Von Artjom Maksimenko
Nach den turbulenten Krisenjahren auf den Energiemärkten ist die Bremer SWB AG 2024 in ruhigen Gewässern angekommen. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg von 126,7 Millionen auf 150,5 Millionen Euro. Für die positive Entwicklung sorgten laut SWB der Betrieb des letzten Kohleblocks bis April sowie die Netzeffekte.
Das Konzern-Jahresergebnis belief sich am 31. Dezember 2024 auf 128,3 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahr (2023: 152,6 Mio. Euro) einen Rückgang bedeutet. Dies führte der Versorger hauptsächlich auf die Stichtagsbewertung langfristig getätigter Energiehandelsgeschäfte nach den gültigen Rechnungslegungs- und Berichtsvorschriften (IFRS 9) zurück, hieß es dazu aus Bremen.
Weniger Investitionen als im Vorjahr
Mit einem Investitionsvolumen von 186,6 Millionen Euro hat der Versorger auch 2024 massiv in die Netzinfrastruktur investiert. Trotzdem bedeutet dieser Wert einen Rückgang der Investitionen um rund 14 Millionen Euro. (2023: 200,1 Mio. Euro). Insgesamt bleibe das Investitionsniveau hoch, betonte Karsten Schneiker, Technikvorstand bei SWB. Allein in den Ausbau- und Neubau von Umspannwerken sollen in den nächsten fünf bis acht Jahren rund 500 Millionen Euro fließen.
Dieses Investment sei dringend notwendig und bis zu ihrer Fertigstellung 2029 würden die "in großer Zahl beantragten Großverbraucher" wie Batteriespeicher und Rechenzentren vorübergehend nur einen bedingten Anschluss erhalten. Das Thema sei nicht regional, sondern bundesweit verortet, hieß es dazu auf ZfK-Nachfrage. "Bundesweit gibt es Anfragen an Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber zum Anschluss von Batteriespeicherlösungen mit einem Leistungsbedarf von mehr als 200 Gigawatt und Experten sind sich einig, dass die meisten dieser beantragten Großverbraucher niemals errichtet werden", erläuterte Karsten Schneiker, Vorstandssprecher und Vorstand Technik bei SWB.
Stromnetze würden auf Basis von Lastflussanalysen und anhand von Netzentwicklungsplänen langfristig geplant und bedarfsgerecht ausgebaut. Anfragen zum Anschluss von Batteriespeichern würden jedoch oft sehr kurzfristig beschieden, was die Prüfung derartiger Anliegen in Zeiten von Fachkräftemangel und begrenzter Materialverfügbarkeiten zusätzlich erschwere, sagte Schneiker weiter.
Die Vergabe von elektrischer Leistung erfolgt aktuell nach der Reihenfolge der Antragsstellung beim zuständigen Netzbetreiber. Solange die Vergabe so erfolgt und der Planungsstand der Projekte nicht beachtet werden kann, blockiert jede Zusage für Anfragen, die möglicherweise nie gebaut werden, Leistungskapazitäten für ausgereifte und tatsächlich in die Realisierung gehende Projekte.
Antragsgebühren als Lösungsansatz
Netzbetreiber arbeiten zurzeit an verschiedenen Optionen, beispielsweise der Erhebung von Antragsgebühren oder dem Verfall von zugesagter Leistung für den Fall, dass kein Baufortschritt für das geplante Vorhaben nachgewiesen wird, sagte Schneiker weiter. Eine weitere Möglichkeit sei die Partierung der zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Wesernetz, die Netzgesellschaft von SWB, beschäftige sich aktuell auch mit diesen Themen und ist dazu mit anderen Netzbetreibern und der Bundesnetzagentur im Austausch.
Block 15 liefert positiven Beitrag
Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich der Bremer Versorger konsequent aus der Kohleverstromung zurückgezogen: Block 5 ist 2016 vom Netz gegangen, 2021 Block 6. Im April 2024 ist Block 15 des Kohlekraftwerks am Standort Hastedt vom Netz gegangen. Die Stilllegung war bereits fest geplant, die Umsetzung hatte sich wegen der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise bis zum 30. April 2024 verzögert.
"Die Situation ergab für SWB 2024 einen positiven Ergebnisbeitrag." Ebenso eingeplant seien kompensierende Einnahmen, insbesondere über den verstärkten Wärme- und Stromnetzausbau, sagte SWB-Finanzvorstand, Gunnar Geise, auf ZfK-Nachfrage weiter. Für 2025 erwartet SWB "bei entsprechend deutlich abgesenktem CO2-Ausstoß" ein operatives Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres.
"CCS wird nicht nur als eine Übergangstechnologie eingestuft." Karsten Schneiker, SBW-Vorstandssprecher
CCS-Vorhaben im Bremer Hafen
In den kommenden zehn Jahren sollen rund drei Milliarden Euro in das Energiesystem im Land Bremen fließen – vorrangig in Wärme- und Stromnetze. Denn nicht nur im Stromsystem, auch bei der Dekarbonisierung der Wärmeproduktion steht der Versorger vor Mammutaufgaben. Zur Dekarbonisierung unvermeidbarer Emissionen plant der Versorger ein CCS-Projekt am Mittelkalorik-Kraftwerk im Bremer Hafen. Es soll als erstes seiner Art in Deutschland CO2 aus thermischer Abfallbehandlung abtrennen und speichern. Voraussetzung für die Umsetzung sei eine entsprechende öffentliche Förderung. Damit positionieren sich SWB als Vorreiter bei klimaneutralen Lösungen in der kommunalen Abfall- und Energieversorgung.
Das Unternehmen gehe davon aus, dass trotz aller Recycling-Bemühungen auch zukünftig die thermische Abfallverwertung erforderlich sein wird. Um in dieser Technologie zu 100 Prozent klimaneutral zu werden, gebe es keinen anderen Weg, als das CO2 der beiden thermischen Abfallbehandlungsanlagen abzuscheiden, abzutransportieren und anderenorts sicher einzulagern. Daher sei die "Carbon Capture and Storage"-Technologie Teil der strategischen Überlegungen, "und wird nicht nur als eine Übergangstechnologie eingestuft". Die Umsetzung hänge aber maßgeblich an der "Carbon-Management-Strategie" der Bundesregierung, Fördermitteln und den zukünftigen CO2-Preisen, hieß es dazu aus Bremen weiter.



