Wird im Juni BDEW-Präsidentin: Entega-Chefin Marie-Luise Wolff.

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Bild: © Entega

Was ist eigentlich noch das Kerngeschäft von Stadtwerken? Für Sebastian Jurczyk, Geschäftsführer der Stadtwerke Münster, ist die Sache klar. Für ihn gehört neben Netzen, Erzeugung und erneuerbaren Energien nach wie vor auch der Vertrieb dazu, der mit hohen Marktanteilen noch immer stabil dastehe, wie er auf der diesjährigen Handelsblatt-Tagung Stadtwerke 2021 sagte.

Und wie steht es um die Zukunftsfähigkeit dieser Geschäftsfelder? Da sieht Jurczyk eine große Herausforderung auf Kommunalunternehmen zukommen. "Wir müssen dieses Kerngeschäft in die Klimaneutralität und Digitalisierung überführen. In der nächsten Dekade wird sich zeigen, wer das erfolgreich geschafft hat."

Druck durch Eon und digitale Player

Skeptisch ist Jurczyk langfristig vor allem beim Geschäftsfeld Vertrieb. Seit Jahren verlieren Grundversorger an Anteilen, machen Energieriesen wie Eon, digitale Player wie Octopus und Tibber und Discounteranbieter mit Tiefpreisen Druck.

Und doch scheint der Stadtwerke-Chef in der Corona-Krise mehr Hoffnung geschöpft zu haben. "[Die Pandemie] hat den Bürgern und Bürgerinnen gezeigt, dass sie sich gerade in schwierigen Zeiten auf ihr Kommunalunternehmen verlassen können, dass dann auch weiterhin die Wohnung warm und hell ist, Termine vor Ort möglich sind", sagte er.

"Großer Geldbedarf nötig"

Nie seit Beginn der Messung seien die Zufriedenheitswerte für die Stadtwerke Münster bei Kunden und Nichtkunden so hoch gewesen wie während der Krise, führte der Geschäftsführer aus. "Das gilt sowohl bei der Energie als auch beim ÖPNV." Zudem seien die Abflussquoten von Kunden um "quasi ein Drittel" zurückgegangen.

Darauf ausruhen will sich Jurczyk nicht. Jetzt gehe es darum, das Geschäft der Zukunft in den Blick zu nehmen. Heißt: Glasfaser in den Boden bringen, ÖPNV elektrifizieren, Wärmewende vorantreiben, Photovoltaik ausbauen. "Dafür wird ein großer Geldbedarf nötig sein", sagte er. "Wir [bei den Stadtwerken Münster] werden in der nächsten Dekade unsere Bilanzsumme verdoppelt haben, wenn wir alles richtig gemacht haben."

Mehr Möglichkeiten für Mitarbeiter

Dabei dürften nicht nur Investitionen entscheidend sein, sondern auch neue, qualifizierte Mitarbeiter. Eine große Herausforderung, wie Jurczyk sagt.

Im strategischen Netzplanungsbereich etwa seien Stellen mittlerweile deutlich länger ausgeschrieben als gewohnt. Da gehe es darum, Stadtwerke moderner zu machen, stärker Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Home Office zu ermöglichen.

"Bin froh, beim Stadtwerk zu sein"

"Da müssen wir frischer und dynamischer werden", ermunterte er. "Dann wird auch der bürokratisch eingestaubte Touch von Stadtwerken weggehen."

Allerdings habe auch hier die Corona-Krise so manchen Vorteil des Arbeitgebers Kommunalunternehmen gezeigt. "Gerade viele der jüngeren Mitarbeiter haben gesagt: Ich bin richtig froh, beim Stadtwerk zu sein", referierte Jurczyk. "Denn sie wissen: Sie sind nicht in Kurzarbeit gekommen. Da haben Kommilitonen von früher nun ganz andere Probleme." (ab)

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