Die EU-Kommission steht für den "Gigabit Infrastructure Act" in der Kritik.

Die EU-Kommission steht für den "Gigabit Infrastructure Act" in der Kritik.

Bild: © Xaver Klaussner/stock.adobe.com

Von Hans-Peter Hoeren

Wegen "fehlerhaften Beschaffungsentscheidungen sowie ausgelagerte Dienstleistungen" schreiben die Stadtwerke Aalen in Baden-Württemberg voraussichtlich tiefrote Zahlen. In einer Pressemitteilung der Stadt ist die Rede von "gravierenden Management-Fehlern". In Summe drohe ein Defizit von 25 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2024.

Derart groß soll die Schieflage sein, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung am vergangenen Montag einstimmig beschlossen hat, dem Tochterunternehmen in der Rechtsform einer GmbH beizustehen und es finanziell zu unterstützen. In der Sitzung wurde auch das Jahresergebnis für 2023 festgestellt: Es ist ein Minus von 1,47 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr wird mit einem Defizit gerechnet.

Laut Darstellung der am Rande der Schwäbischen Alb gelegenen Stadt soll der Stadtwerke-Aufsichtsrat erst Mitte März dieses Jahres erstmals von dem voraussichtlichen Defizit im vergangenen Geschäftsjahr erfahren haben. Unstimmigkeiten zwischen Wirtschafts- und Liquditätsplanung sollen bereits im Herbst vergangenen Jahres im Aufsichtsrat zu Tage gekommen sein. Daraufhin hatte der im September 2024 neu gewählte Oberbürgermeister Frederick Brütting ein externes Wirtschaftsprüfungsunternehmen mit einer Prüfung beauftragt. 

Ex-Geschäftsführer klagt gegen fristlose Kündigung

Die Stadtwerke Aalen werden seit Ende vergangenen Jahres von Michael Schäfer geführt, nachdem  der Kommunalversorger im Dezember 2024 seinen Vorgänger Christoph Trautmann freigestellt hatte. Trautmann wollte sich zu den Vorwürfen gegenüber der ZfK nicht äußern und verwies auf den laufenden Rechtsstreit vor dem Gericht in Ellwangen. Der Manager hat gegen seine fristlose Kündigung geklagt. Der Streitwert soll laut SWR bei rund 800.000 Euro liegen.

Trautmann soll laut Darstellung der Stadt bei seinen Berichten im Aufsichtsrat im September und November November 2023 ein positives Jahresergebnis für das Geschäftsjahr 2023 sowie im Wirtschaftsplan für das Jahr 2024 eine Gewinnprognose in Millionenhöhe avisiert haben.

Doch in den Aufsichtsratssitzungen im März und Juni 2024 habe noch kein Jahresabschluss 2023 vorgelegt werden können, heißt es weiter. Auch in der der Aufsichtsratssitzung im Juni 2024 sei seitens der Geschäftsführung für das laufende Geschäftsjahr ein Gewinn in Aussicht gestellt worden.

Wirtschaftsplan und tatsächliche Ertragssituation klafften auseinander

Noch im November 2024 hätten der damalige Geschäftsführer und der damalige kaufmännische Leiter einen Gewinn für das laufende Geschäftsjahr 2024 vorausgesagt. Der Aufsichtsrat habe in der Sitzung am 20. November 2024 jedoch festgestellt, dass der vom Geschäftsführer vorgelegte Wirtschaftsplan und die tatsächliche Ertragssituation im Jahr 2024 nicht übereinstimmten. Der Aufsichtsrat habe daraufhin eine unverzügliche und vollumfängliche Aufklärung eingeleitet.

Zwei Tage später habe die Stadt Aalen erfahren, dass das Geschäftsjahr 2023 entgegen der ursprünglichen Annahmen, Prognosen und Berichte des Geschäftsführers mit Verlust abschließen wird. Der Geschäftsführer habe die Unterzeichnung des Jahresabschlusses 2023 abgelehnt.

Stadt prüft Schadenersatzansprüche

Die Genauigkeit, die Detailtiefe und die Deutlichkeit der Schuldzuweisungen in der Mitteilung der Stadt Aalen überraschen, in der Regel fallen Verlautbarungen kommunaler Unternehmen in so einem Kontext deutlich knapper aus und beschränken sich auf das absolut Notwendige. Eine Erklärung für ungewöhnlich ausführliche Mitteilung dürften die laufenden Rechtsstreitigkeiten sein. Die Stadt Aalen und die Stadtwerke prüfen nach eigenen Angaben derzeit mit anwaltlicher Unterstützung mögliche Schadensersatzansprüche oder gegebenenfalls auch weitere rechtliche Konsequenzen.

Unabhängig davon werde eine noch engere Begleitung des Controllings und der Betriebsabläufe des städtischen Tochterunternehmens auf den Weg gebracht. 

Aalen sichert finanzielle Unterstützung zu

"Die Stadtwerke Aalen stehen vor großen Herausforderungen. Deshalb wird die Stadt Aalen als Gesellschafterin ihrem hundertprozentigen Tochterunternehmen beistehen und es finanziell unterstützen“, heißt es weiter. Die Geschäftsführung der Stadtwerke wurde mit der Ausarbeitung eines Konzepts zur Sicherstellung eines nachhaltigen und wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs beauftragt. Die Stadtwerke Aalen würden als kommunales Unternehmen der Stadt Aalen erhalten bleiben.

"Wir haben bereits zahlreiche Maßnahmen umgestellt und werden sukzessive ausgelagerte Dienstleistungen wieder zurückholen. Verbesserter Kundenservice und zügige und verlässliche Abrechnungen, das muss so schnell wie möglich funktionieren“, wird der neue Stadtwerkegeschäftsführer Michael Schäfer zitiert.  Die geplante Wiedereröffnung des KIZ, des Kundeninformationszentrums der Stadtwerke, mitten in der Stadt, sei dafür ein ganz wichtiger Schritt.

Neues Bad kostet 20 Millionen Euro mehr als kalkuliert

Auch das neue Hirschbachbad soll zügig fertiggestellt werden. Die ursprüngliche Baukostenschätzung in Höhe von 44,4 Millionen Euro aus dem Jahr 2021 konnte aufgrund der Preissteigerungen im Bausektor laut der Stadt nicht eingehalten werden. Nach eingehender Analyse geht man aktuell von finalen Baukosten in Höhe von 65,7 Millionen Euro aus. 

Neben dem Kerngeschäft der Energie- und Wasserversorgung betreiben die Stadtwerke seit 1996 die Aalener Bäder, ein Jahr später folgte die Übernahme der Parkhäuser von der Stadt. Seit 2001 wird das Unternehmen als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Aalen geführt. 

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