Die Stadtwerke Radolfzell verzeichnen seit Beginn der Coronakrise eine stärkere Nachfrage nach Breitbanddienstleistungen. „Privathaushalte fragen leistungsstärkere Internetverbindungen nach“, sagt Geschäftsführer Andreas Reinhardt. Treiber seien hier sowohl Themen wie Home Office als auch Home Schooling. „Das Thema Digitalisierung erfährt durch Corona noch mal einen zusätzlichen Schub für die Gesellschaft, aber auch für uns als Breitbandanbieter.“
Der Kommunalversorger habe im vorgelagerten Netz weitere Bandbreiten hinzukaufen müssen, weil die Nachfrage deutlich gestiegen sei, so Reinhardt. Die Nutzungszeiten und die Spitzen hätten sich deutlich verlagert und lägen jetzt tagsüber oder mittags. Gleichzeitig nehme man wahr, dass viele Kunden ihre Produkte erweiterten auf eine Leistungsfähigkeit von 50 Mbit pro Sekunde.
Gewerbliche Nutzer gehen auf höhere Bandbreiten
Die Einstiegsvariante liege bei 30 Mbit pro Sekunde. Gewerbliche Nutzer gingen sowohl im Up- als auch im Download auf Bandbreiten größer als 100 Mbit. „Das führt zu einer erhöhten Wirtschaftlichkeit unseres Angebots“, sagt Reinhardt. Die Stadtwerke Radolfzell sind auch Internetprovider. Im Vergleich zu großen Telekommunikationsanbietern punkte man mit den garantierten Bandbreiten und einer agilen Kundenberatung vor Ort, gerade Industrieunternehmen schätzten die individuellen Lösungen, heißt es. Zum Angebotsportfolio gehören neben Internet- und Telefonanschluss auch IP-TV und Kabelfernsehen.
Die Stadtwerke Radolfzell sind seit 2012 im Glasfaserausbau aktiv und haben seitdem über 1800 Haushalte und Gewerbetreibende an das Netz angeschlossen.
Corona hinterlässt Spuren beim Stadtbus
Allgemein ist der mehrheitlich kommunale Versorger, an dem die Stadt 51 Prozent der Anteile und die Thüga AG die restlichen 49 Prozent halten, laut Geschäftsführer Reinhardt bisher vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen. Am stärksten haben die Kontaktbeschränkungen in den ersten Monaten beim Stadtbusbetrieb Spuren hinterlassen, hier liege die Auslastung mittlerweile aber wieder bei 80 Prozent.
Beim Strom- und Gasvertrieb hat das Unternehmen entgegen dem Branchentrend tendenziell hingegen sogar zulegen können. Hier habe man von der Kundenstruktur profitiert. „Wir haben keine Automobilzulieferer im Portfolio, dafür aber Betriebe aus der Lebensmittel- und Pharmabranche, deren Stromverbrauch eher noch zugelegt hat“, sagt Reinhardt. Forderungsausfälle hätten die Stadtwerke bisher kaum verzeichnet. Man müsse nun aber abwarten wie sich die deutschlandweit erwartete Insolvenzwelle auf die Region auswirke.
Nachbesserungsbedarf sieht der Radolfzeller Stadtwerkechef in Folge der Coronakrise künftig bei der Ausgestaltung der Energielieferverträge. Aufgrund des Lockdowns und des wirtschaftlichen Abschwungs hätten zahlreiche Gewerbe- und Industriekunden die bei ihren Energieversorgern georderten Strommengen nicht abgenommen. Viele Stadtwerke mussten die Mengen deshalb mit Verlust am Strommarkt verkaufen.
Neubewertung der Lieferverträge
„Ich gehe davon aus, dass man in Sachen Risikoverteilung den Kunden künftig ein Stück weit mehr mit ins Boot holen wird und sich entsprechende Abnahmeverpflichtungen noch Mal sehr viel stärker ausprägen werden als in den jetzigen Lieferverträgen“, sagt er. Unter dem Aspekt der „pandemiebedingten Ausfallrisiken müssen wir unsere Verträge neu bewerten“. Hier müsse man überlegen, mit welchen Sicherungsinstrumenten man im Vertrag arbeite, wenn der Kunde ausfalle oder nur einen Teil der vereinbarten Mengen nehme. Denkbar sei auch, dass man gegenüber den eigenen Lieferanten mit gewissen Ranges arbeite, bevor man zu einer Abnahmeverpflichtung herangezogen werde. (hoe)
--------------------------------------------
Ein ausführliches Unternehmensporträt der Stadtwerke Radolfzell und ihrer Aktivitäten rund um den Klimaschutz, innovative Wärme und Post-EEG-Anlagen lesen Sie in der Oktoberausgabe der ZfK, die am Montag dieser Woche erschienen ist.



