Oberbürgermeister Jörg Lukat und Stadtwerke-Geschäftsführerin Elke Temme stellen in Bochum die kommunale Wärmeplanung vor.

Oberbürgermeister Jörg Lukat und Stadtwerke-Geschäftsführerin Elke Temme stellen in Bochum die kommunale Wärmeplanung vor.

Bild: @ Lutz Leitmann/Stadt Bochum

Der Bochumer Stadtrat hat am 1. Oktober den kommunalen Wärmeplan beschlossen. Die Stadt stellte die Entscheidung am 22. Oktober bei einem Pressetermin an einer Fernwärme-Baustelle in Altenbochum vor. Stadt, Stadtwerke und Wohnungswirtschaft haben den Plan gemeinsam entwickelt. Er dient als strategische Orientierungshilfe: Der Wärmeplan schreibt einzelnen Gebäuden keine bestimmte Heiztechnik vor, soll Eigentümern aber langfristige Investitionsentscheidungen erleichtern und Fehlinvestitionen vermeiden.

Verspäteter Beschluss mit mehreren Gründen

Bochum hat seinen Wärmeplan mit Verspätung beschlossen. Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern mussten ihre Wärmepläne nach dem Wärmeplanungsgesetz bis zum 30. Juni 2026 beschließen und veröffentlichen. Die nordrhein-westfälische Großstadt erfüllte die Frist damit rund drei Monate später. Wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ("WAZ") berichtete, sollte der beauftragte Dienstleister Ifok zusätzliche Aufgaben übernehmen, die über den ursprünglichen Auftrag hinausgingen.

Stadtsprecher Thomas Sprenger erklärte gegenüber der "WAZ", die "besonders intensive Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bochum, den Stadtwerken Bochum und den Bochumer Wohnungsunternehmen" habe eine "realitätsnahe Überprüfung aller Szenarien zu einem früheren Zeitpunkt als in anderen Gemeinden" ermöglicht. Dafür seien zusätzliche Daten erforderlich gewesen. Zudem verzögerten sich die parlamentarischen Beratungen infolge der NRW-Kommunalwahl im Herbst 2025.

Fernwärme in drei Gebietstypen

Strategisch unterscheidet der Wärmeplan zwei gleichwertige Versorgungsbereiche: Fernwärme-Versorgungsgebiete und dezentrale Gebiete. Innerhalb des Fernwärmebereichs gibt es Bestands-, Eignungs- und Prüfgebiete. In Bestandsgebieten sollen interessierte Gebäude nach individueller Prüfung grundsätzlich kurzfristig angeschlossen werden können. In Eignungsgebieten soll der Ausbau vorangetrieben werden, wenn genügend Nachfrage besteht. In Prüfgebieten hängt eine mögliche Erschließung unter anderem von der verfügbaren Leistung, geeigneten Leitungstrassen und dem Anschlussinteresse größerer Wärmeabnehmer ab. In den dezentralen Gebieten hält der Plan Wärmepumpen für viele Gebäude langfristig für sinnvoll. Ein Fernwärmeausbau wäre dort wegen langer Leitungstrassen, einer geringeren Wärmebedarfsdichte oder fehlender Möglichkeiten für eine lokale Wärmeerzeugung häufig nicht wirtschaftlich.

Stadtwerke bereiten Umsetzung vor

Für die Umsetzung wollen die Stadtwerke das Fernwärmenetz ausbauen und zugleich das Stromnetz auf den erwarteten Zuwachs an Wärmepumpen vorbereiten. Beide Technologien sollen dort zum Einsatz kommen, wo sie technisch und wirtschaftlich am besten geeignet sind. Als konkreten Anreiz bieten die Stadtwerke bis zum 31. Januar 2027 einen Frühstarter-Bonus von 5000 Euro für einen Fernwärmeanschluss an. Die Stadt will alle Eigentümer postalisch informieren und ab November in allen sechs Stadtbezirken Informationsveranstaltungen anbieten. Eine interaktive Wärmekarte und eine Adresssuche sollen außerdem zeigen, welcher Versorgungsbereich für ein Gebäude vorgesehen ist. Bochum will bereits 2035 klimaneutral werden; allein die Stadtwerke planen nach Angaben der ZFK Investitionen von 1,2 Milliarden Euro in die Wärmewende.

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