Die Kleine Meerjungfrau an Kopenhagens Uferpromenade. Im Hintergrund ein Kraftwerk für Fernwärme.

Die Kleine Meerjungfrau an Kopenhagens Uferpromenade. Im Hintergrund ein Kraftwerk für Fernwärme.

© Nancy Pauwels - stock.adobe.com

Schon bald müssen Kommunen in Deutschland Wärmepläne vorlegen. Mit dem Fokus auf erneuerbare Energien und – unvermeidbarer – Abwärme. Die Wärmeversorgung soll klimafreundlicher werden und zugleich bezahlbar bleiben. Nordrhein-Westfalen (NRW) hat als Industrieland besondere Herausforderungen zu meistern. Dänemarks Erfahrungen können da Impulse geben. Das Land gilt als Vorreiter in Europa und unterhält eine Energiepartnerschaft mit Deutschland.

53 Prozent Fernwärme

Christian Bjerrum Jørgensen, Botschaftsrat in der Königlich Dänischen Botschaft in Berlin, sagte auf ZfK-Anfrage, die deutsch-dänische Energiepartnerschaft diene insbesondere dem Erfahrungsaustausch. Sein Land heizt bereits überwiegend mit nicht-fossilen Energieträgern. Und mehr als die Hälfte der erzeugten Wärme (53 %) ist Fernwärme. Diese wird zu drei Vierteln aus erneuerbaren Energien wie Biomasse erzeugt. Zwei Drittel aller Haushalte sind an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Weitere 29 Prozent der Wärmeerzeugung basierem auf erneuerbaren Energien wie Solarthermieanlagen und Wärmepumpen; 15 Prozent werden fossil erzeugt, drei Prozent mit Strom. Bis 2030, betont Jørgensen, möchte Dänemark seine Gas- und Stromversorgung vollständig auf Erneuerbare umstellen. Weltweit bestehen 24 solcher Energiepartnerschaften. "Wir haben gemeinsame Klimaziele und können sie nur erreichen, wenn wir zusammenarbeiten", unterstreicht der Botschaftsrat.

"Die Dänen haben Erfahrungen seit den 70er-Jahren"

Die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz "NRW.Energy4Climate" organisiert zusammen mit dem Dänischen Fernwärmeverband (DBDH) regelmäßig Fachreisen in das Nachbarland. NRW.Energy4Climate-Geschäftsführer Christian Mildenberger sieht darin einen "Booster für die Energie- und Wärmewende" für Nordrhein-Westfalen. "Die Dänen haben Erfahrungen seit den 70er-Jahren und vieles optimiert. Davon können wir profitieren." Ein Beispiel sind niedrigere Vorlauftemperaturen in den Fernwärmenetzen.

Alles lässt sich wegen unterschiedlicher Rahmenbedingungen zwar nicht auf Deutschland übertragen: Finanziert der dänische Staat ein Projekt, gilt beispielsweise das Non-Profit-Gebot. Aber: Potenziale bieten Mildenberger zufolge der kooperative Ansatz über Sektorengrenzen hinweg oder die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger zum Beispiel in Form von Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften oder Projektgesellschaften als Public Private Partnership.

Deutschland ist spät dran

Die größte Herausforderung hierzulande sei es, jetzt mit hoher Geschwindigkeit in die Umsetzung zu kommen. "Deutschland ist bei der Wärmeplanung vergleichsweise spät dran, wir haben nicht mehr viel Zeit bis 2045." Dänemark hat seine Wärmeversorgung anlässlich der Ölkrise in den 1970er-Jahren auf den Prüfstand gestellt. Kurz danach verpflichtete die dänische Regierung die Kommunen dazu, Wärmepläne zu erstellen und auf erneuerbare Energien und Fernwärmenetze zu setzen.

Auf Einladung des DBDH nahmen beispielsweise im März dieses Jahres 35 Vertreterinnen und Vertreter nordrhein-westfälischer Gemeinden, von Stadtwerken, Energieversorgern und Verbänden sowie dem Landeswirtschaftsministerium an einer zweitägigen Reise mit dem Schwerpunkt Fernwärme nach Dänemark teil. Eine nächste ist für Oktober geplant.

Erster Stichtag 2026

Für Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern gilt eine Frist bis zum 30. Juni 2026. Kleinere Städte haben dafür zwei Jahre länger Zeit. Das sieht das seit dem 1. Januar gültige Wärmeplanungsgesetz vor. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hofft, Bürgerinnen und Bürgern, den Unternehmen und Energieversorgern dadurch Planungssicherheit geben zu können. Die Planungsprozesse unterstützt Deutschland finanziell mit insgesamt 500 Millionen Euro.

NRW.Energy4Climate bündelt seit 2022 die Aktivitäten des Landes in den Bereichen Klimaschutz und Energiewende. Der Fokus liegt auf den vier am stärksten emittierenden Sektoren: Energiewirtschaft, Industrie und Produktion, Wärme und Gebäude sowie Mobilität. (dz)

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