Anfang kommenden Jahres ist es soweit: Die Dresdner Regionalversorger Enso und Drewag verschmelzen zur SachsenEnergie AG. Mit knapp 3400 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 2,8 Mrd. Euro entsteht das größte kommunale Energieunternehmen Ostdeutschlands. Zahlreiche Gremien und Stadträte müssen dem Vorhaben bis zum Jahresende noch zustimmen. Geleitet wird die SachsenEnergie künftig vom aktuellen Enso- und Drewagchef Frank Brinkmann.
Herr Brinkmann, Enso und Drewag fusionieren zur SachsenEnergie. Diese wird ab kommendem Jahr 169 Städten und Kommunen gehören. In der Vergangenheit haben Sie mit Blick darauf im Zusammenhang mit den Fusionsverhandlungen immer wieder von einer großen kommunikativen Herausforderung gesprochen. Wo lagen in diesem Jahr noch die größten Hürden?
Brinkmann: Diese Gespräche laufen in Ostsachsen auch nicht so viel anders als anderswo in Deutschland. Wenn man mit einem Dresdner Selbstbewusstsein erklärt, wie es in Bautzen oder Meissen zu laufen hat, dann funktioniert es nicht. Deshalb haben wir in unserer Satzung einen sogenannten Gleichbehandlungsgrundsatz aufgestellt.
Und was besagt dieser genau?
Dieser ist wie eine Art Präambel und legt fest, dass die Infrastrukturentwicklung in allen Gebieten, die wir versorgen, natürlich nach wirtschaftlichen Kriterien, aber gleichberechtigt verläuft. Das ist ein ganz zentraler Grundsatz auch für die Akzeptanz dieser Fusion.
Es darf nicht das Gefühl entstehen, das Umland lässt man zurück und für die Landeshauptstadt macht man alles. Dieser Grundsatz ist ein Stück weit ein Novum, den ich auch für andere Regionen für nicht ganz falsch halte. Im Grundgesetz ist die Schaffung gleicher Lebensverhältnisse und Grundstrukturen verankert.
Wie wird die Einhaltung dieses Gleichbehandlungsgrundsatzes regelmäßig überprüft?
Die Einhaltung dieses Grundsatzes wird in den jährlichen Konsortialgesprächen mit den Gesellschaftern auf den Prüfstand gestellt. Um ein Verständnis über die Gesellschafterebene hinweg zu schaffen, haben wir zudem zusätzlich Gebietsräte geschaffen. In diesen sind die Bürgermeister der jeweiligen Landkreise vertreten.
Auch hier soll einmal im Jahr ein Treffen stattfinden, dort werden wir grundsätzlich über unsere Aktivitäten und Vorhaben berichten.
Die SachsenEnergie wird in den nächsten zehn Jahren rund zwei Mrd. Euro investieren. Wie spiegelt sich dieser Gleichbehandlungsgrundsatz bei den Investitionsvorhaben wider?
Wir brechen das jetzt nicht runter auf einzelne Gemeinden. Das wäre zu stark operationalisiert, dann haben sie kein unternehmerisches Handeln mehr. Es geht um Infrastruktur und Versorgungsstandards, die für alle Gebiete ein gleiches Niveau für Bevölkerung und örtliche Wirtschaft bereitstellen sollen.
Unser Versorgungsgebiet von der Ost- zur Westgrenze umfasst locker 150 Kilometer. Hier geht es unter anderem um gleiche Erreichbarkeit und gleiche Stromausfallquoten.
Wo sehen Sie künftig Wachstumspotenzial für die SachsenEnergie?
Vor allem im Bereich Erzeugung und Wärme, beim Breitbandausbau, aber auch beim Ausbau der Wasserinfrastruktur. Wir wollen der Plan B für die Braunkohle in Sachsen sein und der ist deutlich dezentraler als heute. Dabei setzen wir auch verstärkt auf neue Kapazitäten an gesicherter Leistung in Form von größeren BHKWs wie bei den aktuellen Vorhaben in Bautzen oder Reick.
Natürlich werden wir auch unser Portfolio der erneuerbaren Energien ausbauen. In diesem Zuge werden wir auch die Netzinfrastruktur für die Energiewende verstärken. Das wird für Windparks, aber auch für Neukunden immer wichtiger. Auch bei der Direktvermarktung von Erneuerbaren sind wir mittlerweile einer der Größeren vor Ort. Fast 500 EE-Anlagen mit einer Stromeinspeisemenge von über einer Terawattstunde werden derzeit durch uns vermarktet.
Und wie sehen die Ausbaupläne im Bereich Breitband und Wasser konkret aus?
Im Glasfaserbereich läuft ein großes Investitionsprogramm. Bis zu 50 Mio. Euro investieren wir pro Jahr in den Ausbau der Breitbandinfrastruktur. Auch wenn wir hier ein Spätstarter sind, wollen wir ein relevanter Marktteilnehmer in unserem Gebiet werden. In unserem Gebiet sind wir nach der Telekom der größte Anbieter.
Im Wasserbereich bemerken wir einen Nachfragezuwachs, vor allem in Dresden, dem wir durch ein neues Brauchwassersystem für die Industrie begegnen wollen. Zusätzlich soll zur Versorgungssicherung in Dürrezeiten für Ostsachsen ein Fernwasserversorgungssystem aufgebaut werden, um die über 40 Zweckverbände anzubinden.
(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)
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Einen ausführlichen Bericht über die Details der geplanten Fusion von Enso und Drewag lesen Sie in der Novemberausgabe der ZfK. Diese ist heute erschienen.



