Dass Kommunen ihr Netzgeschäft zusammenlegen, hat Seltenheitswert. In Niedersachsen gehen jetzt zwei Städte genau diesen Weg. Die Stadtwerke Garbsen und die Stadtnetze Neustadt am Rübenberge bündeln ihr Infrastruktur- und Netzgeschäft ab dem 1. Januar kommenden Jahres in der gemeinsamen Gesellschaft "LeineNetz" (LNG). Die LNG wird Netzbetreiber für Strom, Gas und Wasser und übernimmt zudem die Bereiche Wärme und Straßenbeleuchtung. Aufgrund der Neuordnung wechseln rund 140 Mitarbeiter im Rahmen eines Betriebsübergangs aus den Muttergesellschaften zum neuen Netzbetreiber. Die zuständigen Gremien, die Räte der Städte und die beteiligten Unternehmen haben die entsprechenden Beschlüsse einstimmig gefasst.
Pachtmodell - Assets bleiben bei den Muttergesellschaften
Die Basis für die Zusammenlegung der Netzbetriebe bildet ein Pachtmodell. Die Stadtwerke Garbsen (SWG) und die Stadtnetze Neustadt am Rübenberge (SNN) haben ihre Netze jeweils an die LNG verpachtet, gleichzeitig sind SWG und SNN zu jeweils 50 Prozent an der LNG beteiligt. So können beide Kommunen aus dem Großraum Hannover auch künftig über die Wirtschafts- und Investitionspläne Einfluss auf die Netzentwicklung nehmen. Durch die Zusammenlegung entsteht ein gewichtiger neuer Netzbetreiber mit insgesamt rund 63.000 Stromnetzkunden, 1.500 ins Netz einspeisenden EEG-Anlagen und rund 200 Energielieferanten. Beide Städte zusammen haben etwa 110.000 Einwohner.
Geleitet wird die LNG von SWG-Geschäftsführer Siegbert Hahnefeld und SNN-Geschäftsführer Dieter Lindauer. Durch den Zusammenschluss erzielt die Netzgesellschaft sowohl Regulierungseffekte als auch qualitative Verbesserungen und Einsparungen, die sich im Rahmen der Fotojahre 2020 (Gas) und Strom (2021) sowie im Rahmen der 4. Regulierungsperiode positiv auswirken, heißt es in der Pressemitteilung. Zudem erbringe die LNG ihre Leistungen ab 2020 vermehrt in Eigenregie, Verrechnungsposten zu konzerneigenen Gesellschaften fielen ersatzlos weg. Die Zusammenlegung sichere sowohl die Arbeitsplätze und führe zu Skaleneffekten, Kostensynergien, aber auch zu optimalen Teamgrößen und Qualitätsverbesserungen.
Vom Abrechnungsdienstleister zum Netzbetreiber
Die SWG und die SNN arbeiten bereits seit 2011 zusammen. Die gemeinsame Tochter LNG wurde bereits 2016 gegründet und hat bisher vor allem Abrechnungsdienstleitungen für die beiden Muttergesellschaften übernommen, insbesondere im Bereich der Netzentgelte. Im Zuge dessen waren bereits 25 Mitarbeiter zur LNG gewechselt. "Wenn Garbsen und Neustadt das für sich allein machen würden, müssten beide Personal einstellen. Das steigert die Kosten", verdeutlichte SWG-Geschäftsführer Hahnefeld. Würde man hingegen einen externen Dienstleister mit der Abrechnung beauftragen, würde das Arbeitsplätze vernichten. Insofern sei die "LeineNetz" ein Qualitäts- und Kostenoptimierer.
Neben den klassischen Geschäftsfeldern sieht die neue Struktur der LNG auch zwei neue Geschäftsbereiche vor: Unternehmensentwicklung & Digitalisierung sowie Vertrieb & Kundenmanagement. In diesen beiden werden Aufgaben und Funktionen rund um das Thema Unternehmensentwicklung als auch die kundenorientierten Prozesse im Unternehmen LNG gebündelt.
Neue Struktur soll Innovationen fördern
"Dies gab es sowohl in Garbsen als auch in Neustadt nicht. Wir haben gute Mitarbeiter und erhoffen uns duch die neue Struktur noch mehr marktfähige Innovationen und kundenorientierte Geschäftsprozesse", sagt SNN-Geschäftsführer Lindauer. Das gelinge nur, wenn man diese Themen auf die zweite Führungsebene bringe, deshalb wird die Geschäftsleiterebene als erweiterte Geschäftsführung angesehen.
Enercity und Avacon begrüßen den Schritt
Auch die Minderheitsgesellschafter der SNN und der SWG - an beiden Unternehmen halten die Kommunen die Mehrheit - begrüßten die Zusammenlegung des Netzbetriebs. Avacon beispielsweise ist sowohl an der SWG als auch der SNN beteiligt. "Die Anforderungen an Netzbetreiber werden immer komplexer, dem kann man nur mit Kooperation begegnen. Was man in Garbsen und Neustadt geschaffen hat, ist beispielgebend für die Stadtwerkelandschaft, die andernorts leider stark von Kirchturmdenken geprägt ist", betonte Frank Aigner, Personalvorstand der Avacon.
An der SWG hält auch der Regionalversorger Enercity 20 Prozent. "Die Einbringung des Netzgeschäfts in die LeineNetz ist angesichts der Herausforderungen der Zukunft der logische nächste Schritt in der Zusammenarbeit", kommentierte Enercity-Chefin Susanna Zapreva. Davon profitiere auch Enercity als Gesellschafter, weil es die Zukunftsfähigkeit der SWG stärke. (hoe)



