Enercity hat mit der Stadt Garbsen und den Stadtwerken Garbsen eine Kooperation geschlossen. Das ausgerufene Ziel der Allianz sei es, "gemeinsam Antworten auf die energiewirtschaftlichen Fragen der Zukunft zu finden", teilte das Unternehmen mit.
Für einen zweistelligen Millionenbetrag übernimmt der Regionalversorger dafür unter anderem das Strom- und Gasnetz von den Stadtwerken Garbsen. Die Allianz soll helfen, die Netzinfrastruktur der Kommune nachhaltig aufzustellen. Ihren Investitionsbedarf in die Netzinfrastruktur schätzen die Stadtwerke auf rund 250 Mio. Euro ein.
Aus für Netzgesellschaft Leinenetz
Aus dem Verkaufserlös erhalten die Stadtwerke zusätzliches Kapital, um Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende vor Ort zu finanzieren. Der Garbsener Stadtrat hat die Kooperation bereits genehmigt. Zum 1. Januar 2026 soll Enercity Netz diese Funktion übernehmen.
Die Partnerschaft mit Enercity habe viele Facetten und der Verkauf unserer Netzassets ist nur ein kleiner Teil dieser Kooperation, hieß es aus Garbsen auf ZfK-Anfrage. "Wäre es nur darum gegangen, den Status quo zu halten, dann hätten wir nichts an dem Konstrukt Leinenetz ändern müssen und hätten zudem bei einem sukzessiven Vorgehen die Transformation der Netze auch alleine stemmen können." Aber vieles müsse bei der Klima- und Energiewende gleichzeitig umgesetzt werden, die Zeit drängt, auch wegen politischer Vorgaben. "Für diese Umsetzung haben wir uns mit Enercity einen Partner ins Boot geholt."
Die neue Allianz mit Enercity bedeutet zugleich das Aus für die Netzgesellschaft Leinenetz, die ab 2020 als Kooperation der niedersächsischen Stadtwerke aus Neustadt am Rübenberge und Garbsen entstanden ist.
Aktuell ist die Netzgesellschaft als Netzbetreiber unter anderem für die Wartung und Instandhaltung der Strom- und Gasnetze in Garbsen zuständig. Diese Gesellschaft entstand 2020 als Kooperation der niedersächsischen Stadtwerke aus Neustadt am Rübenberge und Garbsen. Zum 1. Januar 2026 soll Enercity Netz diese Funktion übernehmen.
Leinenetz-Partner strebt Klagen an
Die Bekanntgabe über die neue Kooperation habe Dominic Herbst, Bürgermeister von Neustadt am Rübenberge, "äußerst erstaunt" zur Kenntnis genommen. Einen damit verbundenen Netzübergang von Garbsener Strom- und Gasnetzen aus der Gesellschaft Leinenetz sei mit dem Partner "weder abgesprochen noch rechtlich umsetzbar".
Herbst hält die Kündigung der Netzkooperation für rechtswidrig und gehe vom Fortbestand der Leinenetz aus. "Zum Wohle und zum Schutz der gemeinsamen Gesellschaft sind nun mehrere Klageverfahren beim Landgericht Hannover anhängig", hieß es in einer Mitteilung der Neustadt am Rübenberge.
Zu der Trennung von dem bisherigen Partner wollten die Stadtwerke Garbsen keine Details nennen. "Wir befinden uns im Trennungsprozess mit der Leinenetz GmbH und möchten – auch aus rechtlichen Gründen – zum laufenden Verfahren keine Aussagen treffen", hieß es dazu auf Anfrage der ZfK.
Sicher sei aber, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter beschäftigt werden, entweder bei den Stadtwerken Garbsen, der Enercity oder den Konzerngesellschaften in Neustadt.
Kooperation mehr zeitgemäß
Die Entscheidung in Garbsen war wohl eine Reaktion auf die aktuellen Herausforderungen. Das Konstrukt der Leinenetz sei 2017-2018 initiiert worden, um Antworten auf die Herausforderungen damaliger Zeit zu liefern, teilten die Stadtwerke Garbsen mit. Dieses Konstrukt helfe allerdings nicht mehr, um die Fragen der Zukunft zu beantworten. (am)



