwierigkeiten bringen.

Nach ZfK-Recherchen hat allein Tennet, größter Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland, seit Anfang September bis vergangenen Donnerstag zwei Bilanzkreisverantwortlichen die Verträge außerordentlich gekündigt. Namen nennt das Unternehmen nicht.

Vorzeichen für Insolvenz?

Übertragungsnetzbetreiber sind nach Vorgaben der Bundesnetzagentur verpflichtet, Bilanzkreisverantwortlichen den Vertrag zu kündigen, wenn diese die notwendige finanzielle Sicherheit nicht mehr nachhaltig bereitstellen. Nicht selten gehen betroffene Unternehmen dann insolvent.

In jedem Fall können sie in der Folge ihre Kunden nicht mehr mit Strom versorgen. Diese fallen in die Ersatzversorgung der örtlichen Grundversorger.

Envitra und Otima unter Betroffenen

Wie Tennet kommt auch Amprion seit Anfang September auf zwei außerordentliche Kündigungen. Diese seien am 6. und 11. Oktober wirksam geworden, heißt es. Das vor allem für den Westen des Landes zuständige Unternehmen nennt ebenfalls keine Namen.

Transnet BW, Übertragungsnetzbetreiber in Baden-Württemberg, kündigte seit Anfang September gleichfalls zwei Bilanzkreisverträge außerordentlich. Bei den Unternehmen handele es sich um die Versorger Envitra Energie und Otima Energie, heißt es.

Sachsen-Anhalt kündigt Verträge

Otima Energie hat inzwischen Insolvenz angemeldet. Auch Envitra scheint große Probleme zu haben – und das nicht nur im Stromsektor.

Dem Bundesland und Gaskunden Sachsen-Anhalt teilte das Unternehmen mit, "lieferunfähig" zu sein, wie eine Sprecherin des sächsisch-anhaltinischen Finanzministeriums erläuterte. Daraufhin kündigte das Land den Vertrag zum 12. Oktober. (Die ZfK berichtete.)

50Hertz kündigt vier Verträge

Für die ZfK war die Envitra-Geschäftsführung am Freitag nicht unmittelbar erreichbar.

Drei außerordentliche Kündigungen zählte bis Donnerstag der für Ostdeutschland zuständige Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Stand Freitag waren es vier. Bereits gekündigt wurde Otima Energie und Envitra, wie einer Bilanzkreis-Liste des Netzbetreibers zu entnehmen ist. Zudem verliert der Bilanzkreisvertrag des Münchner Mieterstrom-Anbieter Buzzn nach dem 31. Oktober seine Gültigkeit.

"Weitere Kündigungen nicht auszuschließen"

Buzzn ließ eine ZfK-Anfrage bis Freitagabend unbeantwortet und war auch telefonisch nicht erreichbar.

"Aufgrund der angespannten Preissituation können wir weitere Kündigungen nicht ausschließen, falls Unternehmen nicht mehr ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen", teilt ein 50Hertz-Sprecher der ZfK mit.

Fall Smiling Green Energy

Tatsächlich hat etwa bereits das Hamburger Stromunternehmen Smiling Green Energy mit seiner Vertriebsmarke "Natürlich Grün" einen Insolvenzantrag gestellt. In der Überblicksliste von 50Hertz (Stand Freitag, 13 Uhr) ist der Versorger aber noch als Bilanzkreisverantwortlicher mit gültigem Vertrag und ohne Laufzeitende aufgezählt. (aba)

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