Die Kooperation zwischen den Stadtwerken Garbsen und Enercity stößt auf Widerstand.

Die Kooperation zwischen den Stadtwerken Garbsen und Enercity stößt auf Widerstand.

Bild: © Enercity

Enercity hat mit der Stadt und den Stadtwerken Garbsen eine Netzkooperation geschlossen. Teil dieser Zusammenarbeit bildet die Übernahme des Gas- und Stromnetzes in Garbsen zum 1. Januar 2026 durch Enercity Netz. Im gleichen Zug hat Garbsen die bestehende Allianz mit dem bisherigen Partner, den Stadtwerken Neustadt am Rübenberge, gekündigt.

Als Reaktion hatte sich Dominic Herbst, Bürgermeister von Neustadt am Rübenberge, "äußerst erstaunt" zu Wort gemeldet und den Übergang der Netze als "weder abgesprochen noch rechtlich umsetzbar" bezeichnet. "Zum Wohle und zum Schutz der gemeinsamen Gesellschaft" seien deshalb mehrere Klageverfahren beim Landgericht Hannover anhängig, hieß es in einer Mitteilung der Neustadt am Rübenberge.

Die neue Kooperation mit Enercity bedeutet das Aus für die Netzgesellschaft Leinenetz. Die Gesellschaft entstand 2020 als Kooperation der niedersächsischen Stadtwerke Neustadt am Rübenberge und Garbsen und wurde von den kommunalen Unternehmen mit Interesse wahrgenommen.

Nun meldet sich auch der Geschäftsführer der Stadtwerke Neustadt am Rübenberge, Dieter Lindauer, mit kritischen Worten zum drohenden Aus der Leinenetz. Über die Beschlüsse der neuen Partner darüber, dass die Stromversorgung Stadtwerke Garbsen & Co. OHG und die Gasversorgung Garbsen GmbH an die Enercity Netz GmbH verkauft werden sollen, sei er nicht informiert worden. Keine Informationen vorab habe er auch über das Ende der Kooperation mit Stadtnetzen Neustadt am Rübenberge erhalten.

Rechtliche Fragen an die neue Kooperation

Der Energieversorger Avacon, der 24,9 Prozent an den Stadtwerken Garbsen hält, strengt nun ein sogenannten einstweiliges Verfügungsverfahren vor dem Landgericht Hannover an, das auf den 26. September terminiert ist. Ob und inwieweit die vorgenannten Kündigungserklärungen rechtlich haltbar sind, werde derzeit ebenfalls gerichtlich überprüft, fügte Lindauer hinzu. Auch hierzu sei ein einstweiliges Verfügungsverfahren vor dem Landgericht Hannover angestrengt worden. Ein Termin zur mündlichen, öffentlichen Verhandlung ist für den 19. September anberaumt worden.

Für die Stadtwerke Garbsen sei die Partnerschaft mit Enercity deutlich mehr als nur der Verkauf des Netzassets, hieß es aus Garbsen auf ZfK-Anfrage. "Wäre es nur darum gegangen, den Status quo zu halten, dann hätten wir nichts an dem Konstrukt Leinenetz ändern müssen und hätten zudem bei einem sukzessiven Vorgehen die Transformation der Netze auch alleine stemmen können." Aber vieles müsse bei der Klima- und Energiewende gleichzeitig umgesetzt werden, die Zeit drängt, auch wegen politischer Vorgaben. "Für diese Umsetzung haben wir uns mit Enercity einen Partner ins Boot geholt." Ihren Investitionsbedarf in die Netzinfrastruktur schätzen die Stadtwerke auf rund 250 Mio. Euro ein. (am)

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