Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Osnabrück.

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Osnabrück.

Bild: © Stadtwerke Osnabrück

Massive Einbußen im ÖPNV- und im Bäderbereich sowie Rückgänge im Energievertrieb im Zuge der Coronakrise haben im Jahresabschluss der Stadtwerke Osnabrück (SWO) deutliche Spuren hinterlassen. Dank ÖPNV-Rettungsschirm und Einmaleffekten aus Grundstücksverkäufen am Hafen hat der Kommunalkonzern den Jahresüberschuss im Geschäftsjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr aber annähernd konstant bei 3,3 Mio. Euro (2019: 3,15 Mio.) halten können.

Der Umsatz ging auf 425,7 Mio. Euro zurück (2019: 454,4 Mio.). „Wir sind mit dem berühmten ‚blauen Auge‘ davon gekommen“, betonte der Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung.

Planzahlen wurden deutlich unterschritten

Dennoch machten die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie insbesondere kommunalen Stadtwerken mit einem breit gefächerten Daseinsvorsorge-Angebot enorm zu schaffen, so Griesert. Dies verdeutliche der Blick auf die deutlich unterschrittenen Planzahlen sowie auf das Jahresergebnis der gesamten Stadtwerke-Gruppe, das lediglich einen Überschuss von einer Million Euro aufweise. Aus dem Gewinn fließen drei Mio. Euro an die Stadt.

Belastet wurde das Ergebnis auch durch die Beteiligung in Höhe von 5,28 Prozent am Steinkohlekraftwerk in Lünen, hier bestehen jährliche Strombezugsverpflichtungen in Höhe von 9,3 Mio. Euro. Die wirtschaftlichen Risiken und das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz wurden laut einem SWO-Sprecher bereits im Geschäftsjahr 2019 vollständig in der Bilanz der Stadtwerke Osnabrück berücksichtigt.

Die Drohverlustrückstellungen der SWO waren 2019 um 15 Mio. Euro erhöht worden, die Position „Drohende Verluste aus schwebenden Geschäften“ weist aktuell einen Betrag von 56,83 Mio. Euro (2019: 53,9 Mio.) aus.

Besucherzahlen im Bereich Bäder und Freizeit mehr als halbiert

Am stärksten hat Corona die SWO im vergangenen Jahr aber in klassischen Sparten der Daseinsvorsorge getroffen. Im Bereich Bäder und Freizeit sind die Besucherzahlen auf rund 540.000 ein, das entspricht einem Rückgang von 59 Prozent.

Noch dramatischer war die Situation im Geschäftsfeld Mobilität. Hier hat sich die Zahl der Fahrgäste im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert auf 17,4 Mio. Laut Geschäftsbericht gingen die Tarifeinnahmen im Stadtverkehr um 15,3 Prozent zurück, die größten Rückgang gab es bei dem sogenannten Gelegenheitsverkehr.

Auf die Planabweichung hat das Unternehmen im ÖPNV mit einem umfangreichen Kostenoptimierungsprogramm reagiert, auch erste Rücknahmen von Leistungen sind offenbar kein Tabu mehr.

Gassparte: Verlust größerer Industriekunden

Spuren hinterlassen hat die Coronapandemie auch im Stromvertrieb, rückläufig war hier insbesondere das Geschäft mit den Sondervertragskunden, vor allem aus der Industrie. Der Stromabsatz ging auf 872 Mio. kWh (2019: 917 Mio. kWh) zurück. Der deutlich niedrigere Gasabsatz in Höhe von 2,95 Mrd. kWh (2019: 3,56 Mrd.) wird im Geschäftsbericht vor allem mit dem Verlust einiger größerer Industriekunden an Wettbewerber begründet.

Der zweite Teil der Jahresbilanz der SWO stand im Zeichen der Nachhaltigkeit. Als Leuchttürme nachhaltigen Handelns hob SWO-Vorstand Stephan Rolfes unter anderem so gut wie abgeschlossenen Bau des Containerterminals für den Güterumschlag auf die Schiene sowie der bevorstehende Abschluss der Umstellung aller fünf MetroBus-Achsen auf E-Betrieb hervor.

Umstellung der Privatkunden auf Regionalstrom

Sein Vorstandskollege Christoph Hüls stellte die zum Jahresbeginn erfolgte Umstellung aller Osnabrücker Privatkunden auf grünen Regionalstrom heraus. „Mit dieser Maßnahme zählen wir bundesweit sicherlich zu den Vorreitern – und weiten das Regionalstrom-Engagement schon bald auf unsere Landkreis-Kunden aus.“

Verhaltener Ausblick

Für das laufende Jahr erwarten die SWO – vorausgesetzt die Beeinträchtigungen durch die Coronapandemie werden abgemildert – einen nur geringfügig niedrigeren Umsatz als 2020. Beim Jahresüberschuss wird von einer Verringerung auf 1,0 Mio. Euro ausgegangen.

Nennenswerte Ergebnisbelastungen sind in der für das Geschäftsjahr 2021 erstellten Wirtschaftsplanung insbesondere für den Bäder- und Freizeitbereich in Höhe von im Vergleich zu einem „Normaljahr“ zusätzlich circa 3,0 - 4,0 Mio. Euro und im Geschäftsfeld Mobilität und Parken in einer Größenordnung von 4,2 Mio. Euro angesetzt. Dabei werde gleichzeitig unterstellt, dass  diese Belastungen auch im Geschäftsjahr 2021 durch Ausgleichszahlungen der öffentlichen Hand kompensiert werden, heißt es.  (hoe)

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