Seit dem Einbruch der CO2-Preise am 18. März auf zwischenzeitlich 15,30 Euro pro t hat eine regelrechte Rallye stattgefunden. Der CO2-Preis übersprang am Montag vergangener Woche kurzzeitig die 30-Euro-Marke und lag damit so hoch wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Der Höchststand war nur von kurzer Dauer, der Schlusskurs am Montag lag bei 29,25 Euro pro t, am Donnerstag notierte er mit 26,52 Euro pro t nochmals deutlich darunter.
"Kohlekraftwerke aktuell sehr unrentabel"
"Aus fundamentaler Sicht befindet sich der Clean-Dark-Spread immer noch im stark negativen Bereich, folglich ist die Bewirtschaftung von Kohlekraftwerke aktuell sehr unrentabel", heißt es in einer Analyse der Energiehandelsabteilung der Stadtwerkegruppe Heidenheim (Stadtwerke AG). Darüber hinaus sei die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten durch den Lockdown und dem damit verbundenen Rückgang der wirtschaftlichen Leistung eingebrochen. In den CO2-Auktionen übersteige weiterhin das Angebot die Nachfrage.
Schifffahrts-Emissionen sollen in Handel aufgenommen werden
"Zusammenfassend implizieren die fundamentalen Kriterien weitestgehend bearishe Signale", heißt es. Aktuell werde im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft diskutiert, ob eine Anhebung der CO2-Minderung von bisher 40 auf 55 Prozent bis 2030 beschlossen werden sollte, so die Analysten weiter. Zusätzlich wolle der Umweltausschuss des EU-Parlaments durchsetzen, dass die Emissionen der Schifffahrt ab 2021 in den Emissionshandel mit aufgenommen werden sollen. Ziel der Maßnahmen sei ein Anstieg der Nachfrage und damit eine preistreibende Wirkung.
Warum in den kommenden Jahren Zertifikate fehlen könnten
Durch die Market Stability Reserve besteht die Möglichkeit überschüssige Zertifikate vom Markt zu nehmen und damit das Marktgleichgewicht, auch in einer Krisensituation, aufrecht zu erhalten. "Es besteht das Risiko, dass die vom Markt genommenen Zertifikate, bei einem Hochfahren der Wirtschaft, in den kommenden Jahren fehlen könnten", prognostizieren die Handelsexperten der Stadtwerke AG.
"Weiterhin schwacher Markt"
Der CO2-Markt sei in diesen turbulenten Zeiten starken Schwankungen unterworfen. Die fundamentalen Daten zeigten einen weiterhin schwachen Markt. Dennoch seien das Sentiment und die Bewegungen der finanziellen Märkte die treibenden Kräfte für die bullishe Entwicklung des CO2-Preises. (hoe)

