Das Thema Klimaneutralität wird in den kommenden Jahrzehnten für Stadtwerke einer der wichtigsten strategischer Treiber sein. "Das Selbstbild der Branche hat sich im vergangenen Jahr total gedreht. Kommunale Versorger sehen sich mit ihren Nachhaltigkeitsstrategien mittlerweile in einer Vorreiterrolle und nehmen diese aktiv an, auch als kompetenter Umsetzungspartner der Kommunen", sagt Christiane Michulitz, Partnerin bei dem Aachener Beratungsunternehmen BET im Gespräch mit der ZfK.
Anfang vergangenen Jahres hätten viele Branchenvertreter:innen noch mit Skepsis auf dieses Thema geschaut. "Mittlerweile ist die Notwendigkeit einer glaubwürdigen Positionierung zur Klimaneutralität in der Kommunalwirtschaft unumstritten. Über einen Teil der Positionen der Grünen und die langfristige Bedeutung der Fridays-for-Future-Bewegung besteht mittlerweile auch in der Energiebranche Konsens", sagt Michulitz.
Veränderungsdruck hat weiter zugenommen
Hier habe das Karlsruher Urteil zum Klimaschutzgesetz und der Koalitionsvertrag der Bundesregierung viel neuen Schwung gegeben.
Ob Aufsichtsrat, Kunden, Belegschaft – der Veränderungsdruck von Stadtwerken werde in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Zum eigenen Umgang mit Maßnahmen Richtung Klimaneutralität müssten sich Unternehmen entsprechend positionieren, insbesondere mit Blick auf die eigene Erzeugung, die Vertriebsprodukte oder eine umweltschonende Betriebsführung.
BET verzeichnet laut Michulitz aktuell sehr viele Anfragen von Stadtwerken zum Thema Klimaneutralität. Die Beratungsbedarf liege vor allem in einer systematischen Bestandsaufnahme, der strategischen Positionierung und in der Identifizierung von Handlungsfeldern.
BET hat Förderung für Klimaschutznetzwerk mit 17 Stadtwerken beantragt
Um die Bemühungen der Stadtwerke in diesem Strategiefeld zu unterstützen und zu bündeln, hat BET im vergangenen Jahr Interessenten für das Klimaschutznetzwerk #Klimawerke gesucht. Die Initiative versteht sich laut eigenen Angaben als „Wissensplattform für klimaneutrales Wirtschaften im Energiesektor“.
17 interessierte Unternehmen haben gemeinsam mit BET einen Förderantrag als Klimaschutznetzwerk über die Nationale Klimaschutzinitiative eingereicht. Im Falle einer Förderung werden die Teilnehmer unter anderem mit Informationsveranstaltungen, Erfahrungsaustausch und Best-Practice-Beispiele unterstützt. Mehr dazu finden Sie unter www.klimawerke.de
Nachhaltigkeit und Klimaneutralität hatte BET bereits Anfang vergangenen Jahres in seiner Studie „Die EVU 2030 – Wie sieht die Organisation der Zukunft aus?“ als wichtige, künftige Differenzierungsmerkmale bezeichnet. „Hier sollten sich EVU mit intelligenten Produkten an die Spitze der Bewegung setzen“, lautete eine der Thesen aus dem Dokument, der mittlerweile viele Branchenvertreter zustimmen würden.
Branche ist sich einig: Neue Geschäftsmodelle werden benötigt
Noch steiler war die in der Studie geäußerte Prognose, dass bis 2030 rund ein Viertel des EVU-Umsatzes aus Dienstleistungen stammen werde. "Das haben wir inhouse aber auch im Laufe des vergangenen Jahres in verschiedenen Webinaren intensiv und teils sehr kontrovers mit Vertretern und Vertreterinnen aus Stadtwerken diskutiert. Aber auch diese These fand eine hohe Zustimmung“, so Michulitz.
Die meisten Diskussionsteilnehmer seien der Meinung gewesen, dass man neue Geschäftsmodelle finden müsse, um sich angemessen zu positionieren.
Nicht die gleichen Renditen wie früher
"Die Erfahrung lehrt, dass mit den neuen Geschäftsmodellen nicht die gleichen Renditen zu erwirtschaften sind, wie mit den alten“, sagt die BET-Partnerin für Organisation und Prozessmanagement. Gerade kleinere Stadtwerke stünden dabei vor der Herausforderung, sich ggfs. auf weniger Geschäftsmodelle zu konzentrieren und zu überlegen, “was können wir rentabel machen und welche Geschäftsmodelle werfen wir auch gezielt ab“. Geschäftsfelder wie Elektromobilität, Breitband und Elektrolyseure für Wasserstoff sei für Stadtwerke aller Größen künftig ein „spannendes Geschäftsfeld“. (hoe)



